Gegen Fachkräftemangel: Auszubildende mit Defiziten

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
Ausbildungpakt: Unternehmer, V
Ausbildungpakt: Unternehmer, Vertreter des VabW und des Sozialwerks Aachener Christen sowie Gregor Jansen (2.v.l.), Bildungsdezernent der Städteregion und Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders (6.v.r.) wollen mit dem Projekt „AnHAnd” jungen Leuten eine Perspektive geben. Foto: Holger Bubel

Alsdorf/Aachen. Rolf Steffen kam mit Verspätung. Doch als hätte er eine Ahnung gehabt, was seine Vorredner dem Auditorium im Ratssaal der Stadt Alsdorf vermittelt hatten, eröffnete der Unternehmer und Vorstand der Team Steffen AG seinen Beitrag mit markigen Worten: „Ich will nicht, dass die Bemühungen mit anderem Namen in alte Muster verfallen.”

Gemeint ist das neue Ausbildungsnetzwerk „AnHAnd”, das jetzt an den Start gegangen ist - das zuvor jedoch allzu theoretisch und bürokratisch präsentiert wurde. Doch das soll es eben nicht sein, machte Rolf Steffen deutlich. Der Mann weiß, was er will - er kommt aus der Praxis.

Das Projekt „AnHand”, das sich zum Ziel gesetzt hat, kleinen und mittelständischen Betrieben ein umfangreiches Unterstützungs- und Vernetzungsangebot zur Ausbildung von Jugendlichen zu bieten, wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), der Städteregion Aachen und dem Jobcenter Städteregion. Bundesweit starteten im April 18 solcher Initiativen. In der Region wird das Projekt durch den Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) mit Sitz in Alsdorf umgesetzt, das Sozialwerk Aachener Christen ist Kooperationspartner.

Die eigentlichen Initiatoren sind aber eben Rolf Steffen, der Alsdorfer Bürgermeister Alfred Sonders sowie Gregor Jansen, für den Bereich Bildung zuständiger Dezernent der Städteregion. Bei einem „Sechs-Augen-Gespräch” hatten die drei die Situation ausbildungswilliger Betriebe „ganz nebenbei” erörtert.

Und besonders Rolf Steffen war es, der aus Unternehmersicht auf den Punkt brachte, wo der Schuh drückt: „Auf der einen Seite herrscht bereits jetzt in den Betrieben akuter Fachkräftemangel, auf der anderen Seite haben wir es aber mit Jugendlichen zu tun, denen es an Ausbildungsreife und vernünftigem Sozialverhalten mangelt.”

Steffen wird noch deutlicher und bleibt auch bei Nachfrage bei seinem Standpunkt: „Besonders bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vereinen sich genau diese beiden Defizite.” Es gab keinen Widerspruch im Fest-Auditorium. Ein weiteres Problem sieht der Unternehmer in der Schulmüdigkeit mancher Jugendlichen: „Die schaffen den Sprung in die Ausbildung oft nicht, können aber in vielen anderen Bereichen eine Menge leisten.”

Besonders im Handwerk sieht er Laufbahnperspektiven: „Wegen der Vielfalt, der regionalen Präsenz und der Möglichkeit des individuellen, situativen Reagierens in den Gewerken.” Die Hürde niederschwellig zu gestalten, leistungswillige, praktisch orientierte Jugendliche sowie Betriebe zusammenzuführen, darin sieht Steffen die eigentliche Aufgabe des Netzwerkes. Beratung, Coachings, Seminare, Bereitstellung und Vermittlung eines komplexen Fördernetzes sowie der Austausch der Betriebe untereinander sollen die Werkzeuge sein, mit denen die Unternehmen fit gemacht werden, für den „richtigen” Umgang auch mit problematischen Jugendlichen, „die aber auch sehr viel Positives mitbringen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert