Jobcenter nimmt Jugendarbeitslosigkeit stärker ins Blickfeld

Von: Jutta Geese
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Die Jugendarbeitslosigkeit in der Städteregion ist zwar laut Stefan Graaf auf einem „historischen Tiefststand“, doch noch sind 1300 junge Frauen und Männer ohne Job. Deshalb setzt das Jobcenter der Städteregion weiter auf Qualifizierungsmaßnahmen. Foto: Imago/Joker
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Steht auch 2017 vor großen Herausforderungen: Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf. Foto: J. Geese

Städteregion. Der guten Nachricht, die Jobcentergeschäftsführer Stefan Graaf gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz 2016 verkündete, folgten zwei schlechte. Die gute: Die Zahl der Menschen in der Städteregion, die einen sozialversicherungspflichtigen Job haben, ist in nur zwei Jahren um gut fünf Prozent auf jetzt 191.000 gestiegen.

Die schlechten : Bei den Bedarfsgemeinschaften, die das Jobcenter betreut, ist mit 28.641 Ein- und Mehrpersonenhaushalten und insgesamt 55.308 Menschen ein Höchststand zu verzeichnen. Und die Langzeitarbeitslosen profitieren nicht so wie erhofft vom wirtschaftlichen Aufschwung.

Dass die Zahl der Menschen, die auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind, gestiegen ist, hat laut Graaf vor allem mit „den weltweiten Krisen zu tun“. Sprich: mit der Zahl der Flüchtlinge, die der Städteregion zugewiesen worden sind. Besonders deutlich werde dies auch an der stark gestiegenen Zahl der Single-Haushalte, die das Jobcenter betreut. „Überwiegend sind es ja alleinstehende Männer, die erst später ihre Familien nachholen“, erklärte Graaf.

Es gebe aber auch eine gesellschaftliche Tendenz hin zu Single-Haushalten. Gründe dafür seien Trennung/Scheidung, Krankheit oder psychische Probleme. Die Zunahme an Ein-Personen-Haushalten wirke sich auch auf den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt aus, insbesondere in Aachen.

„Denn da konkurrieren unsere Kunden mit den vielen Studenten um preiswerten Wohnraum.“ Und anders als die könnten Hartz IV-Leistungsbezieher nicht auf Wohnungen in den Niederlanden oder Belgien ausweichen. Konkurrenz sind die Studierenden aber auch mit Blick auf Mini-Jobs, berichtete Graaf.

Kein Schul- oder Berufsabschluss

Nach wie vor ein großes Problem ist die große Zahl an arbeitslosen Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss. „Im vergangenen Jahr hatte jeder fünfte von uns betreute Arbeitslose keinen Schulabschluss, das waren rund 3500 Männer und Frauen“, erklärte Graaf gestern.

„Und mehr als 11.600 Menschen hatten keinen Berufsabschluss.“ Berufliche Qualifizierung sei wichtig, rund 35 Millionen Euro habe das Jobcenter dafür ausgegeben, viele Maßnahmen initiiert und gefördert. Das Problem dabei sei: Es gebe keine Stetigkeit in der Finanzausstattung des Jobcenters für solche Maßnahmen. „Wir erfahren immer erst am Ende eines Jahres, wie viel Geld wir im nächsten bekommen.“

Im Jahr 2017 werden es nur 33,6 Millionen Euro sein — trotz steigender Zahl der Leistungsbezieher. Problem auch: Das Geld muss in dem Jahr ausgegeben werden, kann nicht aufs nächste übertragen werden – was die Planbarkeit von längerfristigen Maßnahmen erschwere.

„Langzeitarbeitslose brauchen aber eine Langzeitbetreuung“, betonte Graaf. Und die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Städteregion ist hoch: Mehr als 9650 Männer und Frauen sind ein Jahr und länger arbeitslos. „Viele darunter schon seit sieben, acht, neun, zehn Jahren“, berichtete Graaf. „Auch die Eltern dieser Menschen waren häufig schon langzeitarbeitslos.“

Graaf spricht von „vererbter Armut“. Kinder müssten erleben, dass Eltern morgens das Haus verlassen und zur Arbeit gehen. Deshalb ist ihm der Kampf gegen Verstetigung von Arbeitslosigkeit ein großes Anliegen. Graaf stellte aber gestern auch klar: „Selbst mit der besten Förderung wird es nicht jeder schaffen können, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Politik und Gesellschaft negieren das jedoch.“

Und dann wiederholte er noch einmal, was er seit Jahren immer wieder sagt: „Wir brauchen für diese Menschen einen dauerhaft öffentlich geförderten Arbeitsmarkt.“ Sei es, indem man privaten Arbeitgebern dauerhaft Zuschüsse zahlt, oder indem zusammen mit gemeinnützigen Trägern Stellen geschaffen werden. „Ideen hätten wir da genug“, versicherte Graaf.

„Junge Leute nicht verlieren“

Positives wusste Graaf aber auch noch zu berichten: Die Jugendarbeitslosigkeit in der Städteregion ist auf einem „historischen Tiefststand“. Knapp 1300 junge Leute unter 25 Jahren haben keinen Job. Das sind immer noch zu viele, wie Graaf betonte. Er sei aber auch nicht sicher, ob die Zahl noch weiter gesenkt werden könne. „Aber wir bleiben dran. Denn wir können es uns als Gesellschaft nicht erlauben, dass wir junge Menschen verlieren.“

Er sehe aber auch, dass es „zwischen 200 und 300 Jugendliche gibt, die durchs Rost fallen“ und vermutlich trotz niedrigschwelliger Angebote wie dem Projekt „Respekt“ nicht erreicht werden können. „Dann kann der Staat nichts mehr machen.“ Aufgeben ist Graafs Sache aber nicht. Und so setzt er in 2017 einen Schwerpunkt in Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

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