Inklusionshelfer: Städteregion will in die Bresche springen

Von: Michael Grobusch
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Eines von fünf Beispielen für den Erfolg der Inklusionshilfe, auf die die Städteregion verweist: die Aachener Grundschule Gut Kullen, hier Inklusionshelferin Annett Loeck bei der Arbeit mit Schülern. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Abbrechen oder weiterführen? Diese beiden Alternativen bieten sich für das Pilotprojekt, in dessen Rahmen seit dem Herbst fünf Inklusionshelfer an ebenso vielen Grundschulen in der Städteregion beschäftigt sind. Schon nach wenigen Monaten hatten sich Vertreter der beteiligten Stellen im Gespräch mit unserer Zeitung geradezu euphorisch gezeigt und von „sensationellen Ergebnissen“ berichtet.

Und diese Eindrücke haben sich nach Aussage von Markus Terodde im weiteren Verlauf des Schuljahres bestätigt. „Die Entscheidung, bei der Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Förderbedarf einen neuen Weg einzuschlagen, war die richtige“, zeigt sich der städteregionale Bildungsdezernent überzeugt.

Die Abkehr von der exklusiven Förderung des Einzelnen, wie sie in der Sozialgesetzgebung vorgesehen ist, hin zu einer schulischen Inklusionshilfe, von der alle Schüler profitieren können, habe sich innerhalb kurzer Zeit bewährt – aus pädagogischer Sicht ebenso wie unter finanziellen Aspekten. „Denn die direkte Zuordnung einer erwachsenen Begleitperson wirkt im Schulgeschehen nur sehr begrenzt inklusiv und ist zudem deutlich kostenintensiver“, resümiert Terodde.

Klare Botschaft aus Düsseldorf

Landesmittel für das auf ein Jahr – bis Juli 2016 – begrenzte Projekt wird es aber dennoch nicht geben. Das ist nach Verwaltungsangaben die klare Botschaft aus Düsseldorf. Die Städteregion sieht sich deshalb mit der eingangs erwähnten Frage konfrontiert und plädiert sehr deutlich für die zweite Alternative. Mit der Konsequenz, dass sie zumindest vorübergehend die Personalkosten für die fünf bereits beschäftigten und weitere noch einzustellende Inklusionshelfer übernehmen müsste.

Ein solcher Vorschlag sorgt in Zeiten von Strukturkonzept und Spardebatten normalerweise für ziemlich viel Aufregung. Doch Markus Terodde will am morgigen Donnerstag im Schulausschuss einen ersten Versuch starten, die Politiker von seiner Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Dafür wird er ihnen einen Fünf-Stufen-Plan vorlegen, der mit dem Titel „Vom Pilotprojekt zum Regionsmodell“ überschrieben ist. In diesem geht es grundsätzlich darum aufzuzeigen, wie das Projekt schrittweise ausgebaut und gleichermaßen der finanzielle Aufwand reduziert werden kann.

„Wir werden die finanzielle Wirksamkeit belegen“, versichert der Dezernent und liefert, quasi als Kostprobe, erste Zahlen. Demnach konnte dank des Einsatzes der Inklusionshelfer an den fünf beteiligten Schulen bereits auf vier individuelle Schulbegleiter verzichtet werden. „Das entspricht einer Einsparung von 76.000 Euro“, rechnet Terodde hoch und ergänzt: „Es ist davon auszugehen, dass bei der Ausdehnung des Ansatzes eine weitere, deutliche Kostendämpfung bei der Eingliederungshilfe erreicht wird.“

Das dürfte auch die städteregionalen Kommunen interessieren, die in einem letzten Schritt die Zuständigkeit für die Inklusionshelfer und deren Bezahlung übernehmen sollen. Dem haben sie in Gesprächen mit der Städteregion laut Terodde grundsätzlich zugestimmt. Zunächst aber sieht der Stufenplan vor, dass das Modell im Schuljahr 2016/17 wie bisher fortgesetzt und 2017/18 um drei Inklusionshelfer an Grundschulen sowie erstmalig fünf in den Orientierungsstufen weiterführender Einrichtungen ausgebaut wird. In Stufe 4, die im Schuljahr 2018/19 greifen soll, werden die 13 Inklusionshelfer dann an die Kommunen „übertragen“.

„Zusammen mit den Leistungsträgern aus Sozial- und Jugendhilfe wird entschieden, welche zusätzlichen Schulstandorte systematisch gestärkt werden“, kündigt Markus Terodde, der sich und das Projekt im Schuljahr 2019/20 am Ziel sieht, an. „Wir wollen uns selbst überflüssig machen“, betont der Dezernent, womit er freilich nur die Pilotphase und die dafür eingerichtete Koordinierungsstelle meint. Sie soll Ende 2019 ihre Arbeit einstellen und aufgelöst werden. „Bis dahin wird sich ein bedarfsorientiertes Regionsmodell etabliert haben“, ist Terodde zuversichtlich.

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