Aachen - Kita-Plätze in Aachen für Pendler-Kinder?

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Kita-Plätze in Aachen für Pendler-Kinder?

Von: Margot Gasper
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Vorreiter in Sachen Betriebski
Vorreiter in Sachen Betriebskindergarten: Der frühere Kreis Aachen hat schon im Jahr 1994 für die Verwaltungsbeschäftigten in Aachen eine Kita eingerichtet. Das freut auch den heutigen Dezernenten Gregor Jansen.

Aachen. Wenn Mama oder Papa zur Arbeit nach Aachen fahren, dann kann es hilfreich sein, dass auch das Kind in Aachen betreut wird und nicht in Alsdorf oder Simmerath oder Stolberg in die Kindertagesstätte geht. Der Aachener Kinder- und Jugendausschuss wird sich am Dienstag mit dem Thema befassen. Im Ausschuss geht es dann um betrieblich unterstützte Kinderbetreuung.

Der Bedarf von Eltern und Unternehmen nach arbeitsplatznahen Kinderbetreuung mache nicht an kommunalen Grenzen in der Städteregion Halt, stellt die Verwaltung in der Vorlage für den Ausschuss fest. Diskussionsbedarf dürfte es dennoch geben.

Die Grünen zum Beispiel haben noch Fragen. „Eine betrieblich unterstützte Kinderbetreuung ist wichtig für Aachen”, betont die jugendpolitische Sprecherin Hilde Scheidt. Vor allem die Kostenfrage aber sieht sie bei weitem nicht geklärt.

Unternehmen beteiligen

In Zeiten des demografischen Wandels und beginnenden Fachkräftemangels ist Familienfreundlichkeit ein wichtiger Standortfaktor für Betriebe. Allerdings arbeiten in Aachen mehr Menschen, die von außerhalb einpendeln, als Menschen, die in der Stadt wohnen. „Dem Wunsch einpendelnder Eltern von Kindern unter drei nach einer arbeitsnahen anstelle einer wohnortnahen Betreuung steht in Aachen kein ausreichend passendes Angebot gegenüber”, stellt die Verwaltung fest.

Selbst wenn nur ein Drittel der Einpendler einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige wünsche, dann bedeutete das einen Bedarf von mehr als 500 Plätzen, hat sie errechnet - allerdings auf der Basis von Zahlenmaterial aus dem Jahr 2009.

Im Juli 2010 wurde in Aachen der Innovationskreis Wirtschaft gegründet, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, für unter Dreijährige ein flexibles Modell der Betreuung zu entwickeln, gefördert nach dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) und betrieblich unterstützt.

Stadt und Unternehmen sollen sich gleichermaßen engagieren. Die Betreuungsplätze in diesem Modell „Aixflex” sollen dort entstehen, wo die Arbeitsplätze sind, also in Gewerbegebieten oder in der City. Und sie sollen ausdrücklich auch Kindern von Einpendlern zur Verfügung stehen.

Die größten Erfolgschancen sieht die Verwaltung für drei Standorte in Gewerbegebieten: Campus West, Süsterfeld und Innenstadt. Allein in den vier größten Unternehmen im Bereich Süsterfeld/Innenstadt arbeiten rund 3200 Menschen. Alle Gebiete sind auch an die starke „Pendlerachse” aus dem Nordkreis angebunden.

In der Verwaltung ist man sogar schon auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für „Aixflex”. Gespräche mit möglichen Trägern und dem Landschaftsverband Rheinland (wegen der Betriebserlaubnis) werden geführt. Grundsätzliches ist jedoch noch zu klären. Schließlich wäre die Betreuung auswärtiger Kinde eine „freiwillige Leistung” für die Stadt. Und solche Leistungen werden in Zeiten leeren Kassen auch von der Kommunalaufsicht mit Argusaugen betrachtet.

In der künftigen Kindertagesstättenbedarfsplanung müsste ein Kontingent von „Einpendlerkindern” berücksichtigt werden. Und auch die Betreuungsplätze bei Tagesmüttern, die über den Verein Familiäre Tagesbetreuung bisher ausschließlich an Aachener Familien vermittelt werden, müssten für Auswärtige geöffnet werden. Bisher ist ein kleines Kontingent probeweise für ein Jahr zur Verfügung gestellt worden.

Finanzieller Ausgleich nötig

Während die Aachener CDU-Ratsfrau Ruth Wilms, Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, der Debatte über die Betreuung von Pendlerkinder „sehr entspannt” entgegenblickt, hat Hilde Scheidt (Grüne) etliche Fragen: „Wie sieht zum Beispiel die Beteiligung der Unternehmen aus?”, fragt sie. „Wer ist schon im Boot, wie weit sind die Verhandlungen?” Vor allem aber: „Wie lässt sich ein solches neues Angebot im nächsten Haushalt darstellen?” Scheidt erinnert daran, dass Schwarz-Grün sich gezwungen sah, aus Spargründen den geplanten U3-Ausbau in diesem Jahr von 150 auf 100 neue Plätze zu reduzieren. „Beim U3-Ausbau für die Aachener Kinder sind wir noch lange nicht am Ziel”, gibt sie zu bedenken.

Für die Grünen-Politikerin steht auch fest, dass für auswärtige Kinder auf jeden Fall ein finanzieller Ausgleich mit den Kommunen rundum und mit der Städteregion erreicht werden müsste. Das sieht auch die SPD so. „Das Ziel muss sein, in der Städteregion einen Ausgleich zu schaffen”, sagt deren jugendpolitischer Sprecher Martin Künzer, „man könnte ja zum Beispiel die Kibiz-Pauschalen verrechnen”.
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