„Gib mir ein A”: Jugendliche musizieren mit Orcherstermusikern

Von: Elisa Zander
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Noch in den Proben, aber schon bald auf der großen Bühne: Im Jugendprojekt „Gib mir ein A” spielen Jugendliche gemeinsam mit erfahrenen Musikern anspruchsvolle Orchesterpartituren. Dirigent Jeremy Hulin holt dabei das Beste aus allen Musikern heraus. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. „Versucht es mal mit einem A”, fordert Jeremy Hulin die Musiker auf. Der Dirigent hebt den Taktstock an, zählt lautlos ein. Die Hörner spielen ein A und gehen dann zu der Stelle der Partitur von Danzón Nr. 2 von Arturo Márquez über, an der der Durchlauf gerade unterbrochen worden war.

Jeremy Hulin nickt. „Ich kann Feinheiten ausarbeiten und muss mich nicht auf die Basis konzentrieren”, erklärt er zufrieden.

Es ist ein Kompliment des Dirigenten, der unter anderem zwölf Jahre am Theater Aachen arbeitete, an diejenigen, die das Orchester zu etwas Besonderem machen: 40 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 20 Jahren konzertieren gemeinsam mit dem ebenfalls 40 Musiker starken Orchester Sinfonietta Regio, bei dem die Altersspanne über 80 Jahre hinausreicht.

„Gib mir ein A” heißt das Projekt, das in der Städteregion in dieser Form bislang einzigartig ist und für das Städteregionsrat Helmut Etschenberg die Schirmherrschaft übernommen hat. Der Landesmusikrat fördert das Projekt, an dem Musiker aus Aachen, Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Heinsberg und Geilenkirchen teilnehmen.

Notorisch unterfordert

„Die Grundpfeiler bei den Jugendlichen sind schon da”, erklärt Jeremy Hulin. „So konnte ich von der ersten Probe an Musik machen.” Alle jungen Talente spielen in verschiedenen Formationen, viele in Schulorchestern. „Aber dort sind einige notorisch unterfordert”, weiß Günter Mänz, Vorsitzender des Vereins Sinfonietta Regio und Lehrer am Gymnasium Baesweiler, wo er das Schulorchester leitet. Diesen aufstrebenden Jungtalenten ein Forum bieten, ihnen die Möglichkeit geben, Partituren zu spielen, die es in der Schule nicht auf die Notenständer schaffen - das sind zwei der Ziele, die mit dem Projekt erreicht werden sollen.

Hannah Nebeling ist eine derjenigen, die die Herausforderung, mit einem routinierten Sinfonieorchester ein anspruchsvolles Konzert vorzubereiten und auf der Bühne zu erleben, gerne angenommen hat. Seit zwölf Jahren spielt die heute 16-Jährige leidenschaftlich gerne Geige. Die Begeisterung dafür hat sie von ihrer Mutter übernommen, die selbst im Orchester Sinfonietta Regio spielt. Hannah Nebeling schätzt die Arbeitsatmosphäre und Konzentration bei den „Großen”: „Hier habe ich in kurzer Zeit so viel gelernt und erreicht, das hätte ich mit meinem Schulorchester in Geilenkirchen nicht geschafft”, erzählt sie. Und darum hat sie schon jetzt entschieden, weiter bei dem Orchester mitzuspielen.

Es ist eine „Win-Win-Situation”, findet Vorstandsmitglied Wilhelm Merschen. Auch er sitzt in den Musikerreihen und hat die Zusammenführung von Jungen und Älteren als „völlig problemlos” empfunden. „Viele Erwachsene sind froh, an diesem Projekt teilzunehmen. Und die Stücke, die wir ausgewählt haben, sind teilweise auch für sie neu und aufregend.” Er spricht etwa von der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg, vom Tanz der Rohrflöten von Peter Tschaikowski oder eben von Danzón Nr. 2 von Arturo Márquez.

Das letztgenannte Stück steht an diesem Probensamstag im Mittelpunkt. Jeremy Hulin unterbricht immer wieder und erklärt den Jugendlichen, worauf sie hören müssen, um den richtigen Einsatzpunkt zu treffen. „Und jetzt unterbreche ich nicht mehr”, verspricht er dann, um das Gesamtwerk zu spielen. Dieser Vorsatz hält ganze fünf Sekunden. Jeremy Hulin setzt neu an, die Musiker setzen ihre Lippen an die Instrumente, halten die Geige im Anschlag. Und dann spielen sie ohne Unterbrechung und verwandeln den kleinen Proberaum in einen Orchestersaal. Jeremy Hulin sieht die Musiker an und nach etwa zwei Minuten entspannen sich seine Gesichtszüge und ein Lachen macht sich breit. Die Arbeit macht ihm sichtlich Spaß, das Ergebnis sowieso. Diese Freude überträgt sich auf die Musiker und somit auf das Hörerlebnis.

Die große Begeisterung lässt die Verantwortlichen über ein Nachfolgeprojekt nachdenken. „Aber so etwas kann man nicht jedes Jahr machen”, erklärt Günter Mänz. In zwei bis drei Jahren soll es aber wieder soweit sein. „Dadurch kommt auch ein Generationenwechsel in unserer Formation zustande”, beschreibt Wilhelm Merschen einen erfreulichen Nebeneffekt. Doch vorerst konzentrieren sich alle auf die Konzerte in diesem Jahr.

Die Abschlusskonzerte des musikalischen Jugendprojektes „Gib mir ein A” in der Städteregion finden am Samstag, 5. Februar, im Gymnasium Herzogenrath und am Samstag, 12. Februar, in der Mehrzweckhalle Baesweiler statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Karten sind zum Preis von zehn Euro (Jugendliche fünf Euro) bei den Vorverkaufsstellen der Städte Herzogenrath und Baesweiler erhältlich.

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