Fortbildungskonzept: Individuelle Förderung rückt in den Fokus

Von: Michael Grobusch
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Damit Lehrer den Begabungen, Interessen und Schwächen ihrer Schüler besser gerecht werden können, hat das Land das Projekt „Vielfalt fördern“ initiiert. Im Sommer startet es in der Städteregion. Foto: Imago/McPhoto

Städteregion. Eigentlich war nichts anderes zu erwarten gewesen. Schließlich verändert sich die Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen weiterhin ebenso rasant wie die Schülerschaft. Und dennoch waren Martina Fleuth und Helmut Hagemann einigermaßen überrascht, als sie zu einer ersten Informationsveranstaltung Vertreter von 27 weiterführenden Schulen in der Städteregion begrüßen konnten. Mit einer derart großen Resonanz hatten sie dann doch nicht gerechnet.

„Vielfalt fördern“, lautete der Titel des Abends. Und „Vielfalt fördern“ soll ab dem kommenden Schuljahr noch mehr als bisher auch der Grundsatz in möglichst vielen Schulen mit Sekundarstufe I sein. Darauf zielt das gleichnamige Projekt ab, das die Landesregierung gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung entwickelt hat und das nun auch in der Städteregion eingeführt werden soll.

„Viele Kollegen fühlen sich immer noch als Einzelkämpfer“, weiß Martina Fleuth, die selbst an einem Berufskolleg der Städteregion unterrichtet und ebenso wie ihr gymnasialer Kollege Helmut Hagemann mit einem Teil ihrer Stunden an das Kompetenzteam der Städteregion abgeordnet ist. Entsprechend der Zahl der Schulamtsbezirke gibt es in NRW insgesamt 53 solcher Kompetenzteams, sie sind für den Bereich der staatlichen Lehrerfortbildung zuständig. Und damit nicht nur für die fachspezifische, sondern auch die didaktische Weiterentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern.

„Die wachsende Heterogenität in den Schulen ist eine der zentralen Herausforderungen für unser Schulsystem“, hat Sylvia Löhrmann festgestellt. Und die NRW-Schulministerin fordert: „Es muss uns gelingen, allen Kindern und Jugendlichen in ihrer Vielfalt gerecht zu werden.“ Genau hier setzt „Vielfalt fördern“ an. „Auch in der Städteregion hatten wir schon immer vielfältig begabte und unterstützte Kinder, aber diese Vielfalt wird immer größer“, weiß Claudia Wachholz aus der täglichen Praxis.

Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule und eine von vier Moderatoren, die die Fortbildungen ab dem nächsten Sommer übernehmen werden. Vier Module sind hierfür im Laufe von zwei Jahren vorgesehen – mit dem einen Ziel: „Wir möchten den Unterricht weiterentwickeln, um Schüler besser individuell fördern zu können.“ Dies sei, so Wachholz, ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer größeren Chancengleichheit. Und eine große Herausforderung in Klassen mit bis zu 30 Schülern, wie die Moderatorin einräumt.

Doch dieser Herausforderung soll sich nicht die einzelne Lehrerin oder der einzelne Lehrer stellen, sondern das gesamte Kollegium. „Das ist ein ganz entscheidender Aspekt des Programms“, betont Helmut Hagemann. „Unterricht lässt sich nachhaltig nur gemeinsam entwickeln.“ Deshalb gehe es auch gleich im ersten Modul um die Teamentwicklung im Kollegium. „Im Team kann man verschiedene Ideen einbringen, die Arbeit besser verteilen und dabei für mehr Transparenz und Verbindlichkeit sorgen“, ist Hagemann überzeugt.

Das zweite Modul richtet den Fokus auf die Diagnostik, das heißt auf das Erkennen von Schülerpotenzialen und -interessen sowie deren Bewertung. Modul 3 und 4 sind dann der schrittweisen Umsetzung gewidmet. Und damit auch zu einem wesentlichen Teil wieder der Teamarbeit. „Deshalb ist es auch am besten, wenn das gesamte Kollegium an der Fortbildung teilnimmt“, betont Martina Fleuth.

Sie versucht, schon im Vorfeld Ängste und Vorbehalte auszuräumen: „Das Programm orientiert sich an dem, was eine Schule schon hat und kann. Da wird nichts von außen übergestülpt, sondern im kollegialen Miteinander das eigene und zunehmend gemeinsame Unterrichtskonzept weiterentwickelt.“

Orientierungsworkshop

Bis es soweit ist werden noch einige Monate vergehen. Zunächst können sich interessierte Schulen aus der Städteregion bis Ende Januar für einen Orientierungsworkshop anmelden, bei dem das Konzept von „Vielfalt fördern“ vorgestellt wird. Bis zu den Sommerferien müssen dann der Beschluss von Lehrer- und Schulkonferenz sowie die verbindliche Anmeldung folgen. „Vier bis sechs teilnehmende Schulen wären wünschenswert“, meint Martina Fleuth. Aber vielleicht wird sie ja auch diesmal angenehm überrascht.

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