Kreishandwerker: Appell gegen die Reglementierungswut

Von: Hans-Peter Leisten
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Kreishandwerker Aachen
Kreishandwerksmeister Herbert May skizzierte beim Silvesterempfang Perspektiven. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Optimismus mit einer Prise Vorsicht und Innovation mit Blick auf das Machbare – so lauten zwei der wichtigsten Zutaten, die Herbert May seinen Gästen als Rezept für das Jahr 2017 mit auf den Weg gegeben hat. Der Kreishandwerksmeister lädt traditionell am Morgen des Silvestertages zum Empfang ins Haus Kommer in Aachen-Forst ein.

Er nutzte diese Gelegenheit, um die Bilanz des auslaufenden Jahres mit Perspektiven für die kommenden zwölf Monate zu verknüpfen. 

Eine Aufgabe, die May auch in diesem Jahr mit zwiespältigen Gefühlen erfüllt haben dürfte. Schließlich musste er den Bogen wieder zwischen durchaus erfreulichen Aspekten für das regionale Handwerk in einer zunehmend problematischen weltpolitischen Gesamtlage skizzieren.

Das Auditorium ist bei diesen Empfängen durchaus hochkarätig besetzt. Landtagsabgeordnete folgen der Einladung ebenso wie zahlreiche Lokalpolitiker und -politikerinnen, Vorstände der großen regionalen Bankhäuser, Vertreter der Kirchen, Verbände, Vereine und vor allem der verschiedenen Handwerksrichtungen.

Von einem durchaus „zufriedenstellenden Jahr 2016“ sprach May. Er nannte die Wohnungsbautätigkeit als einen Motor, resultierend aus wachsenden Realeinkommen, steigender Beschäftigung und niedrigen Zinsen. Konsumfreudige Verbraucher und die „erfreulich robuste gesamtwirtschaftliche Konjunktur“ seien weitere Wachstumsfaktoren. Kapazitäten der Handwerksbetriebe seien zunehmend ausgelastet, und der Zentralverband des Deutschen Handwerks habe ermittelt, dass 92 Prozent der Betriebe eine Verbesserung oder zumindest Stabilisierung ihrer Lage erwarteten.

Der Kreishandwerksmeister steht zur Verpflichtung seines Zweiges im Ausbildungs- und Arbeitsplatzsektor – allerdings müssten dazu die Rahmenbedingungen stimmen. Und hier sparte May nicht mit Kritik. Als Beispiel für kontraproduktive politische Maßnahmen nannte er die von der NRW-Regierung geplante gesetzlich festgezurrte Hygieneampel für Betriebe des Lebensmittelhandwerks.

Diese scheuten mitnichten Kontrollen – die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten reichten aber absolut aus: „Wir brauchen keine weitere Bürokratie.“ Und grundsätzlich ergänzte er später: „Wenn neue Verordnungen erlassen werden, sollten alte gestrichen werden. Am beste zwei alte Verordnungen für eine neue Verordnung.“ Der große Applaus der Anwesenden aus dem Handwerk bestätigte durchaus seine Meinung.

In die Pflicht nahm May die Politik auf allen Ebenen, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. Handwerksbetriebe hätten in einer Umfrage bis zu sieben Stunden Zeitverlust durch Staustehen beklagt.

Traditionell bildet der Bereich der Ausbildung im Handwerk einen Schwerpunkt der Betrachtungen des jeweiligen Kreishandwerksmeister. May ermutigte die jungen Menschen, den Weg ins Handwerk zu beschreiten. Ein Slogan für 2017 laute „Einfach machen“. Und wenn die Auszubildenden dann spürten, dass sie nicht den richtigen Weg gewählt hätten, dann sei auch ein „Spurwechsel“ legitim. Nicht nur in diesem Punkt schlüpfte Herbert May am Samstag bewusst in die Rolle des Mutmachers.

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