Städteregion - Kreismusikfest nach 61 Jahren am Ende?

Kreismusikfest nach 61 Jahren am Ende?

Von: Heiner Schepp
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Ein schönes Bild: Zum Abschluss des städteregionalen Musikfestes musizierten alle teilnehmenden Gruppen gemeinsam. Foto: Schepp

Städteregion. Als der schöne Marsch „Saluto Lugano“ am Sonntagnachmittag auf der Festwiese in Kalterherberg aus hunderten Instrumenten erklang, waren für ein paar Minuten die Sorgen vergessen – Sorgen um eine Musikveranstaltung mit einer langen Tradition.

Das Musikfest der Städteregion, das bis 2009 Kreismusikfest hieß (und von manchem auch heute noch so genannt wird) erlebte am Sonntag seine 61. Auflage, und es spricht einiges dafür, dass es das letzte städteregionale Musiktreffen in dieser Form war.

„Wir wollten das Fest eigentlich im kommenden Jahr ausrichten, weil wir 2017 unseren 135. Geburtstag feiern. Da es aber derzeit so aussieht, als ob es das Musikfest dann nicht mehr geben wird, haben wir die Ausrichtung ein Jahr vorgezogen“, sagte Bernd Jakobs, Vorsitzender des gastgebenden Musikvereins „Harmonie“ Kalterherberg. Jakobs hatte zuvor, beim Abschluss des Festumzuges auf einer Wiese an der Vereinshalle Kalterherberg, in seiner Ansprache kritische Töne angeschlagen zu den geplanten Einsparungen der Städteregion im Rahmen des Strukturkonzeptes 2015 bis 2025.

„Wenn man auch in Zukunft solche Veranstaltungen mit Erfolg durchführen will, bedarf es der Hilfe der Städteregion, bedarf es der Hilfe der politischen Gremien wie auch der Verwaltung. Und es bedarf besonders der Gespräche, wo wir Hilfe brauchen“, sagte Jakobs. „Ein Fest wie dieses ist kein Selbstläufer. Es ist viel Arbeit und viel Ehrenamt, aber auch Ehrenamt hat seine Grenzen – und an diesen Grenzen benötigen wir Hilfe“, betonte der „Harmonie“-Vorsitzende unter dem Beifall der Musiker und Zuschauer.

Die Ausrichtung des Festes unterstützt die Städteregion jährlich mit 4000 Euro und übernimmt teilweise die Öffentlichkeitsarbeit für das Event. „Zusätzlich erhalten die teilnehmenden Vereine einen Fahrtkostenzuschuss“, erläutert Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion. Für Vereine, die für das Fest beispielsweise ein Zelt anmieten müssten, sei die Veranstaltung trotz des Zuschusses kaum gewinnbringend und nur mit zahlreichen ehrenamtlichen Kräften zu stemmen, meint Bernd Jakobs. Auch der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) griff den Ehrenamtsgedanken auf und bestätigte, „dass das Ehrenamt zu Recht die Unterstützung durch die öffentliche Hand einfordert“.

Noch konkreter wurde Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter (CDU): „Es ist richtig und wichtig, dass wir die Sportvereine in dem Maße unterstützen, wie wir das seit vielen Jahren tun. Bisher bei der Städteregion konzentriert ist die Förderung der musiktreibenden Vereine, und wir alle wissen, dass gerade diskutiert wird: Bleibt diese Förderung bei der Städteregion oder geht dies in die Städte und Gemeinden? Ich darf für die Stadt Monschau sagen – und da weiß ich alle Politiker an meiner Seite: Wir werden Sie da nicht alleine lassen, sollte die Städteregion eine andere Entscheidung treffen. Und ich bin mir sicher, das gilt auch für unsere beiden Nachbarkommunen“, unterstrich Ritter, appellierte jedoch an die Städteregion: „Wenn man dieses Bild hier heute sieht, diese Kraft, die im Südkreis vorhanden ist, würde ich mir wünschen, dass auch die Vereine im Nord- und im Mittelkreis sich dieser langen Tradition anschließen.“

