Große Chance für Integration von Flüchtlingen

Von: Michael Grobusch
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Migrantenselbstorganisationen haben aufgrund der starken Flüchtlingsbewegung enorm an Bedeutung gewonnen. Sie können Menschen, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, bei der Orientierung, Eingewöhnung und Integration helfen. Foto: Imago/Michael Schick
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Sieht in den Migrantenselbstorganisationen ein großes Potenzial: Fattaneh Afkhami. Foto: M. Grobusch

Städteregion. Belastbare Zahlen liegen bis dato nicht vor. Nach Schätzungen gibt es in der Städteregion rund 60 Migrantenselbstorganisationen (MSO). „Vielleicht sind es aber auch mehr“, sagt Fattaneh Afkhami. Sie ist stellvertretende Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KI) und als solche für den neuen Themenschwerpunkt verantwortlich, den das Zentrum für die kommenden zwei Jahre gewählt hat.

„Migrantenselbstorganisationen gibt es schon seit Jahrzehnten. Viele sind zur Zeit der sogenannten Gastarbeiter gegründet wurden“, weiß Afkhami. In den 1950er bis 1970er Jahren kamen, wie heute auch, sehr viele Einwanderer nach Deutschland – wenn auch unter völlig anderen Vorzeichen. Denn die meisten flüchteten nicht vor Armut und Krieg, sondern kamen aufgrund von Anwerbeabkommen.

Was die Menschen damals mit den Flüchtlingen von heute verbindet, das ist die Herausforderung, sich in einem ihnen weitgehend unbekannten Land zu integrieren. „Und bei diesem Prozess können die Migrantenselbstorganisationen große Hilfe leisten“, betont Fattaneh Afkhami.

Großer Erfahrungsschatz

Schließlich verfügen die dort engagierten Menschen über einen großen Erfahrungsschatz: Sie kennen sowohl die gesellschaftlichen und politischen Strukturen der Herkunftsstaaten als auch diejenigen in Deutschland, verfügen in der Regel über Kontakte zu kommunalen Verwaltungen und örtlichen Organisationen und bieten damit beste Voraussetzungen als Integrationshelfer. „Sprachen, Traditionen und Kulturen stellen für sie keine Barriere dar“, fasst die stellvertretende Zentrumsleiterin zusammen.

Afkhami hatte schon bei der Entwicklung des letzten Schwerpunktes „Älter werden“ festgestellt, welch wichtige Aufgabe den Organisationen zukommt. „Doch wieviele und welche es wo gibt, das findet man bisher nirgendwo.“ Deshalb steht die Sichtung zunächst an erster Stelle des neuen Projektes. Mit Hilfe einer studentischen Hilfskraft wurde intensiv recherchiert. Dabei kam man auf die anfangs erwähnten 60 Anlaufstellen. „Erfasst haben wir freiwillige Zusammenschlüsse, Initiativen und Vereine von Menschen mit Migrationsgeschichte.“ Außen vor blieben „klassische“ Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen. Die meisten MSOs wurden von türkischen Migranten und Spätaussiedlern gegründet. Doch auch viele andere Herkunftsländer und Ethnien sind vertreten.

Am Anfang stand fast immer das Bedürfnis sich zu treffen, über Probleme und Erfahrungen zu reden und sich auszutauschen. Aus diesem gemeinsamen Interesse entwickelten sich dann Organisationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, beispielsweise in Kultur und Freizeit, Sprache und Bildung, im Sport oder in der Religion. Einen Dachverband aber haben die wenigsten. „Das erschwert nicht nur die Suche, sondern auch die inhaltliche Zuordnung“, musste Fattaneh Afkhami feststellen.

Das Kommunale Integrationszentrum hat deshalb einen umfangreichen Fragebogen entwickelt, den Migrantenselbstorganisationen ausfüllen und an die Städteregion senden können. Aufgrund einer Vielzahl von (einheitlichen) Kriterien soll ein Profil erstellt werden. „Viele Organisationen wissen nicht, wie sie sich darstellen können. Deshalb mangelt es auch an Transparenz“, erklärt die stellvertretende KI-Leiterin. Die Profile, die sich aus der Befragung ergeben, sollen in diesem Sinne als Hilfe dienen und außerdem auf der neuen Homepage der Städteregion veröffentlicht werden. Sie wird voraussichtlich Anfang 2017 freigeschaltet.

Neue Veranstaltungsreihe

Dies soll zugleich ein erster Schritt hin zu einer besseren Vernetzung sein. Am Ende des Prozesses steht dann, so ist zumindest die Vision, eine „Servicestelle“, die den MSOs als Anlaufstelle und als Plattform dient. „Wir als Kommunales Integrationszentrum können nur die Grundlagen erarbeiten“, unterstreicht Afkhami. Danach müsse sich das geschaffene System selbst – bzw. möglicherweise mit Hilfe der Wohlfahrtsverbände – tragen.Es gibt also viel zu tun. „Aber es gibt auch viele Chancen, die die Migrantenselbstorganisationen und deren Vernetzung bieten“, ist Afkhami überzeugt.

Um Vertreter unterschiedlicher MSOs zusammenzubringen, hat das Kommunale Integrationszentrum eine Veranstaltungsreihe gestartet. Immer in einer anderen Stadt oder Gemeinde der Städteregion und zu einem anderen Tagesthema sind Interessierte eingeladen. Der Anfang wurde in Stolberg gemacht, wo es um die Beantragung von Fördermitteln für MSOs ging. Das zweite Treffen fand in Baesweiler statt, das Thema lautete „Erfolgreich miteinander reden“. Fortgesetzt wird die Serie am Mittwoch, 30. November, wenn es im Eschweiler Rathaus von 16 bis 18 Uhr um Zusammenarbeit und Netzwerke geht. Und damit um einen der Kernpunkte des Projektes.

Zu diesen zählt im Übrigen auch, neue Mitarbeiter für Migrantenselbstorganisationen zu finden. „Viele MSOs haben ein Nachwuchsproblem“, weiß Fattaneh Afkhami. Sie hofft darauf, dass sich durch die Schwerpunktarbeit des KIs junge Zuwanderer finden werden, die schon etwas länger in Deutschland leben und nun Menschen helfen möchten, die sich in ihrer neuen Heimat noch zurechtfinden und integrieren müssen.

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