Städteregion - Gebündelte Hilfe für Jugendliche in Not ein Erfolgsmodell

Gebündelte Hilfe für Jugendliche in Not ein Erfolgsmodell

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Die Projektpartner der Jugendberufsagentur wollen jungen Menschen mit Problemen helfen, einen Schulabschluss zu machen und eine Ausbildungsstelle zu finden. Foto: Stock/Martinax Hengesbach

Städteregion. Der erste Geburtstag wurde im schlichten Rahmen begangen. Im Mediensaal des Städteregionshauses trafen sich Vertreter des Jobcenters, der Agentur für Arbeit und der Jugendämter, um die ersten zwölf Monate seit Bestehen der Jugendberufsagentur Revue passieren zu lassen und zu bewerten. Mit dabei war auch Dr. Sascha Derichs, der das städteregionale Bildungsbüro leitet und das Projekt koordiniert.

Die Stimmung war gut, das Fazit fiel durchaus positiv aus. Auch wenn die Beteiligten erst am Anfang dessen stehen, was sie in der gesamten Städteregion etablieren möchten.

„Wir wollten einen anderen Weg gehen, etwas Neues ausprobieren“, beschreibt Peter Spiertz, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, im Rückblick die Ausgangslage. Mit „wir“ meint er die sogenannten Rechtskreisträger, die jeder für sich um Jugendliche bemüht sind, die Probleme im schulischen und/oder privaten Umfeld haben und deshalb Gefahr laufen, ohne Abschluss und Ausbildung ihr weiteres Leben bestreiten zu müssen.

Zuständig sind in solchen Fällen zum einen die Jugendämter auf der rechtlichen Basis des achten Sozialgesetzbuches. Zum anderen bieten – je nach persönlicher Situation – das Jobcenter (Sozialgesetzbuch II) oder die Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuch III) Hilfe und Leistungen an – allerdings bisher jeder für sich und ohne eine strukturierte Absprache mit den anderen Stellen.

Ausgangslage oft schwierig

Genau hier setzt die Idee der Jugendberufsagentur an. „Es handelt sich nicht um eine neue Behörde“, räumt Brigitta Brinker ein, dass der Name falsch verstanden werden kann. „Wir wollen vielmehr unsere Arbeit aufeinander abstimmen und Jugendliche in enger Absprache gemeinsam betreuen“, erklärt die Bereichsleiterin des städteregionalen Jobcenters.

Der Skepsis einiger Kollegen zum Trotz starteten die neuen Partner ein erstes Pilotprojekt am Berufskolleg Alsdorf. Und es sollte sich, so berichtet Sascha Derichs, schnell zeigen, dass diese neue Form der Kooperation für alle einen Gewinn darstellen kann. „Natürlich ist es uns nicht gelungen, jedes Problem der Betroffenen zu lösen. Aber in vielen Fällen haben wir es geschafft, den jungen Menschen eine konkrete Perspektive für ihren weiteren Werdegang aufzuzeigen.“

Dabei war und ist die Ausgangslage vielfach schwierig. Ein zerrüttetes Zuhause, Schulden, Drogenprobleme und sogar Prostitution gehören offenbar weitaus häufiger zum Leben von jungen Menschen, als Außenstehende das vermuten. Der erste Kontakt zu den Betroffenen wird über die Schulsozialarbeiter hergestellt.

In einem zweiten Schritt gibt es dann eine sogenannte Fallkonferenz, bei der sich Schule, Jobcenter, Bundesagentur, das Jugendamt und der Jugendliche treffen, um die Situation zu besprechen und Auswege aus der Krisensituation zu suchen. „Wir haben in der Schule angesetzt, um den Jugendlichen die Schwellenangst zu nehmen. Hier sind sie in einem gewohnten Umfeld und haben Vertrauenspersonen“, sieht sich Peter Spiertz in dem gewählten Ansatz nach einem Jahr bestätigt.

Das Projekt hat längst auch das Interesse anderer Schulen geweckt. Deshalb soll es nun schrittweise ausgebaut werden. Anfang 2016 wird die Jugendberufsagentur eine Kooperation mit der Hauptschule Kogelshäuserstraße in Stolberg beginnen. „Hier geht es mehr als in Alsdorf um Prävention, weil es sich nicht um ein Berufskolleg handelt und die Jugendlichen deshalb jünger sind“, sieht Sascha Derichs in der Kupferstadt einen etwas anderen Schwerpunkt.

Wenig Ressourcen, große Ziele

Weitere Projektstandorte werden folgen. Allerdings immer erst dann, wenn vorherige Erfahrungen ausgewertet worden sind. Unter Zeitdruck stehen die Kooperationspartner dabei nicht. Zwar hat die Bundesregierung das Ziel ausgegeben, Jugendberufsagenturen flächendeckend in Deutschland zu etablieren. Zusätzliches Personal oder Geld gibt es dafür aber nicht.

„Die Herausforderung besteht also darin, sich mit den vorhandenen Ressourcen neu zu organisieren“, meint Sascha Derichs. „Und das erste Jahr hat uns gezeigt, dass dies möglich ist.“

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