Herzogenrath - Knappe Mehrheit zeigt Politikern die grüne Karte

Knappe Mehrheit zeigt Politikern die grüne Karte

Von: Jutta Geese
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Spitzenkandidaten treffen Erstwähler: Im Berufskolleg Herzogenrath stellten sich die Politiker den Fragen der Schüler. Foto: Ralf Roeger

Herzogenrath. Wie schwierig es ist, Menschen für relativ abstrakt erscheinende politische Gebilde zu begeistern, hat die geringe Beteiligung an der Europawahl am vergangenen Wochenende gezeigt.

Nicht ganz so weit weg von den Bürgern, aber Neuland und ähnlich abstrakt ist die Städteregion Aachen: Am 30. August werden die Menschen in Stadt und Kreis erstmals ein gemeinsames Parlament und - als Nachfolger des Landrates - einen Städteregionsrat wählen. Um möglichst viele Wähler an die Urne zu bringen, rühren die Parteien jetzt kräftig die Werbetrommel. Im Berufskolleg Herzogenrath stellten sich am Dienstag fünf Spitzenkandidaten den Fragen von Schülerinnen und Schülern der neun Berufskollegs in der Städteregion.

Was die Wähler von ihnen erwarten können? In einem Satz fassten die Kandidaten ihre zentrale Botschaft zusammen: Helmut Etschenberg (CDU) steht für „Erfahrung, Vertrauen und unendliches Engagement”; Thomas Griese (Grüne) steht für „Kompetenz und Glaubwürdigkeit und für die Städteregion als Vorreiter bei Umwelt und Ökologie”; Uwe Löhr (Die Linke) steht für „die Förderung von Familien und Kindern und eine demokratische Entscheidungsfindung”; Werner Pfeil (FDP) steht für „mehrsprachige Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft”; und Uwe Zink (SPD) steht für „eine Politik mit Herz, für Umwelt und Kreativität in der Wirtschaft”.

Mehr ins Detail mussten die Spitzenkandidaten in den zwei Fragerunden gehen, die zehn Schülerinnen und Schüler vorbereitet hatten. Offen gaben sie Auskunft über ihren beruflichen und politischen Werdegang und versuchten darzulegen, warum sie kandidieren. Dabei wurde deutlich, dass alle in der Städteregion eine Riesenchance sehen, die Region wirtschaftlich zu stärken.

Denn „wir müssen weg vom Kirchtumsdenken kommen” (Zink), „wir werden stärkeres Gewicht gegenüber dem Land haben und für Unternehmen attraktiv werden, was letztlich Arbeitsplätze und Wohlstand bedeutet” (Löhr), „wir werden mehr Fördergelder in die Region holen, wenn wir als große Einheit auftreten” (Griese), „mit Projekten wie dem RWTH-Campus neue Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten und neue Berufsbilder in der Region etablieren” (Etschenberg) oder „durch Kooperation mit den niederländischen und belgischen Nachbarn Grenzen im Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich überwinden” (Pfeil).

Die Städteregion soll zu einer Modellregion im Bildungsbereich werden, darin zeigten sich alle fünf einig. Und auch der Sozialbereich und die Integrationspolitik habe einen hohen Stellenwert, betonten sie. Unterschiedliche Positionen wurden in der Diskussion nur an wenigen Stellen sichtbar, etwa in der Einschätzung, ob das neue Konstrukt Städteregion auch Schwächen habe. Zink, Pfeil und Löhr sehen derzeit keine, erst mal müsse man die Erprobungsphase abwarten. Etschenberg hätte gerne mehr Kompetenzen für die Städteregion, etwa in der Regionalplanung. Griese sieht Defizite in der Darstellung des Sozialbereichs

Schon vor der von Udo Kals, Redakteur dieser Zeitung, moderierten Podiumsdiskussion hatte Kollegleiter Christian Göbbels die rund 250 jungen Leute aufgefordert, am 30. August von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen: „Sie als Erstwähler haben das Recht, die Person zu wählen, die die Entwicklung der Städteregion mitbestimmt. Sie verteilen also politische Macht. Sie können Einfluss nehmen, wenn Sie Ihr Wahlrecht ausüben. Es wäre unvernünftig, es nicht zu tun.”

Die große Mehrheit der anwesenden Schüler ist auch gewillt, zur Wahl zu gehen, wie eine Probeabstimmung ergab - obwohl die Kandidaten nur eine knappe Mehrheit wirklich überzeugten. Jedenfalls zückten bei dieser Frage deutlich weniger Schüler die grüne Karte als bei der ersten.

Fünf Schüler-Duos löchern die Kandidaten

Stellvertretend für ihre Mitschüler forderten zehn Schülerinnen und Schüler verschiedener Berufskollegs fünf Spitzenkandidaten für das Amt des Städteregionsrates auf, Position zu beziehen: Jan Wawryzyniak und Tina van Aubel (gymnasiale Oberstufe Mies-van-der-Rohe-Schule), Jessica Purwin und Pia Lenzig (gymnasiale Oberstufe Käthe-Kollwitz-Schule), Dirk Engel und Thorsten Hompesch (Berufskolleg Stolberg, Ausbildung zum Industriekaufmann), Sandra Niedermaier und Christina Karhausen (Berufskolleg Herzogenrath, Wirtschaftsgymnasium) sowie Jennifer Schuman und Sandra Guttmann (berufskolleg Herzogenrath, Höhere Handelsschule).
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