Stolberg - „Jump”: Jugendliche aktiv gegen Hass und Gewalt

„Jump”: Jugendliche aktiv gegen Hass und Gewalt

Von: Dirk Müller
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Engagiert: Diese Jugendlichen gehören zu den 45 jungen Menschen, die im Rahmen des Jump-Projektes gegen Hass und Gewalt aktiv sind. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Im „Jump Café” sitzen rund 35 Jugendliche im Kreis und folgen der Regel Nummer eins, die sie selbst aufgestellt haben. Und die besagt: Wenn einer redet, hören die anderen zu.

Gemeinsam planen sie neue Projekte, denn sie gehören zu den mittlerweile 45 Aktiven des Jugend-Migrations-Projekts (Jump) „Miteinander - Füreinander gegen Hass und Gewalt”. Und sie treffen sich jeden Mittwoch zu Gesprächen, Diskussionen und der Vorbereitung ihrer Aktionen.

Thema der Runde ist die bevorstehende „Demonstration gegen Rechts” in Stolberg am Karsamstag, 3. April, die als Protest gegen Aufmärsche von Neonazis am selben Tag geplant ist.

„Wir haben 50 T-Shirts mit unserem eigenen Design bedrucken lassen. Auf den Shirts sind das Jump-Logo und verschiedene Puzzle-Teile, die zum Beispiel für Toleranz und Respekt stehen”, beschreibt Rebecca Jaskulski.

Die plakativen Kleidungsstücke sollen außerdem zeigen, dass die bunt gemischte Gruppe der Jump-Aktiven zusammengehöre, ergänzt die 15-Jährige.

„Wir wollen die Jugendlichen ohne den erhobenen Zeigefinger für ein menschliches Miteinander sensibilisieren. Das Projekt will die Selbstbehauptungskräfte junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund stärken, besonders gegenüber der Gewalt, die aus rechtsradikalen Kreisen in unserer Region droht”, umreißt Peter Cafitz die Zielsetzung von Jump.

Er ist einer der beiden Projektleiter und freut sich, dass die Jugendlichen im Rahmen dieses Pilotprojektes begeistert bei der Sache sind und seit dem letzten Sommer in Stolberg so viel auf die Beine gestellt haben.

Große Bandbreite

Die Graffiti-AG beispielsweise hat die Jump-Räume im Stolberger Jugendzentrum „Westside” selbst gestaltet, und die Film-AG dreht mit „Keine Zeit” einen Jugendfilm, der davon handelt, dass Erwachsene nicht die Zeit haben, sich mit den Problemen und Ängsten der jungen Generation zu beschäftigen.

„In unserem Film, der Mitte des Jahres fertig sein soll, geht es auch um das Nebeneinander verschiedener Kulturen, aus dem ohne die vielen Vorurteile ein Miteinander werden kann”, erklärt Norbert Augusto (15).

Einmal monatlich kommt samstags die Koch-AG zusammen, und acht Jump-Mädchen haben jüngst eine Tanzgruppe gegründet, um bei diversen Anlässen türkische und internationale Tänze aufzuführen. Premiere wird am Karsamstag sein.

Eine Theater-AG ist ebenso in Planung wie ein Sommercamp, das alle 45 Jugendlichen kaum erwarten können. Denn ein wichtiger Aspekt des Projekts ist, „dass man neue Leute kennenlernt, nicht nur rumhängt, sondern etwas tut und dabei zusammen viel Spaß hat”, betont die 19-jährige Alexandra Cvetko.

Der zweite Projektleiter, Hasan Arman, begrüßt vor allem die Vielfältigkeit der einzelnen Jump-Aktionen: „Es ist unser Anliegen, die Jugendlichen in die Gesellschaft zu integrieren. Junge Menschen sollen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Und die Jugendlichen, die bei Jump mitmachen, zeigen in verschiedenen Bereichen mit viel Freude und Einsatz, dass sie das können und wollen.”

So haben einige von ihnen an einer Seminar-Reihe zur Zusatzqualifizierung von Streitschlichtern teilgenommen und unter anderem im Aachener Jugendgästehaus „Colynshof” an einem Wochenende eine Anti-Gewalt- und Anti-Rassismus-Schulung absolviert.

Die Streitschlichter seien wichtiger Bestandteil der Konfliktbewältigung in Schule und Umfeld der Jugendlichen, würdigte Polizeipräsident Klaus Oelze das Engagement der jungen Leute, die er zu einem Besuch in das Polizeipräsidium Aachen eingeladen hatte.

Zum Abschluss der Ausbildung überreichte Stolbergs Bürgermeister, Ferdi Gatzweiler, den ausgebildeten Streitschlichtern in einer feierlichen Zeremonie nicht nur ihre Zertifikate. Außerdem lobte er die Aktivitäten aller Jump-Jugendlichen gegen Gewalt und Hass, gegen Rechtsradikalismus und für ein tolerantes Miteinander in einer menschlichen Gesellschaft.
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