Jeder Zehnte bekommt Geld vom Jobcenter

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:

Städteregion. Jeder zehnte Bürger in der Städteregion Aachen war im vergangenen Jahr auf Unterstützung des Jobcenters angewiesen. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Im Dezember 2012 bezogen 51364 Menschen Leistungen, 13928 von ihnen waren jünger als 15 Jahre. „Das bedeutet, jedes fünfte Kind in der Städteregion lebt von Sozialleistungen des Jobcenters“, sagt der Geschäftsführer Stefan Graaf.

Am Mittwoch legte die Behörde die Ergebnisse des vergangenen Jahres auf den Tisch. Die Zahl derer, die ohne „Stütze“ nicht durchs Leben kommen, ist nur leicht gestiegen. Einige Entwicklungen bereiten dem Jobcenter jedoch Sorgen: Ihm steht wesentlich weniger Geld zur Verfügung, um Menschen wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen. 25,9 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr in verschiedene Projekte gesteckt. Im Jahr 2010 standen noch 46,8 Millionen Euro zur Verfügung. „Diese Entwicklung geht natürlich zu Lasten der Langzeitarbeitslosen, die eine umfangreichere Betreuung benötigen“, meint Stefan Graaf. Noch ist dies nicht an der Statistik zu erkennen, denn seit 2007 nahm die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 42 Prozent ab. Im Dezember 2012 waren es 9285.

Mit Spezialisierungen will das Jobcenter auch in Zukunft auf den gekürzten Etat reagieren. Verstärkt gehen die Mitarbeiter auf ältere Bedürftige zu. 682 Ältere schafften wieder den Schritt auf den Arbeitsmarkt. Speziell fortgebildete Mitarbeiter nehmen sich der Alleinerziehenden an. Das Projekt startete im Januar 2012 und verzeichnet schon erste Erfolge. 731 Alleinerziehende – in der Regel sind dies junge Mütter – wurden erfolgreich betreut und gehen inzwischen einem Job nach. Mit allerdings einem Haken: „Kaum eine fällt aus der Hilfsbedürftigkeit heraus“, sagt Graaf.

Immer mehr Menschen können mit dem eigenen Lohn nicht auskommen, obwohl sie einer geregelten Arbeit nachgehen. 27 Prozent aller Leistungsempfänger in der Städteregion sind solche sogenannten Aufstocker. Auch Selbstständige sind darunter. Insgesamt bezogen im vergangenen Jahr 9945 Menschen Geld vom Jobcenter, obwohl sie einen Beruf ausüben. Für ein Drittel von ihnen gilt: Ihr Einkommen liegt unter fünf Euro brutto pro Stunde. „Damit kann man natürlich nicht sein Leben finanzieren, allerdings ist auch die Frage, welche Lösungen gibt es“, so Graaf.

Auch die steigenden Energiekosten sind ein Grund dafür, dass der Lohn manchmal nicht mehr genügt. Immer mehr Menschen melden sich im Jobcenter, wenn der Energieversorger mit der Stromabschaltung droht, weil die Rechnungen nicht beglichen wurden. Die in der gesamten Städteregion gezahlten Leistungen für Unterkunft und Heizung stiegen von 108,7 Millionen Euro im Jahr 2006 auf 116,7 Millionen Euro in 2012. Im Gegensatz dazu nahmen die Leistungen zum Lebensunterhalt von 128,3 auf 122 Millionen Euro ab.

70 Prozent ohne Ausbildung

Ein guter Schulabschluss und vor allem eine abgeschlossene Berufsausbildung sind der Schlüssel zum Erfolg auf dem Arbeitsmarkt. Genau daran hapert es bei den meisten arbeitsfähigen Hilfeempfängern. 20 Prozent haben die Schule ohne Abschluss verlassen, sogar 70 Prozent – und damit liegt die Städteregion deutlich über den bundesweiten Durchschnitt von 52 Prozent – haben keinen Beruf erlernt. Deswegen sei das Bildungs- und Teilhabepaket so wichtig, betont Graaf. Er zieht einen Vergleich: „Wir dürfen nicht warten, bis der Patient auf der Intensivstation liegt, sondern müssen schon vorher helfen, damit er gar nicht ins Krankenhaus muss.“

27393 Anträge zum Bildungs- und Teilhabepaket wurden im Jobcenter eingereicht, drei Viertel davon wurden bewilligt. Immer häufiger wird auch die Lernförderung unterstützt. Allerdings sind auch die Eltern in der Pflicht, denn „gute Vorbilder kann man durch nichts ersetzen“, so Graaf. Dies gestaltet sich im Alltag des Jobcenters jedoch nicht immer leicht, denn nicht alle Erziehungsberechtigten sind kooperativ. „Die Palette der Reaktionen ist so bunt wie das Leben“, umschreibt dies Stefan Graaf.

Allerdings lässt man nichts unversucht, auch mit den Jugendlichen in Bedarfsgemeinschaften in Kontakt zu kommen. Schulnoten und Perspektiven spielen in den Gesprächen eine wichtige Rolle. Mit einem Vorwurf räumt Graaf aber auf: „Wir drängen keinen jungen Menschen dazu, die Schule zu verlassen, um eine Ausbildung zu beginnen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (9)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert