Im Kreishaus grüßt das Murmeltier

Von: Jutta Geese und Udo Kals
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Aus Konkurrenten könnten Koalitionspartner werden: Der künftige Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU/l.) nimmt in der Wahlnacht die Glückwünsche des Grünen-Spitzenkandidaten Dr. Thomas Griese (r.) entgegen. In der Mitte SPD-Kandidat Uwe Zink. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Tag danach grüßt im Kreishaus wieder einmal das Murmeltier. Wie nach den vergangenen drei Kommunalwahlen stehen auch nach dem jüngsten Urnengang wieder Sondierungsgespräche der CDU mit den Grünen an.

Und wie nach den vergangenen drei Wahlen steuern auch in diesem Jahr beide Partner auf eine schwarz-grüne Koalition zu. Dass die Fortsetzung der Kooperation gewollt ist, daraus macht etwa Helmut Etschenberg keinen Hehl. „Eine so gute Zusammenarbeit, wie wir sie in den vergangenen 15 Jahren hatten, die gibt man nicht so einfach auf”, sagt der künftige Städteregionsrat, der auch mit dem Ausgang der OB-Wahl sehr zufrieden ist. „Mit Marcel Philipp gemeinsam die Städteregion zu gestalten, das ist meine Wunschkonstellation”, meint Etschenberg, der sich durch die Personalwechsel - auch in einigen Rathäusern im Kreis - „eine neue Form der Zusammenarbeit” verspricht.

Doch im Kreishaus soll alles beim Alten bleiben, auch wenn aus dem Kreistag der Städteregionstag wird. Denn auch für CDU-Fraktionschef Klaus Dieter Wolf sind die Grünen erste Wahl. Überstürzen werde man aber nichts: „Wir stehen ja nicht unter Zeitdruck, weil die Städteregion erst am 21. Oktober startet.” Auch mit der SPD werde man sprechen, ebenso mit FDP und UWG. „Das gehört sich einfach”, meint Wolf. „Im Kreistag haben wir es immer geschafft, Ideologen außen vor zu lassen und sachlich zusammenzuarbeiten. Und das wollen wir in den Städteregionstag übertragen.”

Nicht mehr dabei sein wird jedoch der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt. Er hat seinen Wahlkreis denkbar knapp verloren, und sein Listenplatz zog angesichts der vielen Direktmandate (24) der CDU nicht mehr. „Den Wahlkreis hätten wir eigentlich holen wollen”, räumt Wolf ein, der den Verlust aller drei Alsdorfer Wahlbezirke und aller drei in Eschweiler als „partiellen Misserfolg” bezeichnet. Ansonsten aber ist er rundum zufrieden mit dem Abschneiden der CDU - und mit dem von Etschenberg sowieso.

„Rundum happy” ist Dr. Thomas Griese auch am Tag danach noch. Jeweils fast 15 Prozent für die Grünen als Partei und für ihn persönlich geben „ein richtig gutes Gefühl”, sagt er. „Und mit 15 Prozent verhandelt es sich auch gut”, merkt er mit Blick auf die anstehenden Gespräche mit der CDU an. Um Inhalte werde es gehen, betont er, nicht um Posten wie den des Städteregionsdirektors, den bislang als Kreisdirektor Helmut Etschenberg bekleidet. Große Differenzen sieht Griese derzeit nicht, von Vorteil sei, dass im CDU-Wahlprogramm nichts stehe, „was unverträglich” mit den Zielen der Grünen wäre. Aber auch er will nichts überstürzen.

Bei der SPD herrschen am Tag danach gemischte Gefühle. „Die Stimmung ist gespalten”, sagt Josef Stiel, Fraktionschef im Kreistag. „Was wir in den Kreiskommunen an Erfolgen verbuchen konnten, ist durch die schwere Niederlage in Aachen wieder weg. Wir haben jetzt zwar fünf Bürgermeister, aber keinen OB mehr”, hadert er.

Sechs Prozent hat die Aachener SPD verloren, und das schlägt auf das Ergebnis für den Städteregionstag durch. Am Mittwoch werde sich die Parteispitze mit dem Wahlergebnis beschäftigen. Klar sei: „Wir haben das Heft des Handels nicht in der Hand.” Und Stiel bleibt angesichts schwarz-grüner Perspektiven realistisch: „Mit 38 von 72 Stimmen wäre das eine tragfähige Mehrheit.”

Grünes Direktmandat, hoher CDU-Sieg

Die Städteregion macht das möglich, was es im Kreistag zuvor nie gegeben hat: Durch Elisabeth Paul holen die Grünen ein Direktmandat - und das in Aachen mit 34,1 Prozent der Stimmen.

Am deutlichsten von allen Direktkandidaten gewann Franz Körlings (CDU) in Baesweiler seinen Wahlbezirk. Er holte 67,4 Prozent der Stimmen. Das beste SPD-Ergebnis holte Otto Zimmermann in Eschweiler mit 46,8 Prozent.

Die 72 Abgeordneten des Städteregionstages: CDU: Franz Körlings, Peter Timmermanns, Dieter Gronowski, Herbert Horbach, Reimund Billmann (MdL), Günter Kuckelkorn, Willi Bündgens, Dr. Heiner Berger, Ferdinand Corsten, Sebastian Exner, Sonja Rothe, Jutta Lehnen, Herbert Dondorf, Christian Steins, Franz Josef Plum, Hans Herff, Harald Baal, Michael Kirsch, Wolfgang Königs, Walter Welter, Axel Wirtz (MdL), Ronald Borning, Hans-Josef Hilsenbeck, Alexander Lenders (alle Direktmandat), Rolf Einmahl (MdL), Klaus Dieter Wolf, Sibylle Lorz-Leonhardt (alle Reserveliste). SPD: Heiner Berlipp, Friedhelm Krämer, Jürgen Neesen, Stefan Mix, Otto Zimmermann, Christiane Karl, Helga Grimmer, Dr. Heike Wolf, Hermann Hartong, Dieter Haller, Martin Peters (alle Direktmandat), Josef Stiel, Heiner Höfken, Manfred Bausch, Margret Schulz, Doris Harst, Dr. Karl Josef Strank, Nicole Weiden-Luffy, Gerhard Neitzke, Martina Rader, Gabriele Bockmühl (alle Reserveliste). Grüne: Elisabeth Paul (Direktmandat), Aggi Majewsky, Dr. Thomas Griese, Werner Krickel, Ingrid von Morandell, Lars Lübben, Christa Heners, Abdurrahman Kol, Eva Malecha, Marc Peters, Silke Bastian (alle Reserveliste). FDP: Georg Helg, Dr. Werner Pfeil, Bernhard Engelhardt, Dr. Philipp Rohde, Hendrik Hackmann, Johannes Mambor (alle Reserveliste). UWG: Gerhard Maaßen, Claus Brust, Hans-Jürgen Fink (alle Reserveliste). Die Linke: Uwe Löhr, Marika Jungblut, Gerlinde Fremgens-Heilmann (alle Reserveliste). REP: Andreas Weber (Reserveliste).
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