Geflügelpest: Für eine Entwarnung ist es noch zu früh

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
14055069.jpg
In der Städteregion ist die Stallpflicht für Geflügel aufgehoben worden. In vielen anderen Regionen Deutschlands hingegen gilt sie als Vorsichtsmaßnahme weiterhin. Foto: Imago/blickwinkel
14054841.jpg
Mahnt weiter zur Vorsicht: Dr. Peter Heyde, Leiter des städteregionalen Veterinäramtes. Foto: Städteregion

Städteregion. Dr. Peter Heyde hat den Menschen immer im Blick. Das mag zunächst einmal erstaunen, schließlich ist der Mann Tierarzt und seit 19 Jahren Leiter des städteregionalen Amtes für Tierschutz und Veterinärwesen. Damit fällt auch das Thema Tierseuchen in seinen Zuständigkeitsbereich.

Vor knapp zwei Wochen erst konnte er aufgrund einer neuen Risikobewertung des Landes verkünden, dass die wegen der europaweit grassierenden Geflügelpest verhängte Stallpflicht in der Städteregion aufgehoben wird. Von einer Entwarnung möchte Heyde deshalb aber nicht sprechen.

„Am Ende der Kette steht immer der Mensch“, gibt er zu bedenken und mahnt deshalb zu großer Vorsicht. Das gilt in diesem Fall ebenso wie mit Blick auf andere Epidemien, die sich in Europa auszubreiten drohen und damit zukünftig auch die Städteregion (be-)treffen könnten.

„Das Virus verändert sich derzeit in einem rasanten Tempo“, beobachtet der Veterinär die aktuelle Entwicklung bei der Geflügelpest durchaus mit Sorge. „Die Sache ist noch nicht ausgestanden“, fürchtet er. Denn neben dem zunächst bekannten Influenza-A-Virus H5N8 ist mittlerweile auch der Typ H5N5 in Deutschland festgestellt worden. Eine weitere Veränderung sei nicht auszuschließen – ebenso wie im schlimmsten Fall die Übertragung der Krankheit auf den Menschen.

Peter Heyde will keine Panik schüren, sondern nur auf mögliche Risiken und erforderliche Vorsichtsmaßnahmen hinweisen. Deshalb sieht er auch weiterhin die Notwendigkeit, „dass alle Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Zusammentreffen von Tier- und Humanviren zu vermeiden“. Die Trennung von Wildvögeln und Geflügelzucht sei in diesem Kontext ein ganz wichtiger Punkt. Deshalb gelte in vielen Regionen in Deutschland auch weiterhin eine Stallpflicht. Die Städteregion wurde nur deshalb ausgenommen, weil sie den vom Land neu festgelegten Geflügeldichte-Richtwert von 300 Stück pro Quadratkilometer unterschreitet.

Dass Tierseuchen durchaus in den Griff zu bekommen sind, sieht der Veterinär am Beispiel des sogenannten Rinderwahns belegt. „Damals herrschte Panik an allen Fronten“, erinnert sich Heyde daran, dass BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie), so die Fachbezeichnung, 2000 und in den Folgejahren nicht nur als akute Gefahr für Rinder, sondern auch für den Menschen gesehen wurde, weil es vermutlich die sehr seltene Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung auslösen kann. Doch die Zeiten haben sich geändert – zum Guten: „Im vergangenen Jahr hatten wir noch zwei Fälle von BSE in ganz Europa“, stellt Heyde zufrieden fest. Das zeige, dass man Krankheiten nicht hilflos ausgesetzt sei, sondern sie mit medizinischen Mitteln durchaus eindämmen könne. Besser sei allerdings, es erst gar nicht zu einer Ausbreitung kommen zu lassen. Effektive Prävention sei deshalb entscheidend.

Anders als bei der Geflügelpest gibt es für eine andere sich derzeit ausbreitende Seuche einen Impfstoff: Die „Lumpy-Skin-Krankheit“, wegen ihrer äußeren Erscheinungsform auch „Knötchenkrankheit“ genannt, nähert sich. „Sie kommt vom Balkan und ist durch Mücken vor allem auf Rinder übertragbar“, erklärt Peter Heyde. Warme Winter, in denen die Mücken überleben können, hätten zu einer starken Erhöhung des Ausbreitungstempo geführt. Derzeit sei Deutschland aber noch nicht als gefährdet eingestuft, weshalb hierzulande auch noch kein Impfstoff verfügbar ist.

„Diesmal sind wir vorbereitet“

Auf dem Vormarsch ist zudem die Blauzungenkrankheit, die in der Städteregion 2006 erstmals aufgetreten war. „Durch konsequentes Impfen haben wir die Krankheit bis 2009 zurückdrängen können“, erinnert sich Heyde. Seitdem herrscht Ruhe. Einen erneuten massiven Ausbruch hält der Veterinär für ausgeschlossen. „Wir kennen die Krankheit jetzt. Diesmal sind wir vorbereitet und haben im Bedarfsfall einen Impfstoff.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert