Städteregion - Integratives Segelflugcamp: Wo es ganz normal ist, anders zu sein

Integratives Segelflugcamp: Wo es ganz normal ist, anders zu sein

Von: mabie
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Zusammenstehen, zusammen das Spiel lösen und sich wie hier auf nur ein paar Pappdeckeln von A nach B bewegen, gehört auch zum Bewegungsprogramm beim integrativen Camp in Merzbrück. Foto: Markus Bienwald
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Vor dem Cockpit des Segelfliegers hockt Organisatorin Uschi Brammertz, vorn im Flugzeug sitzt die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul, dahinter Aachens Stadtkämmerin Annekathrin Grehling, hinten sind Ostbelgiens Ministerpräsident Oliver Paasch und Stefan Klett (v.r.) vom Landessportbund sowie weitere Offizielle zu sehen. Foto: Markus Bienwald

Städteregion. „Es gibt Momente, in denen Kinder plötzlich kein Ritalin mehr brauchen“: Mit diesem Satz drückt Uschi Brammertz, Cheforganisatorin des integrativen Segelflugcamps, wohl das Wichtigste aus, was bei diesem Event immer wieder geschieht.

„Wenn die jungen Leute zusammen sind, haben sie keine Handicaps, sondern sind schon nach der ersten Nacht eine ganz harmonische Gruppe.“ Die Ideengeberin des Camps ist zugleich Motor des Events, das von Freitag, 14., bis Mittwoch, 19. Juli, wieder für Begegnungen aller Art auf dem Flugplatz Merzbrück in Würselen sorgen wird. Sie stellte jetzt das von vielen Stimmen als „Modellprojekt“ bezeichnete Camp mit weiteren Offiziellen vor.

„Wir machen überhaupt keinen Unterschied“, sagt Brammertz über die rund 100 jugendlichen Teilnehmer mit und ohne Behinderung, die beim Camp ganz von allein zueinander finden und sich in der Gruppe wohlfühlen. „Hier wächst einfach so alles zusammen“, umschreibt sie dieses besondere Camp-Gefühl.

„Das liegt sicherlich daran, dass jeder, der hier ankommt, einfach so genommen wird, wie er ist.“ Zwölf Camps bisher, das bedeutet nicht nur viele Begegnungen und neue Freundschaften, die geschlossen wurden. Es bedeutet auch viel Organisation und viele finanzielle Mittel, die geflossen sind. Das sind auch 900 bis 1000 Jugendliche, die in den letzten Jahren ein grenzüberschreitendes Camp erlebt haben.

Stefan Klett, Vizepräsident Finanzen beim Landessportbund NRW, freut sich, zum ersten Mal bei der Vorstellung dabei zu sein. „Wer sich bewegt, fördert Körper und Geist“, sagt er. Und der Slogan „Über den Wolken – grenzenloses Abenteuer“ sorgt nicht nur bei ihm für Vorfreude. Denn neben den 100 Jugendlichen – mehr geht nicht wegen der begrenzten Flugmöglichkeiten – gibt es 20 Betreuer und dazu die Luftsportler, die auch dieses Jahr wieder mit den jungen Menschen abheben werden.

Das findet auch Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, und stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul gut. „Hier werden alle Formen von Grenzen überwunden“, sagt Paasch. Dem Himmel sehr nah kommen die Teilnehmer, die zwischen 14 und 25 Jahren jung sind, aber nicht nur im Cockpit des lautlosen Gleiters. Es gibt zusätzlich viele Angebote, die das Camp noch interessanter machen: zum Beispiel die brasilianische Tanz-Kampfsportkunst Capoeira, der Bau von eigenen Trommeln mit echtem Kuhfell oder auch Graffiti-Workshops.

Neben dem Miteinander von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft, mit und ohne Handicap, wird auch die ehrenamtliche Arbeit beim Camp immer groß geschrieben. „So werden Momente, Emotionen und Eindrücke geschaffen, die für Jahrzehnte bestehen bleiben“, ist Uschi Brammertz sicher. „Es gibt sogar echte Patenschaften, denn einer ist verantwortlich für den anderen, das gilt fürs Essen ebenso wie nachts, wenn einer aus dem Zelt auf die Toilette muss, oder bei Ausflügen.“

Barrieren fallen nicht nur in Sachen Inklusion, sondern auch, weil wieder eine größere Gruppe unbegleiteter junger Flüchtlinge dabei ist. „Hier lernen die Jugendlichen, dass es ganz normal ist, anders zu sein“, schreibt Städteregionsrat Helmut Etschenberg in seinem Grußwort im Programmheft dazu.

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