Hitfeld: Zink und Arsen im Grundwasser

Von: Heiner Hautermans
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Das 43 Hektar große ehemalige Militärgelände Camp Hitfeld rottet seit mehr als 20 Jahren vor sich hin. Foto: Harald Krömer
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Vor kurzem wurden neue Messstellen außerhalb des Campgeländes eingerichtet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eigentlich ist es ein Trauerspiel. 1992 zog das belgische Militär aus Camp Hitfeld ab, seitdem liegt das 43 Hektar große Areal in Aachens Süden brach. Immer wieder mal wurden Pläne geschmiedet und verworfen, etwa Wohnbebauung, Sportanlagen oder Reservefläche für Windräder. Zuletzt war ein Solarpark im Gespräch, ein entsprechender Bebauungsplan für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage ist bei der Stadt in der Mache.

Wichtiger Bestandteil desselben sind die Altlasten, die sich üblicherweise auf derartigen Militärgeländen befinden. Zu den normalen wie Altöl oder Munition gesellen sich hier noch Schwermetalle, enthalten in Schlacken aus Stolberg, die in den 1940er Jahren unter den mehreren Dutzend vorhandenen Gebäuden und den Betonstraßen verbaut wurden.

Das Problem: Die Schwermetalle gelangen auch ins Grundwasser. Elf Messstellen befinden sich auf dem Gelände, an zwei davon werden Grenzwerte überschritten, wie Harald Beckers vom Presseamt mitteilt. Bei Zink deutlich, bei Blei, Cadmium und Arsen leicht. Das weitere Problem: Camp Hitfeld liegt neben dem Wasserschutzgebiet Eicher Stollen, der Haupttrinkwasserquelle der Stadt Aachen. Fraglich ist jedoch, ob die Schwermetalle dorthin gelangen, das Brachgelände liege nämlich etwas tiefer als der benachbarte Augustinerweg, der eine Art Wasserscheide zum Eicher Stollen bilde.

Ergebnisse im Sommer

Handlungsbedarf sieht folglich die Stadt, und um genau diese Frage zu klären, werden jetzt zusätzliche Grundwasserbohrungen außerhalb des Geländes vorgenommen: zwei zur Monschauer Straße hin, fünf auf der Wiese in Richtung Autobahn. Beckers: „Im Spätsommer sollen die Ergebnisse vorliegen.“ Dann werde man weitersehen.

Die Stadt spielt allerdings in der Frage der künftigen Nutzung nur die zweite Geige, Besitzer des Areals ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die hat das Areal auch schon einmal zum Verkauf ausgeschrieben, im November 2010, worauf sich erstaunlich viele Interessenten für den Bau von Solaranlagen gemeldet hätten, berichtet Jochen Altrogge, Leiter des Bima-Verkaufsteams Köln. Die Investoren hätten jedoch hohe Abschläge auf den Verkaufspreis vorgenommen, einmal wegen des noch nicht vorhandenen Baurechts, zum zweiten wegen der unklaren Altlastensituation. Deshalb will man nun beide Dinge klären.

Die Stawag, einst einer der Bieter, ist inzwischen nicht mehr im Rennen. Sprecherin Eva Wußing: „Wir haben deutlich gesagt, dass wir kein Interesse mehr haben. Es rechnet sich einfach nicht. Die Zeit hat gegen uns gearbeitet.“ Bima-Mann Altrogge ist trotz ständig sinkender Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien sicher, das Gelände doch noch für einen großen Solarpark an den Mann oder die Frau zu bringen: „Es gibt ein starkes Interesse an der Liegenschaft und eine Vielzahl von Bietern.“ Doch zunächst müssen die Ergebnisse der Altlasten-Untersuchungen inklusive Grundwasser vorliegen: „Wir haben noch keine belastbaren Aussagen.“

Ohnehin soll nur ein Teil des Militärgeländes einer neuen Nutzung zugeführt werden, 22,3 der 43 Hektar – zur Lintertstraße hin. Der Rest, immerhin fast die Hälfte, soll dem Stadtwald in Richtung Monschauer Straße zugeschlagen werden, nach Abriss der Gebäude und mit der Anpflanzung von Bäumen verbunden, eine Art Ausgleichsmaßnahme. Harald Beckers vom Presseamt steht den Plänen positiv gegenüber: „Wenn wirklich ein Solarfeld dorthin kommt, ist das im Interesse der Stadt.“ Allerdings sieht er bis zur Verwirklichung noch einige Zeit vergehen: „Ein Jahr geht mindestens noch ins Land, und ich glaube, dass es noch länger dauert.“ Der Vorteil: Bei der Anlage von Photovoltaik-Anlagen braucht nicht groß ausgeschachtet zu werden, sicherlich wären die Sanierungskosten wesentlich höher beispielsweise bei der Anlage eines Wohngebietes. Das sieht Beckers nicht nur wegen der unliebsamen Hinterlassenschaften der Belgier als kaum realisierbar an: zu weit weg von anderen Ansiedlungen und in der Nähe der Autobahn.

Anfang nächsten Jahres

So ist Verkaufsleiter Altrogge guten Mutes, das Riesenstück Aachen doch noch an einen finanzstarken Interessenten verkaufen zu können, der dort die Solaranlagen errichtet: „Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, wäre ein erster Spatenstich Anfang nächsten Jahres realistisch.“ Bis dahin sei allerdings noch viel zu klären: „Jeder, der Mittel in die Hand nimmt, wird sich viele Gedanken machen.“

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