Inklusion: Es geht in kleinen Schritten voran

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Dafür, dass längst noch nicht alle Gebäude der Städteregion barrierefrei zugänglich sind, liefert das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Aachen ein gutes Beispiel. Foto: Michael Grobusch
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Was nicht ist, kann noch werden: Bettina Herlitzius zeigt sich jedenfalls zuversichtlich.

Städteregion. Wenn man den „Aktionsplan 2017“ nach einem flüchtigen Blick auf die Zwischenbilanz der Verwaltung bewerten sollte, dann fiele das Urteil über den Stand der Inklusion in der Städteregion nicht sonderlich gut aus.

Viele wenig freundlich schauende „Smileys“ lassen darauf schließen, dass vieles von dem, was der Inklusionsbeirat Ende vergangenen Jahres als Maßnahmenpaket beschlossen hat, noch nicht umgesetzt worden ist. „Der erste Eindruck täuscht aber“, beeilt sich Bettina Herlitzius zu betonen. Ihre Sicht der Dinge hat die Leiterin des städteregionalen Amtes für Inklusion und Sozialplanung im Gespräch mit Michael Grobusch erläutert.

Aufklärung, Information und Bewusstseinsbildung sollen zukünftig wichtige Bestandteile der inklusiven Arbeit in der Städteregion sein. Der Aufruf, sich an einer „Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit“ zu beteiligen, ist aber auf wenig Resonanz gestoßen. Haben Sie da jetzt ein ernsthaftes Problem?

Herlitzius: Es gab zunächst nur vier Rückmeldungen, das wäre in der Tat zu wenig gewesen, um eine funktionsfähige Arbeitsgruppe zu bilden. Mittlerweile ist die Zahl der Interessierten aber auf acht gestiegen, und es hat eine erste Sitzung stattgefunden. Mit Alina Hollbach von der Pressestelle der Städteregion haben wir ein professionelles Mitglied in der Gruppe, das sich um die interne und externe Beteiligung kümmern wird. Außerdem werden wir bei dem Thema Öffentlichkeitsarbeit vom Landschaftsverband beraten. Die Situation hat sich also entspannt.

Welche Ziele hat sich die Arbeitsgruppe gesetzt?

Herlitzius: Wir wollen uns mindestens dreimal im Jahr treffen und uns mit den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung und Bürgerbeteiligung auseinandersetzen.

Und was kann daraus konkret resultieren?

Herlitzius: Beispielsweise Dialogveranstaltungen zu ausgewählten Themen. Die Serie der Fachtagungen zum Inklusionsplan ist abgeschlossen. Wir werden beraten, ob wir noch einmal eine Reihe starten, und falls ja, in welche inhaltliche Richtung es gehen soll. „Frauen und Behinderung“ oder „Mobilität“ sind zum Beispiel Themen, die ich mir gut vorstellen könnte. Wir sind da aber noch offen. Außerdem liegt unserem Amt eine Anfrage für eine Kunstausstellung von Menschen mit Behinderung vor. Es wäre schön, wenn der Arbeitskreis diese begleiten könnte.

Ein Schwerpunkt des Aktionsplanes liegt auf der Barrierefreiheit. In Ihrer Zwischenbilanz gibt es dazu nur sehr wenige Erfolgsmeldungen.

Herlitzius: Wenn Punkte noch nicht umgesetzt sind, heißt das nicht, dass sie für gescheitert erklärt werden müssen. Aber es gab durchaus Schwierigkeiten. So hatten wir uns vorgenommen, in einem ersten Schritt die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen an den Berufskollegs zu erfassen. Ab der Volljährigkeit gibt es aber keinerlei Verpflichtung, seine Behinderung anzugeben.

Also gibt es auch keine verlässlichen Zahlen. Der sonderpädagogische Förderbedarf und die Anträge zum Nachteilsausgleich sind schulinterne Angelegenheiten. Und laut Schulgesetz sind Berufskollegs generell als inklusiv anzusehen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Berufskollegs Unterstützung beim Thema Inklusion brauchen. Doch wo diese ansetzen könnte oder sollte, kann ich am heutigen Tag noch nicht sagen.

Bezogen auf die räumliche Situation dürfte Ihnen das aber leichter fallen.

Herlitzius: Es gibt Berufskollegs, beispielsweise in Herzogenrath und Eschweiler, die rollstuhlgerecht sind. Andere wiederum sind davon weit entfernt, zum Beispiel das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Aachen, das deshalb in der Vergangenheit auch in der öffentlichen Kritik gestanden hat. Wir werden nicht von heute auf morgen in allen Bildungseinrichtungen der Städteregion die Barrierefreiheit schaffen können.

Zumal dazu mehr gehört als nur der mögliche Zugang mit dem Rollstuhl – auditive und akustische Leitsysteme etwa. Für mich steht aber fest, dass wir uns in 20 Jahren keine öffentlichen Gebäude mehr leisten können, die nicht uneingeschränkt barrierefrei sind. Deshalb muss die Barrierefreiheit bei jeder baulichen Maßnahme berücksichtigt werden.

Zur Barrierefreiheit gehört auch das Konzept „Leichte Sprache“ der städteregionalen Verwaltung. Was sieht dieses vor?

Herlitzius: Zunächst einmal, und da sind wir mit Blick auf das nächste Jahr auf einem sehr guten Weg, soll es verstärkt Mitarbeiter-Fortbildungen für Leichte und Einfache Sprache geben. Wir möchten mittelfristig möglichst allen Bürgern einen transparenten Zugang zu unserer Verwaltung ermöglichen. Deshalb haben wir die Aufrufe des neuen Internet-Bürgerportals ausgewertet. Besonders groß war die Nachfrage beim Straßenverkehrsamt und beim Ausländeramt. Hier wollen wir zunächst Schwerpunkte setzen.

In naher Zukunft soll es auch ein Büro für Leichte Sprache geben.

Herlitzius: Die Lewac gGmbh (ein Gemeinschaftsunternehmen der Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH und dem Verein WABe; Anm. d. Redaktion) hat bei der Aktion Mensch einen Förderantrag zur Einrichtung eines solchen Büros gestellt, den wir unterstützen. Geplant ist, Beratungen und Schulungen anzubieten, Übersetzer zu vermitteln und die Vernetzung zu fördern. Die Bewilligung ist Ende 2017 zu erwarten. Wir hoffen, dass davon nicht nur die Menschen in Aachen, sondern in der gesamten Städteregion profitieren werden.

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