Städteregion - Katholischer Kita-Träger schlägt Alarm

Katholischer Kita-Träger schlägt Alarm

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
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Bernd Krott, Jugendamtsleiter in Herzogenrath

Städteregion. „Das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) und seine Folgen für die Mitarbeiter sind auch nach zwei Revisionen untragbar“, sagt die Mitarbeitervertretung von pro futura. Der gemeinnützige Träger katholischer Tageseinrichtungen für Kinder in den Regionen Aachen-Land und Aachen-Stadt beschäftigt rund 450 Mitarbeiter.

Um ihren Standpunkt zu untermauern, sammelte die Vertretung Unterschriften der Mitarbeiter und sandte sie an die Bürgermeister der Städte sowie an Bischof Dr. Helmut Dieser. Sie fordert eine grundlegende Verbesserung durch eine Gesetzesänderung.

„Wir als Mitarbeiter stoßen an unsere Grenzen“, betont Mitarbeitervertreterin Gabriele Schölze. Wegen nicht auskömmlicher Refinanzierung der Kosten für die Träger von Kindertageseinrichtungen sei der Personaleinsatz vor Ort meist auf ein Minimum beschränkt, durch schlechte Vertretungsregelungen und Fachkräftemangel seien vakante Stellen Alltag. „Wir fragen uns: Was können wir irgendwann noch leisten? Die Betreuung der Kinder soll nicht leiden, aber die Gesundheit der Mitarbeiter ist auch wichtig“, meint Schölzel.

Der Geschäftsführer von pro futura, Heinz Zohren, erklärt den Ursprung des Problems: „Wir bekommen vom Land und der Kommune eine Pauschale pro Kind – für Personal- und Sachkosten. Die Summe, die man erhält, steigt jährlich um 1,5 Prozent. Aber die Personalkosten steigen viel schneller an.“ Es sei ein unlösbarer Konflikt. Die Mitarbeiter hätten das Geld ja verdient, aber der Träger müsste es auch erhalten, um sie bezahlen zu können, sagt er. 88 Prozent der Kosten für die Kindertagesstätten würden Kommune und Land sowie Eltern übernehmen (siehe „Drei Fragen an“), bis zu zwölf Prozent steuere der jeweilige Träger bei.

Gut 90 Prozent der finanziellen Mittel müssen bei pro futura aktuell für die Gehälter des Personals eingeplant werden, erklärt Zohren. „Bedenkt man, dass wir nichts erwirtschaften, ist das unglaublich viel“, meint er. Da die Einnahmen nicht ausreichen, um Personal- und Sachkosten zu finanzieren, entstehe momentan ein jährliches Minus von rund 3000 Euro pro Gruppe. 100 Gruppen trägt pro futura aktuell. Das Defizit beläuft sich somit jährlich auf eine Gesamtsumme von 300.000 Euro.

Zeitdruck für das Personal

Um das auszugleichen, hat der Träger die Zahl der Arbeitsstunden mancher Mitarbeiter in Leitungsposition reduziert. Am Arbeitspensum hat sich im Grunde jedoch nichts geändert. Durch diese Maßnahme kann zwar ein Drittel des Defizits aufgefangen werden, es entsteht jedoch ein enormer Zeitdruck für das Personal. Zwei Drittel des Defizits gleicht pro futura durch Eigenkapital aus. „Den laufenden Betrieb aus Eigenkapital zu finanzieren, geht nicht. Irgendwann ist es aufgebraucht“, unterstreicht Zohren. Auch die Qualität der Kinderbetreuung könne unter diesen Bedingungen auf Dauer nicht gehalten werden.

Besonders enttäuscht sei man, dass man bisher keine Rückmeldung seitens der Politik erhalten habe. Auf Nachfrage bei den Kommunen Herzogenrath, Eschweiler, Stolberg und Aachen erklären die Verwaltungen, dass die zuständigen Ausschüsse, Abteilungen und Ämter über die Unterschriftensammlung und die damit einhergehende Beschwerde informiert seien, sie jedoch keinen Einfluss auf eine Gesetzesänderung nehmen können. Denn das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) sei ein Landesgesetz. Man sei für Gespräche offen und könne die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter nachvollziehen, müsse aber im Grunde die Entwicklungen der Landespolitik abwarten.

Im Koalitionsvertrag der neuen CDU-/FDP-Landesregierung heißt es: „Wir werden die strukturelle Unterfinanzierung der Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen beseitigen. Dazu werden wir stufenweise zusätzliche Landesmittel bereitstellen. Darüber hinaus werden wir schnellstmöglich ein Trägerrettungsprogramm realisieren.“ Im Rahmen der Neustrukturierung der Finanzierung der Kindertagesbetreuung sollen auch die Trägeranteile betrachtet werden.

Die Probleme in puncto Finanzierung sind der Landesregierung also durchaus bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob und wann sich die finanzielle Situation für pro futura und andere freie Träger durch eine Gesetzesänderung verbessern wird.

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