Helmut Wirtz sieht IG Metall „für die Zukunft richtig gut aufgestellt“

Von: Michael Grobusch
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Heute Nachmittag wird er in der Stolberger Burg offiziell verabschiedet: Nach 44 Jahren bei der IG Metall geht der Erste Bevollmächtigte Helmut Wirtz zum 30. Juni in den Ruhestand. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Bei seiner letzten Delegiertenversammlung der IG Metall Stolberg/Eschweiler in offizieller Funktion hat er sich stark zurückgehalten. „An diesem Abend ging es in erster Linie um die Wahl meines Nachfolgers Martin Peters“, betont Helmut Wirtz.

Am Samstag aber werden alle Augen auf ihn gerichtet sein: Nach 44 Jahren hauptamtlicher gewerkschaftlicher Arbeit, davon 25 Jahre als Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer, wird der Stolberger am Nachmittag in der Burg seiner Heimatstadt verabschiedet. Wie bedeutsam dieser Tag nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für die IG Metall ist, belegt ein Blick auf die Gästeliste: Angekündigt haben sich unter anderem der Erste IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel und NRW-Bezirksleiter Knut Giesler, wie Wirtz im Interview mit unserer Zeitung verraten hat.

Nach 44 Jahren ziehen Sie altersbedingt einen beruflichen Schlussstrich. Mit welchem Gefühl blicken Sie ihrer Verabschiedung im Rittersaal entgegen?

Wirtz: Da wird sicherlich eine gehörige Portion Wehmut mitspielen. Andererseits bin ich aber auch sehr stolz auf das Geleistete, denn es war gut und erfolgreich im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ich bin in den vergangenen Wochen schon in einigen Betrieben verabschiedet worden. Insofern fühle ich mich gut vorbereitet auf das, was da kommt, und werde damit umgehen können.

Die Verwaltungsstelle Stolberg erlebt einen gewaltigen personellen Umbruch. Von der bisherigen Mannschaft bleibt nur Margit Klaes. Was bedeutet das für die IG Metall in Stolberg und Eschweiler?

Wirtz: Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass Margit Klaes eine ganz zentrale Rolle in unserer Arbeit einnimmt und dies auch in Zukunft tun wird. Aber natürlich gibt es tief greifende Veränderungen im personellen Bereich. Die waren allerdings frühzeitig absehbar, weil sie durch die Altersstruktur bedingt sind. Deshalb haben wir schon vor drei Jahren eine Personalkommission gebildet und damit begonnen, den Umbruch zu planen. Im Frühjahr 2014 hat die Kommission dann die Weichen gestellt.

Wie würden Sie die Nachfolger von Georg Moik und Ihnen charakterisieren?

Wirtz: Die neue Besetzung halte ich für optimal. Wir haben mit Ralf Radmacher seit dem 1. Mai einen Gewerkschaftssekretär, der über eine langjährige Erfahrung als Betriebsrat, Zweiter Bevollmächtigter und in der Bildungsarbeit verfügt. Und Martin Peters bringt als neuer Erster Bevollmächtigter sehr viel Dynamik und ein hervorragende Trainee-Ausbildung mit. Ich sehe uns für die Zukunft richtig gut aufgestellt, diese Verwaltungsstelle hat sehr gute Perspektiven.

Worauf muss sich die IG Metall Stolberg/Eschweiler für die nächsten Jahre einstellen?

Wirtz: Die Arbeit wird sicherlich nicht leichter. In immer weniger Betrieben gilt der Flächentarifvertrag der IG Metall. Das heißt, dass immer häufiger und oftmals jährlich komplette Haustarifverträge ausgehandelt werden müssen. Das ist sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv, wie das aktuelle Beispiel Prym zeigt. Als langjähriger Gewerkschafter weiß ich, dass Unternehmen versuchen, ihre wirtschaftlichen und globalen Interessen knallhart durchzusetzen. Dazu gibt es oft Drohszenarien wie Arbeitsplatzabbau oder Produktionsverlagerungen. Hier sind wir als Gewerkschaft im Sinne unserer Mitglieder gefordert, auch wenn die Erfahrung zeigt, dass Einschnitte nicht immer verhindert werden können.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Sie es oft mit Krisensituationen zu tun gehabt. Wie sind Sie damit umgegangen?

