Gabi Halili für Die Linke: Stolberg als Symbol für die Gesellschaft

Von: Andreas Gabbert
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Unterwegs in Stolberg, hier im Stadtteil Mühle: Die Situation der Kupferstadt ist für Gabi Halili von der Partei Die Linke symptomatisch für unsere Gesellschaft. Foto: Manou Selmani

Städteregion. In den Augen von Gabi Halili hat ihre Heimatstadt Stolberg zwei Gesichter. Oben auf der Burg sei es wunderschön und auch für den Tourismus interessant. Ganz anders sehe es aber im Stadtteil Mühle aus, sagt sie und zeigt auf die Hermann-Schule.

„Dort habe ich fünf Jahre lang in der OGS gearbeitet und erlebt, dass Kinder hungrig in der Schule saßen. Das kann ja wohl nicht wahr sein“, sagt die 54 Jahre alte Mutter zweier erwachsener Kinder und Großmutter einer Enkeltochter, die nach der Wahl für die Partei Die Linke in den Bundestag einziehen will.

Wenige Meter weiter führt eine Brücke über die Eschweiler Straße. „Die ist gesperrt, weil die Stadt kein Geld für die Sanierung hat“, sagt sie. Ein Kind, das gerade aus der Schule kommt, winkt ihr freundlich zu, eine Radfahrerin hält kurz an, um mit ihr ein paar Worte zu wechseln, und auch für den Mann im mittleren Alter hat sie ein offenes Ohr.

Offensichtlich kennen sie viele Menschen in diesem Stadtteil. Ringsherum sind einige heruntergekommene Fassaden und mit Bretten vernagelte Schaufenster zu sehen. „Man sieht, dass der Stadtteil Nachholbedarf hat. Hier sieht es nicht schön aus, aber in der Politik wird vieles schön geredet“, hält Halili fest.

Die Situation in der Kupferstadt ist für sie symptomatisch für unsere Gesellschaft. „Wollen wir diese Spaltung zu lassen?“, fragt sie und fügt hinzu: „Stolberg hat mit die höchste Armutsquote in der Städteregion. Fast 1000 Kinder leben hier in Armut. Das finde ich dramatisch und plädiere für eine Mindestsicherung in Höhe von 1050 Euro, einen höheren Mindestlohn von 12 Euro und weniger Arbeitsstunden pro Woche.“

Pessimistisch sei sie nicht, stattdessen aber mutig, provokant und streitbar – ein Fan von Herbert Wehner. Sie sehe, dass die Stadt bemüht sei, der Entwicklung entgegenzuwirken. Die Kommune habe aber kein Geld, und gleichzeitig wachse das Privatvermögen ins Unermessliche. „Einige wenige besitzen den Großteil des Vermögens“, sagt sie, und damit ist die gelernte Bürokauffrau nicht einverstanden. Die Verhältnismäßigkeit sei abhanden gekommen, meint sie.

Revolution in der Arbeitswelt

Ein Thema das ihr am Herzen liegt, ist die Digitalisierung. „Wir müssen jetzt ganz neue Konzepte entwickeln, damit alle davon partizipieren können, die Wirtschaft ist schon längst weiter“, sagt die Kandidatin der Linke. Die Digitalisierung unterscheide sich von allen Revolutionen in der Arbeitswelt, weil sie auf Optimierung und nicht auf neue Märkte setze. „Der Bessere wird vom Noch-Besseren geschluckt.“

Zurzeit ist sie an der OGS in der Grüntal-Schule beschäftigt und arbeitet im Fernstudium an ihrem Master in Soziologie. Zuvor hatte sie nach einer längeren Familienphase das Abitur nachgeholt und an der RWTH Aachen Politische Wissenschaft und Soziologie studiert und ihren Bachelor gemacht. Das Studium und die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder habe sie in die Politik geführt, erklärt sie.

Der Hauptgrund liege aber im Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse. Als gebürtige Stolbergerin habe sie den sozial-ökonomischen Untergang einer Stadt erlebt, die in den 1970er und 1980er Jahren noch geblüht habe. „Ich habe gesehen, was der Wandel aus einer Kommune und ihren Menschen macht, wenn die Politik nicht rechtzeitig gegensteuert“, betont sie.

Sie bezeichnet sich selbst als Menschenfreund mit Empathie für Schwächere. „Das liegt vielleicht auch an meinem Elternhaus“, meint sie. Ihre Eltern waren in Stolberg bekannte Gastronomen und Mitglied in der CDU. „Dort verkehrten alle. Ob Fabrikbesitzer oder Arbeiter, jeder wurde gleich behandelt. So bin ich aufgewachsen. Deshalb sind mir Klassengedanken oder Statusdenken fremd“, erklärt sie.

Sie interessiert sich dafür, „wie die Menschen ticken“. „Wo bleibt der Mensch, und ist die Politik ihm noch dienlich?“, lauten ihre Fragen. Gerechtigkeit bedeutet für sie, „möglichst alle Menschen in der Gesellschaft mitzunehmen“. Dies bedeute, „dass sie wählen können, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Und das ist nicht mehr der Fall“, betont Halili.


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