Franz-Josef Loch: Ein Kenner von Altkreis und Städteregion

Von: Jutta Geese
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Der doppelte Loch: Zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum hat Franz-Josef Loch eine Karikatur, angefertigt von der Aachener Zeichnerin Mele Brink, geschenkt bekommen. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Landräte und Oberkreisdirektoren kamen und gingen. Franz-Josef Loch blieb. 43 Jahre arbeitete der 61-Jährige bei der Kreisverwaltung Aachen und deren Nachfolgerin, der Städteregionsverwaltung, die letzten 27 Jahre war er freigestellter Personalratsvorsitzender.

Am Mittwoch verabschiedet ihn Städteregionsrat Helmut Etschenberg offiziell in den Ruhestand. Dass Loch am 1. August 1970 seine Ausbildung für den gehobenen Dienst beim Kreis Aachen begann, war eher ein Zufall. Der Übach-Palenberger hatte sich nämlich auch bei der damaligen Bezirksverwaltung Aachen und bei der Kreisverwaltung Selfkantkreis/Geilenkirchen/Heinsberg beworben.

„Die waren einfach nicht schnell genug“ , sagt Loch und schmunzelt. Der Kreis Aachen dagegen habe ihm schon zwei Tage nach der Aufnahmeprüfung im Februar 1970 eine Zusage gegeben. „Und ich habe zugeschlagen.“ Seine Ausbildung begonnen hat er damals übrigens zusammen mit Axel Hartmann. Der ist heute Städteregionsdezernent und unter anderem zuständig fürs Personal.

Nie bereut

Die Entscheidung für die Kreisverwaltung Aachen hat Loch nach eigenem Bekunden nie bereut. Privat sowieso nicht, denn: „Hier habe ich vor rund 35 Jahren meine Frau kennen- und liebengelernt. Mittlerweile sind wir im 32. Jahr verheiratet.“ Und beruflich habe er „insbesondere in meiner Funktion als Personalratsvorsitzender eine wirklich lebendige Verwaltung erlebt.“ Eine, die innovativ war und – zusammen mit einem aufgeschlossenen und aufmerksamen Personalratsvorsitzenden - losgeprescht ist. „Telearbeitsplätze beispielsweise haben wir Anfang der 1990er Jahre einfach eingeführt und nicht erst nach Formalien gefragt. Von Personalräten anderer Verwaltungen habe ich da gehört: ‚O, da müssen wir erst mal eine Dienstvereinbarung abschließen.‘ Oder: ‚Das klappt nie.‘ Wir haben geguckt, ob es klappt, und die Rahmenbedingungen aus den praktischen Erfahrungen heraus verbessert.“

Zu den Höhepunkten seines Arbeitslebens zählt für Koch auch die Einrichtung des Betriebskindergartens zusammen mit Dr. Nina Mika-Helfmeier von der Stabsstelle Gleichstellung und empirische Forschung, die in den 1990er Jahren viele Projekte unter dem Stichwort „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ins Leben gerufen und in Loch stets einen Mitstreiter hatte. Beim Kindergarten hat der Personalrat auch kräftig Hand angelegt.

„Ich habe ein paar Leute zusammengetrommelt und dann haben wir mit den Bauarbeiten begonnen. Nina und Oberkreisdirektor Dr. Walter Fricke haben die Brötchen gebracht. Und 1994 hat der damalige NRW-Arbeitsminister Franz-Josef Müntefering den Kindergarten eingeweiht.“ Es war übrigens der erste - und viele, viele Jahre einzige – Betriebskindergarten einer Kommunalverwaltung.

Als Erfolg sieht Loch auch die Einführung des Jobtickets für die mittlerweile rund 1500 Beschäftigten der Städteregionsverwaltung an. „Das ist zu einer Zeit gelungen, als es hieß, dafür sei kein Geld da. Allerdings wurden damals 75 000 Mark für Pkw-Parkplätze für die Mitarbeiter bezahlt. Wir haben dann ein Konzept entwickelt, mit dem Ergebnis, dass jeweils 50 000 Mark fürs Jobticket und für Parkplätze gezahlt wurden.

Die Kreisverwaltung, und das sagt Loch mit einem gewissen Stolz, habe sich insbesondere seit den 1990er Jahren unter OKD Fricke zu einer modernen Verwaltung entwickelt, die sich mit der Privatwirtschaft vergleichen lassen konnte und auch wollte. „Wir haben viel Geld in die Hand genommen für Fortbildungen, und gegen den Widerstand des damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes haben wir das Projekt ‚Führen auf Zeit‘ auf den Weg gebracht.“ Das ist – vereinfacht gesagt - ein Konzept, bei dem Führungskräfte sich alle drei Jahre um eine Wiederbestellung bemühen müssen und auch von ihren Mitarbeitern bewertet werden.

„Bei allem war mir immer eines wichtig: dass wir die Betroffenen mitnehmen. Veränderungen kann man nur mit Menschen vornehmen, man muss sie überzeugen, ihnen nichts diktieren.“ Man dürfe niemanden überfordern.

In den 27 Jahren als Personalratsvorsitzender hat Loch so einige Herausforderungen meistern müssen. Das begann mit den Stellenbesetzungssperren, die seit 1991 ununterbrochen gelten. Frei werdende Stellen werden derzeit ein Jahr lang nicht besetzt, was die verbliebenen Beschäftigten unter Druck setzen kann. Im Jahr 2001 gab es dann mit der Gründung des gemeinsamen Straßenverkehrsamtes von Stadt und Kreis Aachen eine erste große Verwaltungsfusion, der 2009 die ganz große mit Gründung der Städteregion Aachen folgte. „2001 haben wir gemerkt: Da knallen Welten aufeinander, das hätten wir besser vorbereiten müssen. Jede Verwaltung hat ja nach ihrem eigenen System gearbeitet, hat eigene Strukturen. Und nichts daran war falsch, aber man muss es vereinheitlichen. Es funktioniert nicht so einfach, wenn man das zusammenpackt.“ 2009 sei dann vieles besser gemacht worden. „Es mag hier und da immer noch Anpassungsschwierigkeiten geben, aber im Großen und Ganzen läuft es gut“, meint Loch.

Geplant hatte Loch übrigens nicht, mehr als die Hälfte seines Berufslebens als freigestellter Personalratsvorsitzender zu verbringen. Eigentlich wollte er, der nach der Ausbildung zunächst stellvertretender Jugendamtsleiter und dann vier Jahre stellvertretender Ausländeramtsleiter war, nach drei Jahren als Personalsratsvorsitzender die Leitung des Ausländeramtes übernehmen.

Immer wieder

Doch als klar war, dass 1990 die Verwaltungsspitze komplett neu besetzt werden würde, überzeugten ihn die Kollegen, dass sie einen starken Personalrat als Gegenpol bräuchten und er dafür die richtige Mann sei. Und dann wählten sie den Komba-Gewerkschafter halt immer wieder. „Und da es immer wieder neue, interessante und reizvolle Herausforderungen gab, bin ich geblieben“, sagt Loch.

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