Würselen - „Im Notfall keine Angst vor dem Helfen haben”

„Im Notfall keine Angst vor dem Helfen haben”

Von: Jutta Geese
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So gehts: Rettungsassistent H
So gehts: Rettungsassistent Holger Schütt demonstriert unter den Augen von Dr. Markus Graf (v.l.), Bernd Hollands von der Feuerwehr, Dr. Lothar Nossek und Franz-Josef Cremer, dem ehrenamtlichen Leiter des DRK-Arbeitskreises Rettungsdienst , wie man eine Verletzte - dargestellt von Alexandra Scholl - in die stabile Seitenlage bringt. Foto: Ralf Roeger

Würselen. Die „Gefahr”, bei einem Verkehrsunfall Erste Hilfe leisten zu müssen, ist relativ gering. Viel größer ist die Chance, Angehörigen, Nachbarn oder Freunden im heimischen Umfeld oder Kollegen im Büro in einem Notfall als Ersthelfer zur Seite stehen zu müssen.

Das zeigt ein Blick in die Statistik des Rettungsdienstes im ehemaligen Kreisgebiet: Rund 80 Prozent aller rund 25.000 Rettungs- und knapp 8400 Notarztwageneinsätze wurden im Jahr 2009 durch internistische Notfälle oder häusliche Unfälle ausgelöst, Verkehrsunfälle machten dagegen gerade mal drei Prozent aus.

Umso wichtiger ist es, dass auch Laien Erste Hilfe leisten können. Denn: „Acht bis zwölf Minuten dauert es in der Regel, bis professionelle Hilfe vor Ort ist”, sagt Stefan Wilms, Geschäftsleiter der gemeinnützigen Rettungsdienstgesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Altkreis Aachen. „Das ist in der Praxis einfach zu lang. Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff nimmt das Gehirn Schaden, beim Kind ebenso wie bei einem alten Menschen.” Und so wirbt er eindringlich darum, dass möglichst viele Menschen sich in Erster Hilfe kundig machen - und vor allem: „Keine Angst vor dem Helfen haben.” Unterstützt wird Wilms dabei von Dr. Markus Graf, Chefarzt der Klinik für Unfal-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Medizinischen Zentrum der Städteregion in Würselen. „Als Ersthelfer vor Ort kann man nicht viel falsch machen.

Im Regelfall kann man die Situation des Patienten nur verbessern”, betont Graf. Aber die Angst sei oft größer als der Mut, einzugreifen. „Ich habe den Eindruck, dass die Rettungsbereitschaft sinkt, dafür die Dokumentationsbereitschaft von Unfällen per Handyfoto steigt”, sagt er.

Günstige Prognose

Natürlich könne es passieren, dass man einem Patienten bei Wiederbelebungsversuchen Rippen breche. „Aber drei gebrochene Rippen sind nicht so schlimm wie drei Minuten Herzstillstand.” Jeden Tag habe er in der Klinik Patienten, bei denen er sagen könne: Wäre früher geholfen worden, wäre ihre Prognose günstiger. Dabei gehe es bei der Ersten Hilfen teilweise um ganz Banales: Einfach da sein, dem Verletzten das Gefühl geben, es kümmert sich jemand um ihn.

An zwei Beispielen zeigen DRK-Mitarbeiter, wie einfach es ist, auch als Laie effektiv Erste Hilfe zu leisten. Situation 1: Eine Frau liegt bewusstlos auf der Straße, sie blutet aus einer Platzwunde am Kopf. „Sprechen Sie die Person an, fassen Sie sie an, kontrollieren Sie die Atmung, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und setzen Sie einen Notruf ab. Um die Platzwunde kann man sich später noch kümmern”, erklärt Rocio Hülshorst, beim DRK für die Breitenausbildung zuständig. Und wenn man, aus welchen Gründen auch immer, keine Mund-zu-Mund-Beatmung machen möchte, reiche auch die Herzmassage. Situation 2: Ein Mann mit einem offen Armbruch läuft, offensichtlich unter Schock stehend, herum. „Wichtig ist in dem Fall, in dazu zu bewegen, sich hinzusetzen, damit er nicht noch einmal stürzt, einen Notruf abzusetzen und dann einfach bei ihm zu bleibnem und ihn zu beruhigen”, erläutert Hülshorst.

„Jeder kann in einem Notfall helfen. Das Schlimmste ist Nichtstun”, betont Graf. Am besten wäre es natürlich, wenn man sich regelmäßig in Erster Hilfe fortbilde, meint Dr. Lothar Nossek, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Aachen-Land. Er hält es für sinnvoll, wenn man alle fünf Jahre seine Kenntnisse auffrischt. Kurse bieten alle entsprechenden Hilfsorganisationen an, wobei das DRK bundesweit rund 80 Prozent aller Ersthelfer ausbildet. Im Altkreis Aachen besuchen rund 5000 Menschen pro Jahr einen DRK-Kurs. „Am besten wäre es”, sagt Herbert Dondorf, Vorsitzender des Rettungsausschusses der Städteregion, „schon Kinder mit Erster Hilfe vertraut zu machen.”
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