Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie: Bebauungsplan steht

Von: Thorsten Karbach
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Hier gehts lang: Am Neuenhofe
Hier gehts lang: Am Neuenhofer Weg muss die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie dringend erweitert werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn Beate Herpertz-Dahlmann montagsmorgens in die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie kommt, dann stößt sie allzu oft auf unhaltbare Zustände.

So nennt es die Direktorin der Klinik, wenn Kinder und Jugendliche auf Matratzen in Spielzimmern und auf Fluren schlafen mussten, weil schlichtweg kein Bett mehr angeboten werden konnte. Aber als Versorgungsklinik für die Städteregion Aachen, Stadt und Kreis Düren sowie die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (dort haben die Kinder ein Recht auf Behandlung in ihrer Muttersprache, und die nächste Klinik wäre im frankophonen Lüttich) ist die Klinik verpflichtet, jedes Kind aufzunehmen, das beispielsweise von Suizidgedanken bedroht ist. Auch oder vor allem am Wochenende. „Es herrscht zunehmend Platz- und Bettennot”, sagt Herpertz-Dahlmann.

Die muss dringend gelindert werden. Und die Zeichen stehen gut. Ein Entwurf des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner aus Berlin liegt zur Umsetzung bereit, ein städtischer Bebauungsplan für eine Erweiterung der Klinik an Gut Neuenhof ist erstellt worden, nun muss noch das zuständige NRW-Gesundheitsministerium seine Zustimmung für den 12-Millionen-Euro-Bau geben. Dann könnte Ende des Jahres ausgeschrieben, 2013 gebaut und 2014 eingezogen werden. „Die Erweiterung ist sehr, sehr wichtig”, sagt Herpertz-Dahlmann.

Es gibt Zahlen, die die Dringlichkeit ebenso deutlich machen wie die Kinder, die auf Matratzen in den Fluren liegen. Die stationäre Auslastung liege laut der Direktorin bei über 100 Prozent, die in der Tagespflege sogar bei 140 bis 160 Prozent. Die Erweiterung würde aber nicht nur neuen Raum, sondern auch ganz neuen Handlungsspielraum schaffen.

Drei Baukörper sind über einer Tiefgarage mit 61 Stellplätzen geplant, die die Form des benachbarten Gut Neuenhof aufgreifen. „Architektonisch hochwertig und für die Arbeit ideal”, beschreibt Felix Lennertz von der Stabstelle Kommunikation des Klinikums den Entwurf, der sich in einem Architekturwettbewerb gegenüber 26 Mitbewerbern durchgesetzt hatte.

Im hinteren der drei Häuser (von der Vaalser Straße aus gesehen), würde die Aachener Klinik erstmals eine neue Eltern-Kind-Station einrichten können. „Das schafft uns ganz neue Möglichkeiten”, erläutert Herpertz-Dahlmann, denn dann könnten auch Kleinkinder und Säuglinge mit ihren Familien und sogar Geschwisterkindern stationär aufgenommen werden.

Da geht bis dato in Aachen wie auch in den meisten anderen Fachkliniken in Deutschland nicht. „Wir können beispielsweise bei Schreikindern oder Fütterungsproblemen endlich sehr früh Hilfe leisten. Das ist ein riesiger Schritt. Ein kleines autistisches Kind will man natürlich nicht von Vater und Mutter trennen. Die neue Station verbessert die Versorgung stark”, sagt die Direktorin. Und: „Das Konzept der drei Häuser ist perfekt für unsere Arbeit.”

Im mittleren Haus soll der Jugendbereich erweitert werden - auch hier nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Denn die geschützte Station mit stark selbstmordgefährdeten jungen Patienten soll hier angesiedelt werden. Der Volksmund spricht auch von der „Geschlossenen”, und die ist bislang in der Erwachsenenpsychiatrie untergebracht. „Das ist für beide Seiten - Jugendliche wie Erwachsene - nicht gut”, erklärt Herpertz-Dahlmann.

In Haus 3, hinter den Sportplätzen der Westwacht, wird eine große Ambulanz eingerichtet. Die befindet sich bislang im Souterrain des alten Schwesternhauses in Kullen - ohne dass Tageslicht auf die Arbeit fällt. Im alten Neuenhof könne sich dann die Tagesklinik ausbreiten und eine Psychotherapiestation einziehen.

Die Tagesklinik habe sich zunehmend als hervorragendes Modell beispielsweise in der Arbeit mit Essgestörten erwiesen. „Es ist besser, wenn die Patienten frühzeitig in ihr eigentliches Umfeld zurückgehen und wir weg von der Hospitalisierung kommen. Wir spüren hier einen Anstieg bei den Jüngeren, den Neun- bis Zwölfjährigen, für die es sehr wichtig ist, schnell wieder nach Hause zu kommen”, stellt die Direktorin dar.

Eigentlich gab es Pläne, nach denen bereits die Bagger an Gut Neuenhof rollen sollten. Doch dann wäre in zwei Bauabschnitten gearbeitet worden. Demnach hätte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zunächst auch mit Baulärm gelebt werden müssen. Letztlich würde der Neubau zehn stationäre und acht neue Plätze in der Tagesklinik schaffen. „Das ist eine ganze Menge”, betont Herpertz-Dahlmann. Auf dem Flur müsse dann hoffentlich kein Kind mehr schlafen.l
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