Städteregion - Jobcenter steht vor einer großen neuen Aufgabe

Jobcenter steht vor einer großen neuen Aufgabe

Von: Jutta Geese
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Anlaufstelle für Tausende arbeitslose Menschen: das Jobcenter an der Gut-Dämme-Straße in Aachen. In dem Neubau hat auch die Geschäftsführung ihren Sitz. Foto: Jutta Geese
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Haben alle Zahlen im Blick: Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf und Controllerin Andrea Guenzel-Kaever. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Das Jahr 2015 war „ein sehr erfolgreiches Jahr für das Jobcenter“, sagt dessen Geschäftsführer Stefan Graaf. Denn dank der guten Wirtschaftslage konnten rund 1200 arbeitslose Frauen und Männer mehr als im Vorjahr in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt werden.

Rund 8600 Menschen sind im vergangenen Jahr mit Hilfe des Jobcenters wieder in Lohn und Brot gekommen – diejenigen, die einen Minijob aufgenommen haben, nicht mitgerechnet. „Darüber freuen wir uns einfach“, sagt Graaf. Dass die Zahl derer, die zu ihrer Existenzsicherung auf Hartz- IV-Leistungen angewiesen sind, gegenüber dem Vorjahr dennoch um etwa 750 auf knapp unter 54.000 Menschen gestiegen ist, liegt vor allem an einer großen neuen Herausforderung: dem Zuzug von Flüchtlingen. Für die ist das Jobcenter ab dem Zeitpunkt der Anerkennung ihres Asylantrags zuständig.

„Richtig durchschlagen wird das Flüchtlingsthema bei uns im Jobcenter erst in diesem Jahr“, stellt Graaf fest. Wie stark, vermag derzeit niemand abzuschätzen. Denn anerkannte Asylbewerber können ihren Wohnsitz frei wählen. „Wir wissen also nicht, wie viele der 6500 Flüchtlinge im Asylverfahren, die der Städteregion aktuell zugewiesenen sind, anschließend bleiben werden.“ Zudem ziehen aus anderen Regionen Flüchtlinge hierher, weil hier Verwandte oder Freunde von ihnen leben. Graaf rechnet für die Städteregion vorsichtig mit 4000 anspruchsberechtigten Flüchtlingen, die sein Team betreuen muss. Das wird im Übrigen kräftig aufgestockt, von 600 auf dann 650 Beschäftigte.

Wichtig ist ihm die Feststellung, dass durch die Flüchtlinge kein anderer Arbeitssuchender, ob deutscher oder ausländischer Nationalität, benachteiligt wird. „Es gibt kein Förderprojekt für deutsche Arbeitslose, das wegen der Flüchtlinge beendet wird. Es gibt da auch keine finanziellen Probleme. Hier wird keiner besser oder schlechter gestellt“, betont der Jobcenter-Geschäftsführer und begegnet damit Gerüchten und Vorurteilen. „Es soll kein Sozialneid entstehen.“

Nach wie vor hoch ist die Zahl der sogenannten Aufstocker. Das sind Erwerbstätige, die so wenig verdienen, dass sie zusätzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. Gut 10.000 der etwa 39.500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten erzielten im vergangenen Jahr Einkommen aus einem Job. Die meisten (5510) hatten zwar nur einen Minijob, aber immerhin 1253 verdienten mehr als 1200 Euro im Monat und konnten trotzdem nicht den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie sichern.

„Wir können keinen Mindestlohneffekt feststellen“, sagt Graaf. Der ein oder andere Arbeitgeber habe zwar Minijobs in reguläre Jobs umgewandelt, aber zumindest bei denjenigen, die das Jobcenter betreut, habe sich das kaum ausgewirkt. „Ich hoffe, dass durch die Erhöhung des Wohngeldes – die erste nach fünf Jahren – einige aus Hartz IV rausfallen werden.“ Aber angesichts des in der Region vergleichsweise hohen Mietniveaus rechnet Graf nicht damit, dass es sehr viele sein werden. „Die Mieten hier sind einfach höher als in anderen Regionen. Da wird es für den ungelernten Arbeiter mit Mindestlohn schwierig, aus Hartz IV rauszukommen.“

Viele Menschen ohne Abschluss

Auch deshalb legt Graaf Wert auf Fortbildungen für arbeitslose Menschen, die zu einem Berufsabschluss führen. 718 Bildungsgutscheine hat das Jobcenter im vergangenen Jahr dazu ausgegeben. In 110 Fällen wurde damit eine „abschlussorientierte betriebliche Einzelschulung“ gefördert, in 154 Fällen eine Gruppenschulung bei einem Träger. Die anderen Gutscheine gingen an Menschen in einer Umschulung oder Fortbildung. „Einen Königsweg in der Arbeitsintegration gibt es aber nicht“, betont Graaf.

Denn die Voraussetzungen der Arbeitslosen seien sehr verschieden. So haben gut 3600 der vom Jobcenter betreuten arbeitslosen Frauen und Männer nicht einmal einen Schulabschluss, und 12.300 haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Wichtig sei daher ein Mix aus unterschiedlichen Maßnahmen. Insgesamt 31,5 Millionen Euro hat das Jobcenter laut Graaf im vergangenen Jahr für sogenannte Eingliederungsmaßnahmen ausgegeben. Zu diesen Maßnahmen zählen Eingliederungszuschüsse und Förderung der beruflichen Weiterbildung ebenso wie die Ein-Euro-Jobs. Rund 5000 Menschen befinden sich stets in einer solchen Maßnahme.

Trotz der sich schon jetzt abzeichnenden neuen Aufgaben, die auf das Jobcenter in diesem Jahr zukommen, blickt Graaf zuversichtlich auf 2016 – zumal die Zahl der gemeldeten offenen Stellen mit knapp 5000 im Dezember 2015 erfreulich hoch ist: „Wir stehen vor neuen, spannenden Herausforderungen, aber wir sind optimistisch. Und bange machen gilt nicht.“

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