Jugendämter in der Städteregion: Den Super-GAU bisher noch nicht erlebt

Von: Jutta Geese
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Aachen. Talea (5) vor vier Jahren in Wuppertal, Anna (9) im Sommer 2010 in Bad Honnef, Chantal (11) vor wenigen Wochen in Hamburg: Drei Kinder, die das jeweils zuständige Jugendamt in die Obhut von Pflegeeltern gegeben hatte, weil ihre leiblichen Eltern sich nicht um ihr Wohlergehen kümmern konnten.

Doch auch in ihrer neuen Familie waren die Mädchen nicht sicher. Talea und Anna wurden von ihren Pflegeeltern getötet, Chantal starb offenbar an Methadon, das ihre drogenabhängigen Pflegeeltern für sie zugänglich aufbewahrten.

Pflegekinder rausgeholt

„So etwas ist natürlich der SuperGAU für ein Jugendamt”, sagt Marianne Werden-Bergs vom Jugendamt der Städteregion, das für Baesweiler und die drei Eifelkommunen zuständig ist und dort für 120 Pflegekinder. „Jeder hofft ja, dass es dem Kind in einer Pflegefamilie besser geht als in seiner Herkunftsfamilie.” Und sie betont, dass potenzielle Pflegeeltern sorgsam ausgewählt und auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet werden.

Trotzdem komme es immer wieder mal vor, dass ein Kind aus einer Pflegefamilie herausgenommen werden müsse. „Oft gibt es in der Pubertät Konflikte zwischen Jugendlichen und Pflegeeltern”, sagt Werden-Bergs, die seit 1996 im Pflegekinderdienst tätig ist. „Aber Versagen der Pflegeeltern, und dann in so krasser Form, ist uns in den letzten Jahren nicht passiert. Eher, dass Pflegeeltern sich regelrecht aufreiben.”

Auch beim Eschweiler Jugendamt ist es „schon viele Jahre her”, dass Kinder aufgrund von Fehlverhalten der Erwachsenen aus einer Pflegefamilie herausgeholt werden mussten. „Wir haben ja auch im Laufe der Jahre unsere Qualitätsstandards immer weiter entwickelt, die Vorbereitungsseminare ausgebaut und den Auswahlprozess verbessert”, sagt Mathilde Uhr. Und das nicht nur in Eschweiler, sondern zusammen mit den Pflegekinderdiensten der Städte Alsdorf, Herzogenrath, Stolberg, Würselen und dem Kreis beziehungsweise der Städteregion.

Seit mehr als 15 Jahren treffen sich die Akteure bereits regelmäßig in einem Arbeitskreis, mittlerweile ist auch Aachen dabei. Man tauscht Erfahrungen aus, berät sich gegenseitig, entwickelt und organisiert Fortbildungen für angehende oder auch erfahrene Pflegeeltern. Mal alle gemeinsam, mal nur zu zweit oder dritt. Und wenn es für ein Kind besser erscheint, nicht in eine Pflegefamilie in dessen Heimatstadt vermittelt zu werden, oder wenn es im eigenen „Pool” nicht die gerade passende Pflegefamilie gibt, dann hilft man sich untereinander auf dem kurzen Dienstweg, der sogar die Kreise Düren und Heinsberg einschließt. Schließlich müsse „das Dreieck Kind, Herkunftsfamilie und Pflegefamilie stimmen”, sagt Uhr. Darauf komme es an. Die Zusammenarbeit der Jugendämter sei im Übrigen „einmalig”, zumindest im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland. „Die anderen haben das nicht so.”

Enge Begleitung

Nicht nur bei der Auswahl von Pflegefamilien haben sich die Jugendämter in der Städteregion auf ein im Großen und Ganzen einheitliches Verfahren verständigt, auch deren stete Fortbildung und Begleitung wird in großen Teilen abgesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil es keine bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards und Fallzahlbegrenzungen pro Mitarbeiter gibt. „Das ist sehr bedauerlich”, sagen Werden-Bergs und Uhr übereinstimmend.

Im städteregionalen Arbeitskreis haben sich die Jugendämter deshalb selbst Standards gegeben. 35 bis 40 Pflegekinder sollte demnach eine Vollzeitkraft maximal betreuen, damit sie Kinder und (Pflege-)Eltern regelmäßig besuchen kann. „Das können wir meistens auch einhalten”, sagt Gabi Brettnacher, Leiterin des Eschweiler Jugendamtes, das für gut 130 Pflegekinder zuständig ist.

Das Alsdorfer (100 Pflegekinder) und das Aachener Jugendamt (230) erfüllen diesen Personalschlüssel ebenfalls, erklären Herbert Heinrichs und Horst Hütten auf Anfrage, die wie Herbert Zierden vom Würselener Jugendamt (60) darauf verweisen, dass viele „ihrer” Pflegefamilien den engen Kontakt zum Jugendamt suchen und Fortbildungsangebote gerne annehmen. „Sie suchen den Austausch”, sagt Zierden. Und das sei ein gutes Zeichen.

Alle Bewerber durchlaufen ein umfangreiches Auswahlverfahren

Das Verfahren, nach dem die Jugendämter in der Städteregion Paare und Einzelpersonen auswählen, die ein Pflegekind aufnehmen möchten, läuft - mit kleinen Abweichungen - wie folgt ab:

Bewerber erhalten zunächst in einem persönlichen Gespräch erste Informationen über Aufgaben und Pflichten von sowie Erwartungen an Pflegeeltern. Sie erfahren auch, wie das Jugendamt Pflegekinder und -familien begleitet.

Danach prüft das Jugendamt die Unterlagen, die die Bewerber einreichen müssen. Dazu gehören unter anderem Einkommensnachweise, Gesundheitszeugnis, ein Lebenslauf und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Das städteregionale Jugendamt fordert anstelle des Führungszeugnisses eine Einverständniserklärung zur Vorlage beim Polizeipräsidenten, die weitergehende Auskünfte erlaubt, etwa auch über eingestellte Ermittlungsverfahren und geringfügige Strafen in relevanten Bereichen, die selbst im erweiterten Führungszeugnis nicht vermerkt werden. Überprüft wird auch die Wohnsituation.

Eine umfangreiche Schulung, in der pädagogische Fragen im Mittelpunkt stehen, schließt sich an. Erst danach wird entschieden, ob die Bewerber geeignet sind.

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