Immer mehr Rentner brauchen Hilfe

Von: Jutta Geese
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Altersarmut: Immer mehr Mensch
Altersarmut: Immer mehr Menschen erhalten eine so geringe Rente, dass sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Foto: imago

Aachen. Altersarmut war lange Zeit kein Thema in der politischen Diskussion. Zwar haben Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften immer wieder - mal mehr, mal weniger deutlich - in der Auseinandersetzung um Mindestlöhne auf den Zusammenhang zwischen geringen Einkommen und niedrigen Renten hingewiesen.

Doch die Debatte um die nach wie vor hohe Kinderarmut hat die um die Altersarmut in den Hintergrund gedrängt. Dabei müssen die Kommunen schon jetzt enorme Summen für die sogenannte Grundsicherung aufwenden. Auf die haben über 65-Jährige mit nicht-existenzsichernden Renten Anspruch, auch 18- bis 64-Jährige, die dauerhaft erwerbsgemindert sind. So rechnet die Städteregion in diesem Jahr mit rund 30 Millionen Euro Ausgaben in diesem Bereich.

Bislang steige die Zahl der hilfebedürftigen Rentner noch moderat, sagt Angelika Hirtz, Leiterin des städteregionalen Sozialamtes. Bezogen zum Stichtag 31. Dezember 2009 exakt 3896 Frauen und Männer Grundsicherung im Alter, waren es ein Jahr später 4010. Das entspricht einem Zuwachs von etwa drei Prozent. „In den neun Kommunen des Altkreises sind die Zahlen in den letzten Jahren relativ stabil, der Anstieg kommt vor allem aus der Stadt Aachen”, stellt Hirtz fest und untermauert das mit Zahlen: Im Altkreis erhielten Ende 2010 - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - 1636 Rentner eine Aufstockung ihrer Bezüge, 17 mehr als im Vorjahr, in Aachen brauchten 2374 alte Menschen die staatlich Hilfe, das waren 97 mehr als im Jahr zuvor. Ein Anstieg um über vier Prozent.

Warum die Entwicklung in Stadt und Altkreis Aachen so unterschiedlich ist, darüber kann Hirtz nur Vermutungen anstellen, denn Untersuchungen dazu gibt es nicht. „Wahrscheinlich liegt es daran, dass im eher ländlichen Raum mehr Menschen der älteren Generation ein eigenes Haus besitzen, das schon abbezahlt ist, oder anderes verwertbares Vermögen haben”, mutmaßt sie. „Aber gesichert ist das nicht”, betont sie.

Vermögen aufgebraucht

Anhaltspunkte dafür, dass es einen kurzfristig einen dramatischen Anstieg der Fallzahlen bei der Grundsicherung im Alter geben wird, „haben wir derzeit eigentlich nicht”, sagt die Sozialamtsleiterin. Allerdings: „Mittelfristig werden die Zahlen deutlich steigen, wenn die ersten Hartz-IV-Leistungsbezieher ins Rentenalter kommen und mehr oder weniger nahtlos in die Grundsicherung übergehen. Die haben ihr Vermögen, falls sie eines hatten, ja schon aufgebraucht.”

Ein Blick in die Statistik des Jobcenters der Städteregion lässt erahnen, mit welchen Steigerungsraten bei der Grundsicherung im Alter zu rechnen ist: Von den 53.563 Menschen, die im April dieses Jahres auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen waren, waren 5464 älter als 55 Jahre und davon immerhin 743 schon 63 Jahre und älter. Viele von ihnen dürften einmal so wenig Rente erhalten, dass sie ergänzend auf die Grundsicherung angewiesen sein werden.

Angesichts dieses Szenarios und der stetig zunehmenden Zahl von erwerbsgeminderten jüngeren Leuten - Anspruch auf Grundsicherung hatten Ende vergangenen Jahres 1927 Menschen, das sind 140 oder fast acht Prozent mehr als im Jahr zuvor - ist Hirtz froh, dass der Bund die Kommunen künftig von den Kosten befreit. „Derzeit beteiligt sich der Bund nur mit 15 Prozent an den Aufwendungen. Im nächsten Jahr sollen es 45 Prozent, im übernächsten 75 Prozent und ab 2014 dann 100 Prozent sein”, erläutert Hirtz.

Allerdings: „Erstattet werden immer nur die Aufwendungen des Vorvorjahres. In diesem Jahr überweist uns der Bund also 15 Prozent unserer Aufwendungen aus dem Jahr 2009. Es bleibt also immer eine Lücke, da wir von Jahr zu Jahr mit steigenden Ausgaben bei der Grundsicherung ausgehen.” Diese Lücke muss die Städteregion mit eigenen Mitteln schließen, sprich: Sie geht Jahr für Jahr in Vorleistung, um die Renten aufzustocken.

5464 Menschen über 55 beziehen Hartz IV

Das Jobcenter der Städteregion betreute im April 2011 insgesamt 5464 Frauen und Männer im Alter von 55 bis unter 65 Jahren. Die meisten älteren Hartz-IV-Bezieher, nämlich 2906, lebten in der Stadt Aachen, in den neun Altkreiskommunen waren es in dieser Altersgruppe 2558 Frauen und Männer.

Deutlich höher als im Altkreis ist in Aachen auch die Zahl der Hartz-IV-Leistungsbezieher, die 60 Jahre und älter sind. Die Zahlen im Detail: Altersgruppe 60 bis unter 63 Jahre: Stadt Aachen 858, Altkreis 774; Altersgruppe 63 bis unter 65 Jahre: Stadt Aachen 459, Altkreis 284.

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