Wirtz: Ich habe einen Leitsatz für mein Handeln gehabt: In kritischen Phasen den Überblick behalten, die Ruhe bewahren, gut abwägen und dann konsequent die best mögliche Lösung verhandeln. Wenn es negative Nachrichten gibt, helfen Schnellschüsse nicht weiter. Man muss einen klaren Plan haben und sich ein realistisches Ziel setzen. Eine gewisse Erfahrung ist da sicherlich hilfreich.

Diese Erfahrung hat Martin Peters noch nicht.

Wirtz: Die wird er im Laufe der Jahre sammeln und muss ihr Fehlen bis dahin kompensieren. Zum Beispiel, indem er mit den erfahrenen Leuten, die wir im Ortsvorstand und in den Betrieben haben, eng zusammenarbeitet. Und wann immer mein Nachfolger meine Unterstützung benötigt, werde ich mich einbringen. Ich bin überzeugt, dass Martin Peters und ich auch in Zukunft einen regen Austausch haben werden.

Das heißt, Sie werden weiter präsent sein?

Wirtz: Bis zu meinem letzten offiziellen Arbeitstag am 30. Juni werde ich noch jeden Tag im Büro sein und Termine wahrnehmen. Doch danach ziehe ich mich zurück. Ich möchte den Kollegen, die auf Georg Moik und mich folgen, die Chance geben, Dinge neu und anders zu entwickeln, als wir es über viele Jahre gemacht habe.

Also wird es auch keine Teilnahme an den Delegiertenversammlungen geben?

Wirtz: Nein. Ich habe ganz klar gesagt, dass ich mindestens für ein Jahr nicht bei einer Delegiertenversammlung erscheinen werde. Ich möchte nicht, dass die Kollegen und unsere Mitglieder aus meiner Anwesenheit oder meinen Reaktionen irgendwelche Schlüsse ziehen. Das halte ich für sinnvoll und fair, und das ist auch so mit Martin Peters und Ralf Radmacher abgesprochen.

Auf anderen Ebenen werden Sie aber zunächst deutlich präsenter bleiben.

Wirtz: Ich werde in der Tat zunächst noch in einigen Gremien vertreten sein. Meine Arbeit im Investitions- und Strukturfondsrat der IG Metall endet im September 2015, im Beirat der IG Metall werde ich NRW noch bis Ende November bleiben. Dann gebe ich auch den Vorsitz des Rheinlandfonds ab. Mein Aufsichtsratsmandat bei der Leoni AG werde ich auf Wunsch des IG-Metall-Vorstandes bis Mai 2017 wahrnehmen.

Dann wird das Kapitel IG Metall für sie zumindest offiziell endgültig geschlossen sein. Was wird als nachhaltige Erinnerung bleiben?

Wirtz: Die sehr harmonische Arbeit, die ich mit sehr vielen Menschen genossen habe. Die vielen Freiheiten, die ich im privaten und beruflichen Umfeld hatte und die es mir ermöglicht haben, mich und meine Ideen weiterzuentwickeln. Und ein tolles Team, mit dem wir es gemeinsam geschafft haben, die IG Metall in Stolberg und Eschweiler zu dem zu machen, was sie heute ist. Wir gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Verwaltungsstellen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch auf Bundesebene, und sind überall sehr anerkannt. Zum Beispiel wegen unser konstanten Mitgliederzahlen. In den Industriebetrieben in Stolberg und Eschweiler sind in den vergangenen 25 Jahren mehr als 5000 Arbeitsplätze verloren gegangen, trotzdem haben wir die Zahl unserer Mitglieder mit aktuell knapp 5300 fast halten können.

Bleibt die Frage nach den Vorsätzen für den Ruhestand.

Wirtz: Ich stehe natürlich vor einer völligen Veränderung meines Lebens, weil ich meinen Job sehr intensiv gemacht habe. Aber ich will die neuen zeitlichen Freiheiten nutzen, beispielsweise, um mehr zu reisen. Vor allem Kurzurlaube und Städtereisen werden auf dem Programm stehen. Ich habe meiner Familie sehr viel zu verdanken. Mir ist es wichtig, die neue Freiheit, die ich in Zukunft haben werde, vor allem mit meiner Familie und meinen Kindern zu verbringen.

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