Aachen/Weisweiler - Hauchdünne Mehrheit für den neuen Chef der AWA

Hauchdünne Mehrheit für den neuen Chef der AWA

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Bekommt einen neuen Chef: die AWA, der zu 50 Prozent die MVA Weisweiler gehört. Neuer Geschäftsführer wird Frank Wolff aus Eschweiler, der auf Ulrich Koch folgt. Seine Wahl ging denkbar knapp aus. Foto: AWA

Aachen/Weisweiler. „Liebe Yoginis, liebe Yogis, bedingt durch einen anstehenden beruflichen Wechsel, der auch eine geographische Veränderung mit sich bringen wird, werde ich in 2017 in Kirchheim keine weiteren Yogakurse mehr anbieten. Letzte Chance mit mir als Kursleiter Yoga zu praktizieren, ist der Workshop im Februar über Herzratenvariabilitäten im Yogaloft in Kirchheim.“ Das hat Yogalehrer Frank Wolff am 29. Dezember auf seiner Facebookseite mitgteilt.

Bereits am 21. Dezember schrieb er dort um genau 14.42 Uhr: „Heute scheint mal wieder ein ganz besonderer Tag zu sein, an dem sich einiges in meinem Leben verändern wird.“ Schön. Nur: Was hat das mit Aachen zu tun? Antwort: einiges.

Denn Frank Wolff ist nur im „Nebenberuf“ Yogaexperte. Eigentlich ist er Diplom-Kaufmann. Und er stammt auch nicht aus dem baden-württembergischen Kirchheim unter Teck. Sondern aus Eschweiler. In seiner Heimat wird er bald einen neuen Job antreten.

Wolff wird neuer Geschäftsführer der AWA Entsorgung GmbH. Also der Abfallwirtschaftsgesellschaft von Stadt Aachen, Städteregion und Kreis Düren, die auch zu 50 Prozent Gesellschafterin der Müllverbrennungsanlage Weisweiler ist und schon von daher eine wesentliche Rolle in Sachen Müllentsorgung in der Region spielt.

Fast seit der Gründung der AWA vor etwas mehr als 25 Jahren war Ulrich Koch, der in Kürze in den Ruhestand geht, der starke Mann am Firmensitz in Weisweiler. Das war eine höchst bewegte Zeit – und Koch, vormals unter anderem enger Vertrauter des damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes, wurde nicht von allen Politikern gemocht.

Mit dem Bau der MVA kamen viele heiße Diskussionen auf – vor allem im Hinblick auf die Kosten und damit auch auf die Müllgebühren. Zeitweilig gerieten AWA und MVA in den Strudel des Kölner Müllskandals. Eine Ermittlungs-„Task Force“ meinte auch in Weisweiler Hinweise für Korruption gefunden zu haben. Am Ende erwiesen sich alle Verdachtsmomente als heiße Luft.

Da wird Frank Wolff doch in ruhigeres Fahrwasser kommen, sollte man meinen. Doch als wäre es der Fluch des Themas Müll: Schon bei seiner Wahl im Aufsichtsrat – sie fand an besagtem 21. Dezember kurz vor Wolffs Eintrag bei Facebook statt – rumpelte es gewaltig. Und hätten sich am Ende des Tages nicht drei Aufsichtsratsmitglieder der Stimme enthalten, hätte es wohl vorerst mal gar keinen Geschäftsführer bei der AWA gegeben.

So stimmten für den Mann aus Eschweiler am Ende elf Aufsichtsratsmitglieder, neun sprachen sich gegen ihn aus. Enger geht es nicht mehr. Und selbst innerhalb der CDU, aus deren politischen Reihen er – Wolff war bis 2015 Geschäftsführer des CDU-Ortsverbandes Lohn in Eschweiler – kommt, gab es keine einhellige Zustimmung. Die beiden in einem vom Expertenbüro Mastiaux begleiteten Bewerbungsverfahren verbliebenen Konkurrenten von Wolff hätten indes ebenfalls keine Mehrheit erhalten.

Die Skepsis mag darin begründet sein, dass Frank Wolff bislang noch nie in seiner beruflichen Karriere etwas mit dem Thema Müll – eine höchst komplexe Materie mit einem enormen Konkurrenzkampf im Buhlen um „Futter“ für die Müllöfen – zu tun hatte. Aber irgendwie schließt sich mit ihm doch ein Kreis. Denn von 1996 bis 2014 war er bei RWE in Lohn und Brot – in verschiedenen Positionen.

Und RWE ist vom Start weg mit der MVA und damit indirekt der AWA verbandelt gewesen. Bis heute ist RWE für die Betriebsführung der MVA zuständig. Das wird sich zwar nach AZ-Informationen bald ändern und die MVA wird den Betrieb in die eigene Hand nehmen.

Aber RWE schließt gerade mit der Verbrennungsanlage einen lukrativen Vertrag über die Vermarktung des Dampfes aus der MVA ab und hatte in diesem Zusammengang die Stawag als Tochter der Stadt Aachen hinter sich gelassen. An diesen Verträgen wird Wolff wohl nicht mehr mitwirken können. Sie werden aller Voraussicht nach schon unterschrieben sein, wenn er seinen Posten antritt. Was im Frühjahr der Fall sein soll.

Überzeugungsarbeit gefragt

Frank Wolff war zuletzt kaufmännischer Leiter der Stadtwerke von Kirchheim unter Teck, das in etwa die Größe von Würselen hat. Wobei der Begriff Stadtwerke hier nicht vergleichbar mit der Stawag ist. In Kirchheim sind sie vor allem für die Wasserversorgung, nicht aber für Strom und Gas zuständig.

Eine von Wolffs Aufgaben bei der AWA wird am Anfang darin bestehen, jene Mitglieder in diesem Haifischbecken namens AWA-Aufsichtsrat, die ihm die Stimme verweigerten, durch seine Arbeit von sich zu überzeugen. Auf Anfrage wollte Frank Wolff sich am Dienstag zunächst nicht zu seinem neuen Job äußern. Der AWA-Aufsichtsrat hat Stillschweigen über die Wahl vereinbart...

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