Induktive Höranlagen: Wichtige Hilfe für Schwerhörige

Von: der/gro
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Städteregion. Hörschäden sind eine unsichtbare Barriere. Menschen mit schlechtem Gehör gehen nicht mehr ins Theater, nicht ins Kino, sie meiden Vorträge und Diskussionen. Sie fragen nur in höchster Not nach dem Weg oder verstehen die Anweisung ihres Arztes nicht.

Nach Angaben der Städteregion zählt Schwerhörigkeit zu den Volkskrankheiten in Deutschland, 19 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen – Tendenz steigend.

Einer von ihnen ist der Aachener Erich Stier. Er trägt links ein Hörgerät, rechts ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI). Stier hat ausgemacht, dass die Informationen für Hörgeschädigte in Aachen spärlicher sind als in anderen deutschen Städten – noch. Denn mittlerweile sind auch in Aachener Kirchen induktive Höranlagen installiert worden – zuletzt in allen großen Gotteshäusern der Gemeinde St. Gregor im Stadtteil Burtscheid.

„Induktive Höranlagen sind die versteckten Helfer für Hörgeräte- und CI-Träger in öffentlichen Räumen“, weiß Marion Bergk vom Hörgeschädigtenzentrum Aachen. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag beim Abbau öffentlicher Kommunikationsbarrieren.“

In der Städteregion gibt es laut Bergk insgesamt 29 solcher Anlagen, überwiegend in Kirchen, aber beispielsweise auch im Aachener Dom, im Centre Charlemagne, im Eurogress und im Haus der Städteregion. Das technische Prinzip ist immer das gleiche: Das gewünschte Signal, etwa Sprache oder Musik, wird per Mikrofon über einen Verstärker einem Draht zugeführt, der um den zu beschallenden Raum verlegt ist. In dieser Schleife entsteht ein magnetisches Feld, das Induktionsfeld. Die T-Spule im Hörgerät nimmt dieses Magnetfeld auf und wandelt es wieder in Töne um. Hintergrundgeräusche, Hall und Verzerrungen durch das Mikrofon werden dabei ausgeblendet.

Die Städteregion wirbt aktiv für die Nutzung der technischen Möglichkeiten und hat deshalb im vergangenen Jahr auch eine Vortragsreihe mit dem Titel „Alle mal herhören“ an zunächst vier Terminen in vier Kommunen gestartet, die fortgesetzt werden soll. „Die Resonanz war recht unterschiedlich. Simmerath und Eschweiler waren nicht so frequentiert wie Stolberg und Alsdorf“, hat Bettina Herlitzius am Dienstag im Inklusionsbeirat der Städteregion resümiert. 2016 werden Veranstaltungen in Baesweiler, Herzogenrath, Monschau und Roetgen stattfinden – auch, um die Schwerhörigkeit zu enttabuisieren, wie die städteregionale Inklusionsbeauftragte betont. „Denn das Thema ist immer noch schambesetzt und wird gesellschaftlich nicht genügend ernst- genommen.“

Die Fortsetzung der Vortragsreihe wurde von den Mitgliedern des Inklusionsbeirates in der gestrigen Sitzung begrüßt. Ebenso wie das noch einmal unterbreitete Angebot der Inklusionsbeauftragten, auch die darüber hinausgehenden Hilfen der Städteregion zu nutzen. Das Angebot gilt für alle zehn regionsangehörigen Kommunen. Und auch in diesem Punkt herrschte Einigkeit: Nicht nur in Aachen gibt es noch viel zu viele öffentlich zugängliche Räume, die nicht mit einer induktiven Höranlage ausgestattet sind.

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