Gedächtnisstörungen dürfen kein Tabuthema sein

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Dr. Andreas Theilig, Vorsitzen
Dr. Andreas Theilig, Vorsitzender der Alzheimergesellschaft.

Städteregion. Aus Anlass des Welt-Alzheimertages hat der Vorsitzende der Alzheimergesellschaft der Städteregion Aachen, Dr. med. Andreas Theilig, daran erinnert, dass längst nicht jeder der etwa 8000 Demenzerkrankten in der Region von den bestehenden Hilfsangeboten erreicht werde.

Theilig: „In der Städteregion Aachen gibt es erfreulicherweise bereits ein weit entwickeltes Angebot an Unterstützungsangeboten. Stadt Aachen und die Städteregion ziehen in dieser Hinsicht erfreulicherweise an einem Strang, und auch in vielen anderen Städten und Gemeinden der Region gibt es inzwischen sehr engagierte Ansätze.”

So trifft sich zum Beispiel in Stolberg seit einigen Jahren ein Kreis von interessierten Fachleuten verschiedener Institutionen unter der Schirmherrschaft des lokalen Seniorenbeauftragten an einem runden Tisch, um kreative Lösungen für die Versorgung von Demenzerkrankten zu erarbeiten. An einigen Stellen der Städteregion, etwa in Aachen, Würselen, Herzogenrath, Eschweiler/Stolberg, gibt es bereits aktive Selbsthilfegruppen, in denen Angehörige von Demenzerkrankten Unterstützung finden.

Dennoch bleiben, nach neueren Untersuchungen, etwa ein Drittel der dringend hilfebedürftigen Betroffenen und deren Familien unversorgt. „Die Gründe hierfür sind leider vielfältig”, so Theilig, „zunächst einmal sind viele Angehörigen mit den Strukturen und Formalitäten des Systems überfordert. Die Belastungen der Versorgung von Betroffenen sind so groß, dass gegebenenfalls nicht einmal der Freiraum bleibt, zum Beispiel den dringend notwendigen Besuch beim Hausarzt oder bei einer Beratungsstelle einzuplanen. Unterbleibt aber das Einholen wichtiger Informationen zu Krankheit und Unterstützungsmöglichkeiten, so werden auch potenzielle Entlastungsangebote nicht wahrgenommen. Letztlich steigt dadurch die Belastung der versorgenden Angehörigen immer weiter, bis oftmals eine Krankenhaus- oder Heimeinweisung erfolgt.”

Andere Gründe für die Nichtinanspruchnahme von Hilfe ist zum Beispiel das Schamgefühl, sich mit dem Betroffenen in der Öffentlichkeit zu bewegen oder sogar den Haus- oder Facharzt aufzusuchen. Gelingt der Besuch beim Arzt und eine Diagnose wird gestellt, so gilt es, aus der Vielfalt der bestehenden Versorgungsangebote das Passende herauszufinden. Theilig: „Kommt es zum Beispiel beim ersten Besuch einer Tagespflegeeinrichtung zu Unklarheiten in der Finanzierung, so wird der Besuch nicht selten umgehend wieder eingestellt und die Schwierigkeiten beginnen von vorne.”

„Angehörige sollten sich im ersten Schritt einmal trauen, das Thema mit den Betroffenen und dem Hausarzt zu thematisieren. Viele Angehörige scheuen sich, das Thema Gedächtnisstörungen mit den Betroffenen anzusprechen, in der Praxis zeigt sich aber, dass die Erkrankten darauf in der Regel eher erleichtert reagieren”, so Theilig. Gemeinsam sollten dann der Haus- oder Facharzt aufgesucht und die Hilfe einer Fachberatungsstelle oder eines Pflegestützpunktes in Anspruch genommen werden. Hier kann ein passendes Versorgungskonzept erstellt werden.

Die Alzheimergesellschaft in der Region unterstützt die Einrichtung von Angehörigengruppen durch fachliche und organisatorische Hilfen. Als bürgerschaftliche Initiative hat sich darüber hinaus vor einigen Monaten der gemeinnützige Verein DemenzNetz Städteregion Aachen e.V. gegründet, welcher konkrete Familienhilfe in schwierigen Versorgungsfällen anbietet.

Weitere Informationen zum Thema bei den regionalen Pflegestützpunkten, im Servicebüro des DemenzNetz Aachen, Löhergraben 2, Aachen, Telefon 0241/5100-2121, und bei der Alzheimergesellschaft Städteregion Aachen, Alexianergraben 33, Aachen
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