Städteregion - „Generation Jugend“: Ein Sprachrohr gegen alle alten Vorurteile

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„Generation Jugend“: Ein Sprachrohr gegen alle alten Vorurteile

Von: Daniel Gerhards
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Was brauchen Jugendliche, um sich zu engagieren? Darüber sprachen Denise Trautmann (l.) und Florian Weyand (r.) mit Patrick Nowicki, Redakteur unserer Zeitung. Foto: Daniel Gerhards

Städteregion. Dass die „Jugend von heute“ nichts taugt, haben schon Generationen von Erwachsenen behauptet. Jedes Mal war es ein haltloses Vorurteil. „Abhänger“, „Chiller“, „Null-Bock-Generation“ – so werden junge Leute häufig bezeichnet. Alles Quatsch, meint Olaf Tümmeler, Abteilungsleiter Kinder- und Jugendförderung der Stadt Eschweiler. „Jugendliche kommen in der öffentlichen Wahrnehmung schlecht weg.

 Sie werden schnell in Zusammenhang mit Vandalismus und Kriminalität gebracht“, sagt Tümmeler. Um zu zeigen, dass die Jugend doch besser ist als ihr Ruf, haben sich die Jugendämter in der Städteregion, des Kreises und der Stadt Düren, des Kreises Heinsberg, der Städte Erkelenz und Hückelhoven zusammengeschlossen. Im Projekt „Generation Jugend - Ich bin. Ich kann. Ich brauche!“ haben die Jugendlichen in vielen einzelnen Projekten gezeigt, was sie auf dem Kasten haben und dass sie sich einbringen wollen. Unterstützt wurden sie dabei von der örtlichen mobilen Jugendarbeit.

In Roetgen haben Jugendliche einen Tunnel an der B 258 mit legalen Graffitis verschönert, in Simmerath legten Jugendliche bei der Sanierung von Toilettenanlagen an der alten Volksschule Hand an, in Eschweiler brachten sich viele junge Leute beim Umgestalten der Skateranlage an der Indestraße ein. Bei letzterer Aktion hat die „Nutzergruppe den Prozess von Anfang an begleitet“, berichtet Tümmeler.

Die jungen Skater haben einige Mängel festgestellt, sie mit Hilfe der mobilen Jugendarbeiter bei der Verwaltung vorgetragen und ihre Ideen bei der Planung eingebracht. „Es gab eine Facebook-Gruppe mit über 200 Mitgliedern. Darin haben die Jugendlichen Ideen formuliert.“ Am Ende entschied man sich für drei neue Skate-Elemente auf dem Platz. „Das war sehr positiv. Die Jugendlichen wurden wahrgenommen, man hat ihre Ideen ernst genommen und dann auch umgesetzt.“ Und das sei genau das, was man erreichen wolle: „Die Projekte sollen zeigen, dass Jugendliche sich einbringen - und sich auch für andere Jugendliche einsetzen wollen“, sagt Tümmeler.

Bei der Abschlussveranstaltung des Projekts im Jugendtreff „Check In“ in Eschweiler sagen Denise Trautmann und Florian Weyand, dass es viele Jugendliche gebe, die bereit seien sich einzubringen. Aber es hapere häufig an Informationen und Zeit.

Beide machen ein freiwilliges politisches Jahr im Bildungsbüro der Städteregion und haben gerade ihr Abitur geschafft. „Wegen des wachsenden schulischen Drucks ist es schwierig, sich auch außerhalb der Schule zu engagieren“, sagt Trautmann. Ihrer Meinung nach müsse man den Zeitmangel in den Schulen entschärfen und Freiräume für ehrenamtliches Engagement schaffen.

1000 Schüler befragt

In Sachen Informationen sieht Weyand auch die Schülervertretungen (SV) in der Pflicht. „Wenn es in der SV gut läuft, dann fließen die Informationen auch“, sagt er. Damit Beteiligung von jungen Menschen funktioniert, müsse man sie nach Themen fragen, intensiv einbinden, ihnen ein klares Ziel geben und sie bei der Umsetzung finanziell und personell unterstützen, sagt Weyand. „Man muss mit Nachdruck in die Projekte gehen, sonst scheitern sie.“

Eine Studie von Professor Claudia Mayer von der Fachhochschule Aachen unterstreicht diese Aussage. Mayer hat mit ihren Studenten mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler in der Städteregion zur Jugendbeteiligung befragt. Die Ergebnisse: Jugendliche sind bereit sich einzubringen, glauben, dass sie etwas verändern können, wollen dabei ernst genommen werden. Junge Leute wollen sich für Sport, Tierschutz, Freizeit und Soziales einbringen. „Das sieht anders aus, als man sich das am grünen Tisch im Jugendamt vorstellt“, sagt Mayer. Und die Beteiligungsformen sollen - für viele überraschend - in der Schule angeboten werden. „Die Schule ist die Hauptplattform für Beteiligung. Sie ist der Ausgangspunkt“, sagt Mayer. Wichtig sei auch, dass man mit außerschulischen Projektleitern zusammenarbeite. Das entlaste die Schulen und sorge dafür, dass die Schüler losgelöst vom Druck der Notengebung arbeiten können. Mayer entwickelt nun mit fünf Modellkommunen - Alsdorf, Eschweiler, Baesweiler, Herzogenrath und Stolberg –- konkrete, umsetzbare Konzepte für lokale Jugendbeteiligungsformate.

Anfang des kommenden Jahres wird Mayer zudem alle 11.000 Schulabgänger in der Städteregion befragen. Die Ergebnisse sollen die weitere Arbeit unterstützen.

All das passt zu den Erkenntnissen, die Tümmeler und die mobilen Jugendarbeiter im Projekt „Generation Jugend“ gewonnen haben. Für sie ist wichtig, dass diese Arbeit auch städteübergreifend funktioniert. Denn die Wahrnehmungsprobleme seien in allen Städten gleich. Tümmeler: „Die Jugend braucht ein Sprachrohr. Wir können das sein.“

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