Immer wieder neue Probleme: Katastrophenschutz bereitet sich auf alles vor

Von: Jutta Geese
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Das ist knapp: Der Vichtbach bedroht immer wieder mal die Stolberger Altstadt, wie hier im Sommer 2014. Der Wasserverband Eifel-Rur versucht, die Hochwassergefahr einzudämmen, etwa durch Rückhaltebecken. Foto: Jürgen Lange
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Neues Problem: Der Fischbach in Vicht hat 2014 auch ein Altenheim unter Wasser gesetzt. Dadurch rückte dann das Thema Evakuierung von Intensivpatienten in den Blick der Katastrophenschützer. Foto: Jürgen Lange

Städteregion. Marlis Cremer ist hin- und hergerissen: „Eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, wenn Katastrophenschutz nicht auf der Agenda steht“, meint die Leiterin des städteregionalen Amtes für Ordnungsangelegenheiten, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Schließlich bedeute dies, dass alles normal laufe.

„Die Kehrseite ist jedoch: Dann gerät auch die personelle und finanzielle Ausstattung aus dem Blick. Aber man braucht nun mal Personal, um Notfallpläne auszuarbeiten.“ Und so versucht sie, zumindest verwaltungsintern das Thema Katastrophenschutz auch in ruhigen Zeiten in Erinnerung zu halten. Etwa mit dem regelmäßig tagenden Arbeitskreis „Kritische Infrastruktur“ ihres Amtes mit den Katastrophenschützern der neun früheren Kreis-Kommunen.

Regelmäßiger Austausch

Pflicht ist ein solcher Arbeitskreis nicht, sagt Cremer. Jedenfalls dann nicht, wenn kein Katastrophenfall vorliegt. „Wir haben den aber trotzdem seit vielen Jahren“, betont sie. Als vor einigen Jahren die Vogelgrippe-Pandemie für Aufruhr gesorgt habe, sei beim Gesundheitsamt eine sogenannte Lenkungsgruppe eingerichtet worden, in der sich alle Beteiligten bei der Vorgehensweise abgestimmt hätten. „Damals haben wir gesagt: Eigentlich bräuchten wir einen solchen Arbeitskreis mit allen Kommunen für den Katstrophenschutz, nicht nur im Falle einer Pandemie, also einer länderübergreifenden Ausbreitung einer Krankheit.“

Gesagt, getan. Seither treffen sich die kommunalen Katastrophenschützer drei- bis viermal im Jahr, um über Themen wie Hochwasserschutz, Starkregenereignisse, flächendeckender Stromausfall über mehrere Tage oder Sicherstellung der Wasserversorgung zu diskutieren. Im Jahr 2014 hinzugekommen sei dann das Thema Reaktorunfall in Tihange, sagt Cremer. „Aber das ist nur eines von vielen Themen“, betont sie. So banal es klinge: Katastrophe sei Katastrophe, egal ob von einem Atomkraftwerk ausgelöst oder durch die Natur. Die Mechanismen, die dann greifen müssten, seien dieselben.

Immer ein Thema im AK Kritis, wie der Arbeitskreis amtsintern bezeichnet wird, ist die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung. „Da war es zunächst wichtig, alle Akteure, also alle, die Wasser aufbereiten, verteilen oder Talsperren unterhalten, an einen Tisch zu bekommen. Durch eine Vielzahl von Besprechungen gelang es, eine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu schaffen. Die sind ja zum Teil Konkurrenten“, erläutert Cremer.

Ohne Strom kein Wasser

Wenn man über die Wasserversorgung rede, müsse man sich auch immer mit dem Thema Stromversorgung beschäftigen. Schließlich bräuchten Filteranlagen oder Pumpen Energie, um arbeiten zu können. Deshalb seien auch alle „Wasserunternehmen“ bestens stromversorgt, auch mit Notstromaggregaten, sagt Cremer. Die Unternehmen unternähmen viel in dieser Hinsicht, lobt sie. Ihr Amt sei da erst mal nicht gefordert. Wobei die Betonung auf „erst mal“ liegt. „Wenn beispielsweise ein Stromausfall flächendeckend und mehrere Tage oder gar Wochen andauern würde und dadurch die Wasserversorgung gefährdet wäre, dann wäre das wieder unser Bier.“ Sprich: Das wäre dann ein Fall für den behördlich organisierten Katastrophenschutz.

Apropos Wasser: Hochwassergefahren wie an Donau, Rhein oder Elbe lauern in der Städteregion zum Glück nicht, stellt die oberste Katastrophenschützerin fest. „Die Risiken sind überschaubar“, sagt Cremer. Neuralgische Punkte seien allenfalls die Inde im Zentrum von Eschweiler, wo Hochwasser auch das Krankenhaus treffen würde („Das Haus hat eigene Anstrengungen zum Hochwasserschutz unternommen, das Konzept ist vorbildlich.“), der Vichtbach in Stolberg, dort insbesondere mit Blick auf die Altstadt, und die Rur in der Monschauer Altstadt. „Aber da sind die Städte gut drauf eingestellt, im Zweifel steht überall ein Bagger bereit, der Schwemmgut aus dem Wasser holt, um den Wasserabfluss zu gewährleisten.“

Was ihr aber Sorgen bereitet: die zunehmende Zahl an Wohngemeinschaften von Intensiv-Patienten, die man nicht so einfach evakuieren kann. In den Blickpunkt gerückt ist dieses Problem im Sommer 2014, als in Stolberg-Vicht der bis dahin völlig unauffällige Fischbach über die Ufer trat und die Feuerwehr unter anderem die Wassermassen von einem Altenheim fernhalten musste. „Wir wissen nicht, wo es überall solche Wohngemeinschaften gibt mit Patienten, die beatmet werden müssen, oder die an der Dialyse hängen. Dafür gibt es keine Meldepflicht.“ Aber im Notfall ist es wichtig für Feuerwehren und Rettungsdienst e zu wissen, wen sie vorfinden, damit sie gleich mit den erforderlichen Fahrzeugen und Geräten anrücken. Ansonsten gehe wertvolle Zeit verloren, mahnt Cremer. „Das gilt nicht nur bei Hochwasser oder Starkregenvorfällen – mit denen müssen wir wegen der globalen Klimaveränderung zunehmend rechnen – zu, sondern auch bei Stromausfällen.“

Zur „kritischen Infrastruktur“ gehört laut Cremer natürlich auch der gesamte IT-Bereich. Nicht nur mit Blick auf Stromausfälle, sondern auch mit Blick auf Hacker-Angriffe, deren Ziel beispielsweise die Lahmlegung der Wasserversorgung sein könnte. „Aber da sind wir Katastrophenschützer weniger gefragt, eher die IT-Spezialisten“, stellt sie fest. Thema im Kritis-AK sei das aber dennoch. „Wir versuchen, uns auf möglichst alle erdenklichen Katastrophenfälle vorzubereiten. Und da, wo wir Schwachstellen erkennen, die wir aber selbst nicht beheben können, geben wir unsere Einschätzung an die zuständigen Stellen weiter.“

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