Häusliche Gewalt: Helferinnen brauchen häufig Dolmetscher

Von: Nina Krüsmann
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Sie kümmern sich um die Opfer von häuslicher Gewalt: Sylvia Reinders, Renate Wallraff, Natalie Djurkovic und Pia Köhne (von links). Foto: Ralf Roeger

Städteregion. Die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ veröffentlichte jetzt die Statistik zu häuslicher Gewalt in Stadt und Städteregion Aachen für das Jahr 2014. Renate Wallraff, Leiterin der Fachstelle gegen häusliche Gewalt, erklärte die Zahlen und Entwicklungen.

Im Jahr 2014 erstellte die Polizei rund 890 Strafanzeigen mit Bezug zu häuslicher Gewalt – davon in der Stadt Aachen rund 430 und im ehemaligen Kreis Aachen rund 462. In rund 400 Fällen konnte die Polizei die Betroffenen an die jeweils zuständigen Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt vermitteln. In mehr als der Hälfte der durch die Polizei aufgenommenen Fälle häuslicher Gewalt kam es zu einer Wohnungsverweisung, nämlich in rund 590, welche sich gleichmäßig auf die Stadt Aachen und den Altkreis verteilen.

Für den Bereich der Stadt Aachen wird die Aufgabe der Interventionsstelle vom Verein „Frauen helfen Frauen“ wahrgenommen. Sylvia Reinders, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte der Aachener Polizei, erklärte, wie wichtig die Kooperation zwischen Polizei und Interventionsstellen ist: „Sie soll eine direkte Hilfestellung für von Gewalt betroffene Familien bieten. Kommt es im Rahmen häuslicher Gewalt zu einem polizeilichen Einsatz, erhalten die Betroffenen durch die Polizei Informationen über ihre weiteren Handlungsmöglichkeiten. Mit entsprechender Einwilligung vermitteln wir darüber hinaus die persönlichen Daten der Betroffenen direkt an die Interventionsstellen.“

Grundlage für diese Zusammenarbeit von Polizei und Interventionsstellen ist das in 2002 verabschiedete Gewaltschutzgesetz. Seitdem hat sich die Zahl der jährlich erfassten Fälle von häuslicher Gewalt in Nordrhein-Westfalen deutlich gesteigert. 2002 waren es noch 14.300 erfasste Strafanzeigen, 2014 schon 27.137. „Die Zusammenarbeit mit den Interventionsstellen ist wichtig, um die Situation der Familien dauerhaft zu verbessern und zukünftige Gewalt zu vermeiden. Die Kooperation soll noch weiter intensiviert werden“, betont Reinders.

Die kostenlose Beratung der Interventionsstellen ist ergebnisoffen und fällt unter die Schweigepflicht. In jedem Einzelfall wird überlegt, ob Eheberatung oder andere Maßnahmen wie Existenzsicherung, Mütter-Kind-Kur oder der Abbau von Schulden zur Entspannung in der Familie beitragen können oder eine Trennung oder weitere Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Mehrheitlich Frauen betroffen

„In der Mehrheit sind immer noch Frauen weitaus häufiger Opfer von häuslicher Gewalt“, wie Natalie Djurkovic, hauptamtliche Mitarbeiterin bei „Frauen helfen Frauen“, erklärt. Der Begriff der häuslichen Gewalt umfasse aber nicht nur die partnerschaftlichen Konstellationen, sondern auch die Gewalt von Kindern im Jugendalter gegenüber ihren Eltern und umgekehrt. Vor allem sei die Zahl der Jugendtäter auffallend gestiegen. Dabei sind Körperverletzung, schwere Körperverletzung und Bedrohung die häufigsten Delikte. Die statistische Auswertung des Jahres 2014 registrierte 173 Opfer bei der Interventionsstelle der Stadt Aachen und 193 Opfer bei der Interventionsstelle der Städteregion Aachen.

Augenfällig an der diesjährigen Statistik ist die hohe Anzahl an Frauen mit Migrationshintergrund, die sich trauen, die Polizei zu verständigen. Auch das zeigt deutlich, wie sehr das Angebot der Interventionsstelle gefruchtet hat. Auch die Inanspruchnahme von Dolmetscherinnen nimmt immer mehr an Wichtigkeit zu. Die Interventionsstelle der Stadt hat ein multilinguales Team, das ab Mai um eine russischsprachige Kollegin erweitert wird. Darüber hinaus kooperiert man mit Übersetzerinnen aus einem Dolmetscherpool, beispielsweise vom Pädagogischen Zentrum Aachen. Dies ist mit Kosten verbunden, für die kein Geld bereit steht, wie Renate Wallraff betont.

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