Aachen - Jobcenter der Städteregion baut fünf Förderzentren

Jobcenter der Städteregion baut fünf Förderzentren

Von: Sarah-Lena Gombert
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Viele neue Arbeitsstellen, aber auch viele Arbeitslose: Das Jahr 2017 war für das Jobcenter der Städteregion ein Rekordjahr. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Arbeit der Mitarbeiter des Jobcenters der Städteregion Aachen wird im kommenden Jahr anspruchsvoller: Das ist die Kernaussage der Jahresbilanz, die Geschäftsführer Stefan Graaf am Donnerstag in Aachen vorgestellt hat.

Während die Zahl der Vermittlungen in den Arbeitsmarkt einen Rekordwert von rund 8860 Personen erreicht hat, ist auch die Zahl der Jobcenter-Kunden auf rund 57.000 gestiegen. Die Gründe für die vielen, teilweise auch kurzfristigen Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt in der Städteregion sind vielfältig.

Das Thema Zuwanderung hat das Jobcenter auch in diesem Jahr stark beschäftigt. Der Ausländeranteil der Personen in Bedarfsgemeinschaften, also Menschen, die beispielsweise Hartz IV beziehen, liegt bei 18474 und damit bei mehr als 32 Prozent. „Das ist natürlich für unsere Mitarbeiter eine große Herausforderung“, erklärt Graaf, denn viele der ausländischen Kunden, die beispielsweise als Geflüchtete in die Städteregion gekommen sind, sprechen noch kein Deutsch.

Das ist sowohl in der Kommunikation mit dem Sachbearbeiter ein Problem als auch bei der Vermittlung in eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle. „Wenn man eine duale Ausbildung und damit die Berufsschule packen will, muss man schon Sprachniveau B2 erreicht haben“, schätzt Graaf. An den vielen Sprach- und Integrationskursen für Migranten will man beim Jobcenter also festhalten – ebenso aber auch die interkulturelle Kompetenz der eigenen Mitarbeiter stärken.

Integration ist Inklusion

Und Graaf geht noch weiter: Die Fehler, die man vor Jahrzehnten bei öffentlich geförderten Beschäftigungen gemacht habe, dürfe man nicht wiederholen, betont er. „Wir wollen keine nach Nationalitäten und Religionen getrennten Arbeiterkolonnen“, nennt er als Beispiel. Für ihn bedeute Integration auf den Arbeitsmarkt auch Inklusion in die Gesellschaft.

Apropos öffentlich geförderter Arbeitsmarkt: Graaf wünscht sich eine Verstetigung von Beschäftigungsmaßnahmen für Menschen, die zwar arbeiten möchten, auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt jedoch wenig Chancen haben. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen in der Städteregion ist zwar seit 2007 (etwa 14.700) auf unter 10.000 gesunken. Doch für diesen Personenkreis ist die Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis besonders schwierig.

Mit seiner Forderung nach einem zweiten Arbeitsmarkt befindet er sich in guter Gesellschaft: Auch Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften haben sich in der Vergangenheit für einen sozialen Arbeitsmarkt ausgesprochen. „Der Staat sollte besser Arbeit finanzieren statt Arbeitslosigkeit“, findet Graaf.

Er hofft, dass eine – wie auch immer geartete – neue Bundesregierung an dieser Stelle Klarheit schafft. Klarheit auf der einen Seite deshalb, weil er das „zu Hause sitzen und nichts tun“ für ungünstig hält. „Wenn man beispielsweise mit ehemaligen Kumpel aus dem Bergbau spricht, dann sind die mit ihrem frühzeitigen Ruhestand oft nicht wirklich zufrieden“, argumentiert Graaf. Auf der anderen Seite Klarheit, weil der Anteil von Jobs für Geringqualifizierte auf dem ersten Arbeitsmarkt perspektivisch weiter sinken werde. Dafür macht er die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung verantwortlich. Auch deswegen ist für Graaf eine Aus- und Weiterbildung der entscheidende Faktor für den Ausweg aus der Arbeitslosigkeit.

Bitter: Trotz einer „brummenden Wirtschaft“ in der Region und trotz der hohen Erfolgsquote bei Vermittlungen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse steigt die Zahl der Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Das liegt unter anderem daran, dass viele Stellen zwar versicherungspflichtig sind, aber „nur“ Teilzeitjobs, mit denen eine Familie sich nicht finanzieren kann. So zählt das Jobcenter beispielsweise knapp 5000 Alleinerziehende mit ihren Kindern zu den Bedarfsgemeinschaften. „Und eine alleinerziehende Mutter kann, trotz flexibler Kita-Öffnungszeiten, nur selten Vollzeit arbeiten“, sagt Stefan Graaf.

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