Geduld brauchen Mütter vor und auch nach der Geburt

Von: ath
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Stolberg. Das Spektrum der Fragen, mit denen sich werdende Mütter im Rahmen unserer Telefonaktion „Leser fragen – Ärzte antworten“ an die beiden Hebammen der Klinik für Geburtshilfe am Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg, Manuela Osman und Bettina Cremer-Hine, gewandt haben, war breit gefächert.

Eine Schwangere erkundigte sich, welche Möglichkeiten es bei einer Beckenendlage, also wenn das Baby mit dem Po nach vorne liegt, gibt. In vielen Fällen werde das Kind dann per Kaiserschnitt entbunden, erläuterten die beiden Hebammen, doch es gebe auch die Möglichkeit einer spontanen Entbindung. So sei es möglich, das Baby vor der Geburt von außen zu drehen („äußere Wendung“). Das brauche aber eine entsprechende Vorbereitung und Planung mit einem darin geübten Arzt.

Eine andere Anruferin wollte wissen, wie genau der Ablauf bei einem Kaiserschnitt ist, ob der werdende Vater dabeibleiben und ob auch im OP schon mit dem Baby gekuschelt werden dürfe. „Wenn es kein Notfall ist, darf der Vater immer dabeibleiben“, erklärte Bettina Cremer-Hine.

„Er sitzt oben am Kopf seiner Partnerin, so dass er keine Sicht auf das OP-Feld hat, aber sie in dieser Situation unterstützen kann. Meist wird ein Kaiserschnitt in Teilnarkose gemacht, damit beide Eltern den ersten Schrei ihres Babys mitbekommen und es sofort sehen können. Und es darf auch gekuschelt werden.“ Das Kuscheln oder Bonding, wie es im Englischen heißt, sei wichtig für die junge Familie, um einander kennenzulernen, und werde, sofern alles normal verlaufe, auch aktiv gefördert. Dazu gibt es laut Cremer-Hine besondere Wärmedecken, die der Frau auf die Brust gelegt werden, damit das Baby Körperkontakt spürt, aber nicht auskühlt.

Eine Schwangere interessierte sich besonders für die Möglichkeit einer Wassergeburt und wollte wissen, ob sie dann die ganze Zeit in der Wanne bleiben müsse. Ein Wechsel sei jederzeit während der Geburt möglich, solange es Mutter und Kind gut gehe, erfuhr sie. Sei eine Wassergeburt geplant, würden die Mütter jedoch gebeten, im Vorfeld einen HIV-Test machen zu lassen, zur Absicherung des Personals im Kreißsaal, da bei einer Wassergeburt immer auch Fruchtwasser und Blut ins Wasser gelangten, erklären Manuela Osman und Bettina Cremer-Hine.

Wann und wie eine Geburt über einen Wehentropf oder ein anderes Verfahren eingeleitet werden könne, fragte eine weitere Anruferin. Eine Frage, mit der die beiden Hebammen in ihrem Alltag immer öfter konfrontiert werden. Gegen Ende der Schwangerschaft und gerade auch bei sommerlichen Temperaturen seien viele Frauen erschöpft und wünschten sich nichts sehnlicher, als dass das Baby endlich kommt. Das sei verständlich, aber die Natur habe sich etwas dabei gedacht, das Baby den Zeitpunkt, wann es auf die Welt kommen will, selbst bestimmen zu lassen.

„Ein vorzeitiges Einleiten der Wehen versucht man zu vermeiden, es sei denn, es gibt eine medizinische Notwendigkeit dafür, zum Beispiel, wenn es dem Kind nicht gut geht oder die Mutter eine Diabetes hat“, sagt Bettina Cremer-Hine. Ansonsten sei Geduld gefragt, etwas, was junge Mütter ja auch nach der Geburt reichlich bräuchten, wie sie feststellt.

Immer stärker nachgefragt sind, so die beiden Hebammen, die Familienzimmer, in denen der Vater bei Mutter und Kind bleiben kann. Sie helfen in den ersten Tagen beim Beziehungsaufbau und bieten sich an, wenn die Mutter nach der Geburt noch nicht wieder ganz so mobil ist. Da kann dann der Papa mithelfen. Zeit für sich und Ruhe, um dieses besondere und intime Ereignis gemeinsam erleben zu können, sei ganz wichtig.

Weshalb es Manuela Osman und ihrer Kollegin auch ein Anliegen ist, dass die Besuchsregelungen im Kreißsaal und auf der Wöchnerinnenstation eingehalten werden. Jede Frau dürfe zwei Begleitpersonen bei der Entbindung dabei haben. Mehr oder ein ständiger Wechsel seien weder für Mutter und Baby noch für das Team im Kreißsaal hilfreich. Ebenso wenig, wie alles sofort über die sozialen Medien mit Familie und Freunden zu teilen, oder wenn sich nach der Geburt der Besuch die Klinke in die Hand gibt.

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