Junge Flüchtlinge fordern die Kommunen

Von: Jutta Geese
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Wie können jugendliche Flüchtlinge angemessen ausgebildet werden? Diese Frage beschäftigt auch die Städteregion. Foto: stock/Sämmer

Städteregion. Die weiter wachsende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge stellt die zehn Kommunen und die Städteregion selbst vor große Herausforderungen. Das betrifft jedoch nicht nur die Unterbringung. Gefordert sind längst auch Schulen jeglichen Typs. Denn die jungen Flüchtlinge unterliegen – wie alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland – der Schulpflicht.

„Da ist im vergangenen Jahr schon viel getan worden“, sagt die Städteregionstagsabgeordnete Elisabeth Paul (Grüne). „Aber es reicht noch nicht“, stellt die Vorsitzende des städteregionales Schulausschusses fest.

Fraktionsübergreifend sind sich die Politiker einig, dass die jungen Flüchtlinge – die meisten sind zwischen 15 und 17 Jahren und männlich – an den normalen Schulen unterrichtet werden und nicht separiert in einer eigenen Schule wie etwa in München mit der sogenannten SchlaU-Schule. „Ein wohnortnahes Angebot ist mit Blick auf die Integration sinnvoller als ein zentraler Standort“, sagt Nicole Weiden-Luffy (SPD). Da die meisten der Flüchtlinge kein Deutsch sprechen und dem Regelunterricht nicht folgen können, werden sie in sogenannten internationalen Förderklassen auf den späteren Besuch einer Regelklasse vorbereitet. 34 solcher Klassen gibt es inzwischen in Aachen, Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath, Stolberg und Würselen, dazu einige Fördergruppen. Dennoch sind derzeit noch rund 110 Flüchtlinge unversorgt.

Ein Grund: Eine solche Förderklasse wird in Abstimmung zwischen den Schulen, dem jeweiligen Schulträger und der zuständigen Schulaufsicht eingerichtet. Ohne Zustimmung der Schule läuft da gar nichts. Und noch fühlen sich nicht alle Schulen in der Lage, junge Flüchtlinge zu integrieren. „Grundsätzlich können solche Förderklassen an jeder Schule installiert werden“, stellt Karin Schmitt-Promny (Grüne) fest. „Und es sollten sich alle Schulformen beteiligen“, merkt sie an. „Es kommen ja auch Flüchtlinge zu uns, die in ihrem Heimatland auf dem Weg zum Abitur waren.“ Zudem dürfe man die minderjährigen Flüchtlinge, die mit ihren Eltern einreisen, nicht aus dem Blick verlieren.

Internationale Förderklassen gibt es bislang in der Städteregion in fünf Berufskollegs, acht Hauptschulen, einer Sekundarschule (dort gibt es allein sechs Förderklassen), einer Realschule, zwei Gesamtschulen und vier Gymnasien. Drei der Hauptschulen werden jedoch in zwei, drei Jahren geschlossen. Es gilt also, neue Standort zu finden. Schulrat Wolfgang Mül-lejans ist optimistisch, „dass wir Schulen, die bisher zurückhaltend sind, bald einbeziehen können“. Seinen Optimismus zieht er aus den Gesprächen mit Verantwortlichen bei der Bezirksregierung, bei der etwa die Schulaufsicht für Gymnasien liegt. Einbezogen werden sollen nach dem Willen der Schulpolitiker in der Städteregion auch das Abendgymnasium, die Abendrealschule und das Euregio-Kolleg.

„Wir haben noch kein ausgefeiltes Konzept“, räumz Andrea Genten vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion ein. „Aber wir sind auf einem guten Weg. Auch bei den freien Trägern der Jugendhilfe gibt es eine hohe Bereitschaft, sich zu engagieren.“ Die Politik hat die Verwaltung jetzt beauftragt, ein städteregionales Konzept zur schulischen Versorgung minderjähriger Flüchtlinge zu entwickeln, auch unter Einbeziehung des Jobcenters mit Blick auf eine berufliche Ausbildung der jungen Leute.

Außerdem fordert die Politik einhellig die Auflage eines Sofortprogramms zur „sprachlichen Förderung und kulturellen Orientierung inklusive altersstrukturierender Angebote für die Jugendlichen“. Insbesondere dabei wird es auf die Unterstützung der außerschulischen Bildungsträger ankommen.

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