Kinder mit Förderbedarf: Sechs Jugendämter kooperieren

Von: Patrick Nowicki
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Entspannung und Spiel mit Erzieherin Saskia Lautermann: Seit Februar werden Kinder mit besonderem Förderbedarf an der Astrid-Lindgren-Schule auch am Nachmittag betreut. Foto: Patrick Nowicki

Städteregion. Dass Eltern zunehmend mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, wenn sie selbst vor Problemen stehen, ist bekannt. Erst recht, wenn die Kinder besonders betreut werden müssen.

Die Jugendämter der Städteregion, der Städte Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath, Stolberg und Würselen beschreiten jetzt einen gemeinsamen neuen Weg: Sie bieten 16 Schülern der Astrid-Lindgren-Schule mit einem hohen Förderbedarf eine sozialpädagogische Ganztagsförderung an. Kooperationspartner ist das Haus St. Josef in Eschweiler.

„Pädagogik unter einem Dach” lautet das Motto. Das klingt sinnvoll, ist aber keineswegs selbstverständlich. Das Projekt, das im Februar begann, schien zunächst am Geld zu scheitern. Ein erster Vorstoß beim Land wurde abgelehnt, auch die Städteregion war zunächst skeptisch. Als sich schließlich Eltern einsetzten, nahm das Projekt Fahrt auf. Jetzt steuert die Städteregion 80000 Euro pro Schuljahr hinzu, den Rest übernehmen die Jugendämter, berechnet nach dem Pflegesatz über 200000 Euro insgesamt.

Die ersten Wochen haben gezeigt, dass dieses Geld gut angelegt ist: „Die Wege sind kürzer, Schule und Betreuer arbeiten Hand in Hand”, beschreibt Thomas Beyer vom Haus St. Josef die ersten Erfahrungen. Bisher mussten die Kinder mit Bus oder Taxi von Förderort zu Förderort gebracht werden.

Die Kooperation mit dem Haus St. Josef ermöglicht auch eine qualifiziertere Betreuung, als dies im offenen Ganztag möglich wäre. „Manchmal geht es auch um einfache Dinge: Wenn ein Schüler morgens im Unterricht auffällt, dann kann man sich für den Nachmittag vorbereiten”, nennt Beyer ein Beispiel für die enge Verzahnung, die die Lehrer der Schule ausdrücklich begrüßen.

Kleine Gruppen

In zwei Gruppen werden die Kinder nach dem regulären Unterricht betreut. Jeweils eine Sozialarbeiterin und eine Erzieherin kümmern sich um acht Kinder, was eine individuelle Förderung erleichtert. Es steht nämlich nicht nur eine Hausaufgabenbetreuung auf dem Stundenplan, es geht auch um soziale Kompetenzen: Das reicht vom Abräumen des Tisches nach dem Essen bis hin zum Miteinander in einem Spiel.

Die Eltern tragen das Projekt mit. „Gegen den Willen der Eltern würde dies nicht funktionieren”, sagt Gabi Brettnacher vom Eschweiler Jugendamt. In ihrer täglichen Arbeit erlebt sie, dass manche Eltern verunsichert sind - und darum auch dankbar, wenn sie Hilfe erfahren. Aber es gibt auch umgekehrte Fälle. Dann müssen Jugendämter Überzeugungsarbeit leisten. Dennoch birgt das Projekt vor allem für Eltern Vorteile. „Es fällt die Schwelle weg, zu einem Amt zu müssen. Die Schule wird als Ort schneller akzeptiert”, so Brettnacher. „Das Konzept hat Substanz”, ist Gregor Jansen, Dezernent der Städteregion, überzeugt.
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