Aachen - Jugendämter greifen immer öfter ein

Jugendämter greifen immer öfter ein

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen ist im ehemaligen Kreisgebiet im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft gestiegen - um 34,3 Prozent. Landesweit betrug der Anstieg „nur” 6,3 Prozent.

Nahmen die Jugendämter in den neun Städten und Gemeinden nach Angaben des Statistischen Landesamtes 2008 genau 105 Minderjährige vorübergehend unter Schutz, waren es im vergangenen Jahr 141. Damit hat diese Zahl einen neuen Höchststand erreicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 verzeichneten die Statistiker 61 Inobhutnahmen, 2007 gerade einmal 53. Die Gründe waren laut Landesamt meist Überforderung der Eltern oder Vernachlässigung der Kinder.

„Wir haben mehr zu tun”, bestätigt Raimund Lanser vom Jugendamt der Städteregion, das für Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath zuständig ist. Und er sieht einen Grund für diese Tendenz darin, dass die Bevölkerung inzwischen weitaus sensibilisierter sei als früher.

So gebe es mehr Hinweise, auch wenn nicht immer eine Gefährdung vorliege, sagt Lanser. Viel wichtiger für die Entwicklung der Fallzahlen sei die familiäre Situation. So sei immer häufiger eine „Verunsicherung der Eltern” festzustellen. „Manche stoßen subjektiv an ihre Grenzen, sind überfordert und wissen nicht, wie sie zum Wohl ihres Kindes agieren können.”

111 junge Menschen wurden 2009 kreisweit wegen Gefährdung und weitere 27 auf eigenen Wunsch aus den Familien geholt. Letzteres sei schon ein Trend, meint Manfred Schmidt, stellvertretender Leiter des Alsdorfer Jugendamts: „Immer mehr 13- bis 15-Jährige wenden sich mit diesem Wunsch an uns.” Eine weitere Entwicklung aus seiner Sicht: Es müssen immer jüngere Kinder aus den Familien genommen werden.

Wie Schmidt ist auch der Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram der Meinung, dass sich das inzwischen flächendeckend ausgebaute System der Frühen Hilfen positiv bemerkbar mache. „Meine Mitarbeiter sind so viel näher dran. Wir können so viel früher und besser erkennen, was los ist in den Familien und auch präventiv verschiedene Hilfestellungen anbieten”, sagt Bertram. Daher seien die Zahlen letzten Endes durchaus auch positiv zu bewerten. Bertram: „Schließlich holen wir viele Fälle aus der Grauzone heraus.”

Mit einer Inobhutnahme greifen Jugendämter ein, wenn Kinder und Jugendliche in einer akuten Gefahrensituation sind. Die Minderjährigen werden dann bei Pflegeeltern oder in Jugendhäusern vorübergehend untergebracht.
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