Die Monschauer Bürgermeisterin dankte ausdrücklich der aus Aachen angereisten KG Öcher Storm für ihren Besuch des Musikfestes. Musikgruppen aus Aachen waren bei dem Fest am Sonntag aber ebenso wenig vertreten wie aus den anderen Kommunen außer Monschau und Simmerath. Die Gemeinde Roetgen war nur durch den stellvertretenden Bürgermeister Helmut Mulorz im Festkomitee vertreten.

Insgesamt zählt der Musikverband Aachen 53 angeschlossene Musikvereine und Spielmannszüge von Aachen bis Monschau, von Herzogenrath bis Eschweiler. Gerd Förster, Geschäftsleiter des Musikverbandes, appellierte an die Städteregion, „die Förderung der Vereine nicht zu reduzieren, auf jeden Fall aber, bei eventuellen Änderungen, mit uns im engen Gespräch zu bleiben“.

Zusammenhalt immer schwächer

Es ist aber auch ein offenes Geheimnis, dass der Solidaritätsgedanke beim Kreismusikfest schon von Beginn an ein Problem war. Auch bei den ersten Festen waren die Vereine aus dem Nordkreis stets in der klaren Unterzahl, zumindest aber waren sie vertreten. Diese Situation führte dann dazu, dass das Musikfest ab dem Jahr 2000 fast nur noch von Vereinen in der Nordeifel ausgerichtet wurde. In den zurückliegenden Jahren aber wurde der Zusammenhalt noch schwächer, und das Musikfest der Städteregion verdiente seinen Namen nicht mehr wirklich, denn Vereine aus dem Nordkreis zeigten sich nur noch ganz vereinzelt.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg kündigte noch am Sonntag an, für die Vereine und den Verband ein offenes Ohr zu haben: „Herr Förster und weitere Musiker haben mich dringend um ein Gespräch über die Vereinsförderung und eine Fortsetzung des Musikfestes gebeten. Selbstverständlich werde ich diesem Wunsch nachkommen.“

Städteregions-Pressesprecher Detlef Funken zum Thema

Haben wir in Kalterherberg das 61. und letzte Musikfest der Städteregion erlebt oder wird es 2017 das 62. Musikfest geben – mit Unterstützung durch die Städteregion?

Funken: Die Städteregion hat im Rahmen des Strukturkonzeptes 2015 – 2025 alle ihre Aufgaben kritisch hinterfragt und intensiv geprüft. Dabei hat sie sich insbesondere auf die Kernaufgaben konzentriert, die mit einer unmittelbaren Wirkung auf die Bürger verbunden sind und mit einer hohen Qualität wahrgenommen werden sollen. Um die finanzielle Handlungsfähigkeit zu erhalten und unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der regionsangehörigen Kommunen schlägt die Verwaltung vor, das Musikfest nicht mehr zu unterstützen. Dadurch könnten etwa 6000 Euro im Jahr eingespart werden. Die Entscheidung trifft der Städteregionstag im Rahmen der Haushaltsdiskussion 2017. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich der Städteregionstag in der Dezember-Sitzung mit der Vereinsförderung beschäftigen wird.

Ist das geringe Interesse der Aachener, Eschweiler, Stolberger und Nordkreis-Musikvereine darin begründet, dass das Fest seine Wurzeln im Altkreis Monschau hat?

Funken: In den vergangenen 15 Jahren fand das Musikfest nur einmal nicht in einer der Eifelkommunen statt. Die Teilnehmerzahl variierte stets zwischen zwölf und 19 Vereinen, wobei die meisten aus Monschau und Simmerath kamen. Das Ziel, ein Gemeinschaftsgefühl möglichst vieler Musikvereine herzustellen, ist in den vergangenen Jahren nicht mehr erreicht worden.

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