Karikaturist: „Ich lasse mich nicht verbiegen“

Von: sebastian maassen
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Städteregion. Der Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ erschüttert die Menschen weltweit. Das Magazin war in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten, unter anderem wegen der Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed. 2011 wurde auf die Redaktionsräume ein Brandanschlag verübt, damals entstand nur Sachschaden.

Bei dem jüngsten Attentat wurden zwölf Menschen, darunter mehrere Zeichner, getötet. Heinrich Schwarze-Blanke, Karikaturist unserer Zeitung, ist fassungslos.

Herr Schwarze-Blanke, was haben Sie empfunden, als Sie von dem Anschlag in Paris erfahren haben?

Schwarze-Blanke: Es war ein unbegreiflicher Schock. Dass eine Entwicklung in solchem Maße ausarten kann und Satire derart angegangen wird, dass Verbrechen begangen oder sogar Morde verübt werden, hätte ich niemals für möglich gehalten.

Sind Sie mit dem Magazin „Charlie Hebdo“ vertraut?

Schwarze-Blanke: Nein. Ich verfüge nur über die allgemeinen Kenntnisse, die zurzeit vermutlich jeder hat.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen von Satire?

Schwarze-Blanke: Ich persönlich ziehe die Grenzen dort, wo Satire beginnt, respektlos zu werden und zu diffamieren. Weder Menschen noch Glaubensrichtungen – sei es das Christentum, der Islam, das Judentum oder der Buddhismus – dürfen meiner Meinung nach despektierlich behandelt werden. Die Mohammed-Karikaturen ließen zum Teil jeglichen Anstand vermissen.

Also sollte man sich auch als Karikaturist um politische Korrektheit bemühen?

Schwarze-Blanke: Gerade als solcher, denn schließlich äußert man mit einer Karikatur eine Meinung, die auf eine breite Öffentlichkeit trifft.

Wie wichtig ist Satire?

Schwarze-Blanke: Sehr wichtig. Sie wird wahrgenommen, kann auf Probleme hinweisen und manchmal sogar zum Umdenken anregen.

Beeinflussen Sie die jüngsten Ereignisse in Ihrer Arbeit?

Schwarze-Blanke: Auf keinen Fall, ich lasse mich nicht verbiegen. Allerdings kenne ich auch meine Grenzen.

Glauben Sie denn, dass sich andere Karikaturisten von den Ereignissen in Paris einschüchtern lassen werden?

Schwarze-Blanke: Das wird sich leider kaum vermeiden lassen. Ein solch dramatischer Vorfall wird definitiv in den Köpfen der Menschen haften bleiben und Denkanstöße liefern – positive wie negative.

Haben Sie mit Ihrer Arbeit schon einmal jemanden vor den Kopf gestoßen und sind Opfer von Anfeindungen geworden?

Schwarze-Blanke: Zum Glück hat sich bislang noch niemand beschwert, weil er sich angegriffen oder falsch dargestellt gefühlt hat. Ich habe zwar auch schon Karikaturen zu so brisanten Themen wie dem Dschihad gezeichnet, aber nie die Achtung vor dem Glauben anderer Menschen verloren.

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