Landwirte kämpfen gegen die Krise an

Von: Sarah Siemons
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Aachen. Wenn Jakob Grooten den Warmwasserhahn aufdreht, bekommt der Landwirt schlechte Laune. Dabei sollte es ihn eigentlich freuen, dass er die Wärme durch die neue Milchkühlanlage gewinnt. Damit schont er seinen Geldbeutel und die Umwelt.

Doch Grooten weiß, solche Investitionen wird es für ihn vorerst nicht mehr geben. „Wir treten als Unternehmen auf der Stelle, und Stillstand ist Rückstand”, sagt er.

Doch den Eigner des Mischbetriebes am Seffenter Berg plagt nicht nur die Sorge um zukünftige Erneuerungen, sondern auch um die Existenz. Deshalb hatten die Kreisbauernschaft sowie die Landfrauen zum Pressegespräch geladen.

Bereits jetzt lebt Grooten wie seine Kollegen in der Region vom Eingemachten. „Wie soll das auch anders gehen? Einen Liter Milch zu produzieren, kostet 35 Cent, zurzeit bekommen wir aber nur 20 Cent.”

Bei den übrigen Erzeugnissen - Grooten baut auch Raps, Zuckerrüben und Getreide an - sei es nicht besser. „Ich habe noch die Gerstenernte aus dem letzten Jahr gelagert, weil ich zehn Cent pro Kilo fordere, mir bisher aber nur neun Cent geboten wurde”, erklärt Grooten.

Im Kreis Aachen gibt es 450 Haupterwerbshöfe, die sich alle vor eine Krise gestellt fühlen. Denn zu den Dumpingpreisen kommen erschwerte Wettbewerbsbedingungen: Während die Nachbarn in Belgien und den Niederlanden ihre Maschinen mit Heizöl fahren, zahlen die deutschen Landwirte 40 Cent Steuern pro Liter „Agrardiesel”.

„Dieser Nachteil muss abgeschafft werden”, fordert Wilfried Jansen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. „Im Angesicht der wirtschaftlichen Situation können wir das nicht länger hinnehmen.”

In dieser schwierigen Zeit bringen die Supermärkte nun auch noch neue Produkte in die Regale. Käse, der nicht aus Milch hergestellt wird, zum Beispiel. „Doch wer liest schon das Kleingedruckte?”, fragt Antonia Crousen, Vorsitzende der Landfrauen. „Ich finde es unerhört, dass so etwas überhaupt Käse heißen darf”, erklärt sie.

„Nicht zur Billig-Milch greifen”

Es kommt also hart auf hart. Trotzdem denken die Landwirte nicht an Streik. „Nein, streiken wollen wir nicht. Denn damit schaden wir ja den Genossen, etwa den Molkereien”, sagt Georg Grooten.

Der 25-Jährige hat gerade sein Studium der Agrarwissenschaften abgeschlossen und wird bald den Hof der Eltern übernehmen. „Ich bin dann die achte Generation auf dem Hof, hoffentlich nicht die letzte.” Was aber kann der Verbraucher tun? „Nicht zur Billig-Milch greifen”, rät Grooten.
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