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Kreishandwerkerschaft: Mahnende Worte auch in guten Zeiten

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Glücksbringer: Dieter Eschweiler (2.v.r.), Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Aachen, und sein Stellvertreter Detlef Nauß (l.) überreichten Helmut Etschenberg (r). gemeinsam mit Kreishandwerksmeister Herbert May (2.v.l.) und Geschäftsführer Ludwig Voß eine Torte. Foto: Grobusch

Städteregion. „Wenn Herbert May die Lage als zufriedenstellend bezeichnet, dann ist er in Wahrheit sehr zufrieden“, meinte Helmut Etschenberg. Zwar wollte der Kreishandwerksmeister diese Interpretation nicht unkommentiert stehen lassen, aber wirklich widersprechen konnte er dem Städteregionsrat nicht.

Ein Umsatzplus gegenüber 2014 von drei Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, konstante Beschäftigungszahlen und eine leicht steigende Tendenz beim Abschluss von Ausbildungsverträgen sind beispielhafte Belege dafür, dass die Kreishandwerkerschaft mit ihren 25 Innungen und rund 5500 Betrieben gut aufgestellt ist. May drückte es so aus: „Das Handwerk ist weiter an der Spitze des Konjunkturzuges.“

Das nahmen auch die Vorsitzenden der im Städteregionstag vertretenen Fraktionen, die von Etschenberg erstmalig zum Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Städteregionshaus hinzugebeten worden waren, mit Genugtuung zur Kenntnis.

Sie registrierten aber auch die mahnenden Worte, die der Kreishandwerksmeister mit Blick auf das Jahr 2016 wählte. Etwa als es um die im Rahmen des Strukturkonzeptes angestellten Überlegungen ging, angesichts rückläufiger Schülerzahlen die Zahl der derzeit neun Berufskollegs ab 2020 zu reduzieren. „Es muss Lösungen vor Ort geben“, forderte May. „Beispielsweise dadurch, dass bei artverwandten Berufen die Lernstoffe in den ersten beiden Ausbildungsjahren gemeinsam vermittelt werden.“ In jedem Fall müsse vermieden werden, dass Berufe aufgrund weiter Fahrwege zu den Berufsschulen und damit unattraktiver Ausbildungsbedingungen ins Hintertreffen geraten.

Dass dies auch jetzt schon vorkommt, wusste Detlef Nauß aus der Praxis zu berichten. Denn angehende Schornsteinfeger aus der Region müssen im wöchentlichen Wechsel ein- und zweimal zum Berufsschulunterricht nach Köln fahren. „ Das ist für Auszubildende aus der Eifel zum Teil mit eineinhalbstündigen Fahrten verbunden“, beklagte der stellvertretende Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Aachen.

Zu den großen Herausforderungen auch in diesem Jahr, darüber herrschte Einigkeit bei den Gästen des Neujahrsempfangs, zählt die Aufnahme von Flüchtlingen. „Ich habe im Handwerk eine positive Grundhaltung festgestellt, diesen Menschen zu helfen, auch bei der Integration“, lobte Helmut Etschenberg.

Das konnte Herbert May bestätigen, verwies aber zugleich auf den Wunsch der Betriebe nach einer größeren Rechtssicherheit. „Es ist schwierig, in Menschen zu investieren, von denen man heute nicht weiß, ob sie morgen noch da sein werden“, zeigte der Städteregionsrat Verständnis für die Forderung von Ralf Philippen. Der Obermeister der Bau-Innung Aachen hatte mit Blick auf die Anstellung von Flüchtlingen festgestellt, dass deren Aufenthaltsrecht nicht nur für die Zeit der Ausbildung, sondern mindestens für zwei weitere Jahre gesichert werden müsse. Darin liege für alle Beteiligten eine Chance.

Chancen hat die Kreishandwerkerschaft auch noch in einem anderen Bereich erkannt: „Wir müssen uns viel intensiver der Energieeffizienz widmen. Da ist ein riesiges Potenzial vorhanden“, erklärte Herbert May und plädierte dafür, den Fokus nicht allein auf erneuerbare Energien zu richten. „In Energieeffizienzmaßnahmen sollten Kommunen, Privatleute und Unternehmen gleichermaßen investieren. Sie schonen damit nicht nur die Umwelt, sondern in Zukunft auch ihren eigenen Geldbeutel.“

In diesem Sinne hatte Uwe Zink gute Kunde. Der Bau- und Umweltdezernent kündigte an, dass die gut fünf Millionen Euro, die die Städteregion in den kommenden Jahren im Rahmen des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes vom Bund erhalten wird, vor allem in die energetische Sanierung ihrer Schulgebäude fließen sollen.

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