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„Integration Points“: Hilfe für Flüchtlinge soll gebündelt werden

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Die Berater des „Integration Point“ sollen eine Lotsenfunktion übernehmen und Flüchtlingen über die Grenzen einzelner Ämter hinaus helfen, sich in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Foto: Archiv

Städteregion. Der Anfang wird in Aachen gemacht: An ihrem Sitz in der Roermonder Straße richtet die Bundesagentur für Arbeit den ersten „Integration Point“ ein. Drei weitere sollen in den kommenden Wochen in Alsdorf, Eschweiler und Simmerath folgen.

Die Zielgruppe ist in allen Fällen gleich: Flüchtlinge, die eine hohe Bleibeperspektive haben, aber als Asylbewerber noch nicht anerkannt sind, sollen frühzeitig und umfassend beraten werden, um möglichst zügig einen Weg auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu finden. Dazu wollen auch die Jobcenter der Stadt Aachen und Städteregion als Kooperationspartner sowie die Städteregion als zweiter Träger einen Beitrag leisten. Alle gemeinsam, so sieht es die jetzt unterzeichnete Rahmenvereinbarung vor, realisieren sie das Projekt, das sich bundesweit durchsetzen soll und in diesen Wochen beispielsweise auch im Kreis Heinsberg eingeführt wird.

Es ist ein schwieriges Feld von Zuständigkeiten und Paragrafen, auf das sich Flüchtlinge spätestens mit ihrem Antrag auf Asyl begeben. Bis zu ihrer Anerkennung, Aufenthaltsgestattung oder Duldung erhalten sie zunächst Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. In dieser Zeit werden sie von Mitarbeitern der Arbeitsagentur betreut.

Nach der Anerkennung übernimmt dann das Jobcenter nach den Regeln des Sozialgesetzbuches II die Betreuung und zahlt Leistungen der Grundsicherung. Die jeweiligen Ansprechpartner sitzen am „Integration Point“ zukünftig unter einem Dach, was eine Erleichterung für den Hilfesuchenden wie auch für die Zusammenarbeit der beiden Stellen bringen soll.

Gabriele Hilger, Leiterin der Arbeitsagentur Aachen-Düren, spricht von einem „erfolgversprechenden Konzept kurzer Wege und schneller Absprachen“. Und sie stellt fest: „Wir schaffen eine Anlaufstelle, in der praktisch und schnell koordinierte Hilfen und Entscheidungen aus unterschiedlichen und sehr komplexen Rechtsgebieten geboten werden können.“ Dafür soll es unter anderem auch einen ständigen Austausch mit den Sozial-, Jugend- und Ausländerämtern geben sowie mit den Kammern (Anerkennung von Berufsabschlüssen) und Anbietern von Sprachkursen. „Denn Sprache ist eine Schlüsselkompetenz für die Integration“, betont die städteregionale Sozialdezernentin Edeltraud Vomberg.

Weil der systematische Spracherwerb oftmals aber erst nach dem Aufsuchen der behördlichen Stellen beginnt, werden an den „Integration Points“ Mitarbeiter „mit umfangreichen Sprachkenntnissen“ (Hilger) eingesetzt, die stundenweise von ausgebildeten Dolmetschern unterstützt werden.

Gespannt sind die Kooperationspartner darauf, wie das neue Angebot in den kommenden Monaten angenommen wird. „Ich gehe davon aus, dass wir es relativ bald mit einer hohen Zahl von Antragstellern zu tun haben werden, die es reibungslos in den Erstbezug zu bringen gilt“, meint Edeltraud Vomberg. Eine zeitliche Begrenzung des Projektes gibt es im Übrigen nicht. „Wir müssen zunächst einmal schauen, wie sich Bedarf und Nutzung entwickeln werden. Erst danach können wir eine Bewertung vornehmen.“

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