Förderschulen leiden unter Mangel an Sonderpädagogen

Von: Jutta Geese
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Aachen. Norbert Greuel kann mittlerweile wenig mehr erschüttern. Dabei hätte der für 21 der 23 Förderschulen in der Städteregion zuständige Schulamtsdirektor allen Grund, sich lautstark zu Wort zu melden und darüber zu klagen, dass „seine” Schulen personell völlig unterbesetzt sind.

Neun Lehrerstellen konnten zum neuen Schuljahr nicht besetzt werden. Zudem muss er mit seinen ohnehin knappen Personalressourcen für die Förderschulen auch noch vier vakante Sonderpädagogenstellen für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern an Grundschulen abfedern.

Kaum Unterrichtsausfall

Dennoch wird es keinen nennenswerten Unterrichtsausfall für die etwa 2950 Kinder mit einer Lern-, Sprach-, Seh- oder Körperbehinderung oder Verzögerungen in der emotionalen Entwicklung in den Förderschulen geben, betont Greuel: „Meine Aufgabe ist es, mit den 21 Schulleitern gemeinsam dafür zu sorgen, dass wir den Mangel mehr oder weniger gleichmäßig verteilen. Wir stimmen uns so ab, dass jede Schule arbeitsfähig ist.”

Das sei das „Optimum, was wir hier vor Ort machen können”, sagt Greuel. Allerdings räumt er ein: „Natürlich leidet die Qualität des Unterrichts dadurch. Ich kann beispielsweise in Klassen mit zwölf geistig behinderten Kindern keine Doppelbesetzung mit Lehrern mehr einrichten.”

Stellen werden den Förderschulen und auch den sogenannten Regelschulen, die integrativen Unterricht anbieten, eigentlich genügend zugewiesen, meint der Schulrat. „Aber wir haben insgesamt zu wenig Sonderpädagogen, so dass viele Stellen nicht besetzt werden können.” Einen Grund sieht Greuel darin, dass trotz des nun schon länger währenden Lehrermangels der Nummerus Clausus für Sonderpädagogik ziemlich hoch ist. Das heißt, nur Abiturienten mit einem richtig guten Abi-Schnitt werden angenommen - wobei der ja nicht unbedingt etwas über die pädagogischen Fähigkeiten und die Eignung als Sonderpädagoge aussagt.

Hinzu kommt laut Greuel, dass es in Nordrhein-Westfalen ohnehin nur zwei Unis gibt, die Sonderpädagogik anbieten. Das sind Köln und Dortmund. Und wer in diesen Städten studiert, will offenbar nach dem Studium nicht unbedingt in die „Provinz”, um eine Stelle anzutreten. Jedenfalls, sagt Greuel, lasse sich feststellen: „Je weiter weg vom Rhein, desto größer der Mangel an Sonderpädagogen. Und die Städteregion liegt ja nicht gerade in der Nähe des Rheines.” Manch ein frisch gebackener Sonderpädagoge nehme lieber eine Vertretungsstelle in Köln an als eine feste Stelle in der Städteregion.

Wie man jungen Leuten einen Umzug aus der Rheinmetropole ins Dreiländereck schmackhaft machen könnte, weiß Greuel auch nicht. „Das ist Sache der Bezirksregierung”, meint er lakonisch. „Ich habe nur die Fachaufsicht, die Verantwortlichkeit für die Stellenbesetzung liegt bei der Bezirksregierung Köln, die sich Mühe gibt, die Situation in der Städteregion zu verbessern.” Er weiß und ist froh darum, dass sich die Bezirksregierung dieses Problems - das nicht nur eines der Städteregion ist, sondern auch der Kreise Düren und Heinsberg - intensiv annimmt und daran arbeitet. Kurzfristige Lösungen erwartet Greuel dabei nicht. „Da muss man langfristig denken.”

Die Zeit drängt

Allzuviel Zeit darf man sich allerdings nicht nehmen. Denn der Mangel an Sonderpädagogen betrifft schon jetzt nicht nur die Förderschulen, sondern auch die integrativen Schulen - im Primarbereich ebenso wie in der Sekundarstufe I.

Und intensiv wird derzeit mit Blick auf die Umsetzung der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Behinderten auf allen Ebenen über „Inklusion” von behinderten Kindern in den Regelschulen diskutiert. „Wenn wir dann nicht genügend personelle Ressourcen haben, kann das ganz schwierig werden”, sagt Greuel, der ein glühender Verfechter von Inklusion ist.

Unterbesetzung eklatanter als an anderen Schulen

19 Lehrerstellen sind laut Kölner Bezirksregierung an den Förderschulen in der Städteregion neu besetzt worden. Neun Stellen sind jedoch vakant geblieben.

Im Vergleich zu den anderen Schulformen ist die Unterbesetzung an den Förderschulen eklatant. Denn insgesamt konnten im Bereich der Städteregion an Grund-, Haupt-, Real-, Gesamt- und Förderschulen sowie Gymnasien „nur” 31 Stellen nicht besetzt werden. „Davon neun an Förderschulen. Das ist schon ein relativ hoher Anteil”, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung auf Anfrage unserer Zeitung.

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