Im Zweifel muss das Pferd zur Blutprobe

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Karneval auf vier Beinen: Die
Karneval auf vier Beinen: Die Pferde der Prinzengarde gehören seit jeher zum Rosenmontagszug. Dies könnte sich mit einer neuen Anordnung ändern. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Kurz vor Beginn der jecken Tage dürfte Dr. Peter Max Heyde mit einem Schreiben einige Pferde scheu machen: Denn der Chef-Veterinär der Städteregion will bereits in dieser Session genauestens hinschauen, welche Rösser an Tulpensonntag oder Rosenmontag bei den Umzügen mitgehen.

Grundtenor seines Schreibens an die Karnevalisten: Trainierte Pferde, die an die besonderen Belastungen wie Lärm oder Menschenmassen gewöhnt seien, könnten bedenkenlos eingesetzt werden. Andere Vierbeiner, die mit Beruhigungsmitteln quasi fitgemacht werden, hätten bei den Umzügen nichts zu suchen. Das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz teilt nach Aussage des Sprechers Peter Schütz diese Auffassung.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Dabei will Heyde keinen Raum für eine Grauzone lassen: „Gewöhnte und für den besonderen Einsatz ausgebildete Pferde benötigen keine Medikation”, heißt es in dem Schreiben. Und: „Eine fehlende Gewöhnung oder mangelhafte Ausbildung lässt sich nicht durch den Einsatz von Arzneimitteln wie Tranquilizern kompensieren, zumal von diesen Medikamenten auch unerwünschte Nebenwirkungen ausgehen können.” Vielmehr sollten die Pferde, die in Karnevalszügen eingesetzt werden, ähnlich konsequent und intensiv trainiert sein wie Polizeipferde. Zusätzliche Hilfsmittel könnten dann Scheuklappen oder das Ausstopfen der Ohren sein.

Auch Dr. Andreas Franzky von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) hält den Einsatz von Beruhigungsmitteln in diesem Zusammenhang mit dem Tierschutz kaum vereinbar. „Da habe ich meine Probleme”, sagt er, ohne einem generellen Verbot das Wort reden zu wollen. „Das ist ein heikles Thema. Das muss man sorgfältig abwägen.”

Die Entscheidung ist für seinen Kollegen Heyde hingegen gefallen. Sah der städteregionale Chef-Veterinär bislang „keinen Grund einzugreifen”, war nun eine Beschwerde einer Gruppe, die sich „Pferdefreunde der Städteregion Aachen” nennt, Auslöser für den landesweit einmaligen Vorstoß. Zentrale Frage in deren Schreiben ist, inwieweit die Teilnahme von Pferden in Karnevalszügen überhaupt mit dem Tierschutz vereinbar ist. „Wenn die von uns vorgegebenen Kriterien eingehalten werden”, sagt Heyde, sei der Einsatz von Pferden „aus tierschutzrechtlichen Aspekten möglich”.

Dass zu den Kriterien auch gehört, dass ein qualifizierter und nüchterner Reiter im Sattel eines möglichst ausgeglichenen Pferdes sitzt, ist für Norbert Weiland als Präsident des Eschweiler Karnevalskomitees seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. „Wir müssen bereits jetzt relativ hohe Auflagen für den Schutz aller Beteiligter erfüllen. Dazu gehört etwa auch der Zügelführer für den Notfall.”

Aber dass es nun in einem Verbot von Beruhigungsmittel münden soll, sieht nicht nur Weiland kritisch. „Natürlich spielt der Ehrgeiz der Reiter auch eine Rolle, und wir haben auch schon Pferde nach Hause geschickt”, sagt etwa Dr. Eike Lange, der über Jahre hinweg Züge in Aachen betreut hat und Tierschutzbeauftragter des Kreispferdesportverbandes ist: „Wenn die Pferde nicht überanstrengt werden, ist die Gabe von ein bisschen Beruhigungsmittel nicht schädlich. Sollte dies nun rigoros verboten werden, dann muss man auch das Martinspferd nach Hause schicken.”

Gänzlich ohne Beruhigungsmittel geht es nicht, ist auch Markus Bongers, Kommandant der Aachener Prinzengarde, überzeugt. Sie setzt jährlich rund 15 erfahrene Pferde ein. Die Gabe von Beruhigungsmitteln sei „für alle besser und sicherer - für die Pferde, die Reiter und die Zuschauer”. Bongers fügt hinzu: „Wenn man sieht, wie aufwendig die Ausbildung eines Polizeipferdes ist, dann muss jedem klar sein, dass ein Hobbyist das nicht machen kann. Sollte die Ankündigung rigoros durchgesetzt werden, ist das Thema Pferde und Karneval gestorben.”

Wie die Pferde der Reitergruppen nun kontrolliert werden, bleibt erst einmal abzuwarten. „Unsere Mitarbeiter sind sowieso bei den Zügen vor Ort. Wenn wir bei einem Tier einen Anfangsverdacht haben, werden wir eine Blutprobe entnehmen”, kündigt Dr. Heyde an. Danach nehme das übliche - und langwierige - Verfahren seinen Lauf.

Kommandant Bongers hofft, dass es überhaupt nicht soweit kommt: „Wir sind doch Tierfreunde und würden unseren Pferden kein Leid zufügen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert