Flugplatz Aachen-Merzbrück: „Wir sind und bleiben Verkehrslandeplatz“

Von: Jutta Geese
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Ruhig geht es oft zu auf dem Flugplatz Merzbrück: Die Zahl Foto: Jutta Geese
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FAM-Geschäftsführer Uwe Zink. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Gezählt hat Uwe Zink nicht, wie oft er in den vergangenen zehn Jahren gesagt hat: „Wir erwarten den Planfeststellungsbeschluss zur Verlängerung der Start- und Landebahn noch in diesem Jahr.“ Irgendwann wurde es dem Geschäftsführer der Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH (FAM) zu peinlich.

Vor zwei, drei Jahren hat er deshalb aufgehört, mit diesen Satz Fragen nach dem Planungsstand für den Flugplatz Merzbrück zu beantworten. Doch jetzt sagt Zink ihn wieder, denn jetzt ist etwas entscheidend anders: „Es ist uns zum ersten Mal schriftlich gegeben worden, dass der Planfeststellungsbeschluss in der zweiten Jahreshälfte kommen wird.“ Und zwar im Jahr 2016.

Doch rücken dann tatsächlich schon im nächsten Jahr die Bagger auf Merzbrück an und die Landebahn wird entsprechend der europäischen Sicherheitsnormen für den Geschäftsflugverkehr verlängert? „Mal sehen, wie das Verfahren weiter läuft“, sagt Zink zurückhaltend. Denn den Planfeststellungsbeschluss der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf werden alle, die vor drei Jahren beim letzten Erörterungstermin dabei waren, erhalten, „und dann muss man abwarten, ob jemand gegen den Beschluss klagen wird“. Außerdem werde der Beschluss Vorschriften und Auflagen enthalten. Die müsse man sich genau anschauen und gegebenenfalls umplanen.

Genau rechnen

Und dann ist da noch das Thema Finanzen. Ein paar Millionen Euro wird es schon kosten, die Landebahn zu verlängern. Wie viele, kann Zink aktuell nicht sagen. „Das hängt ja auch von den Auflagen im Planfeststellungsbeschluss ab“, sagt er. 2006 sei man mal von etwa 2,6 Millionen Euro ausgegangen. „Aber das ist jetzt zehn Jahre her, jetzt wird es teurer werden.“ Genau rechnen will er aber erst, wenn der Beschluss da ist und die Gesellschafter sich damit intensiv beschäftigt haben. „Die finanziellen Spielräume für die Kommunen sind ja nicht besser geworden in den vergangenen Jahren“, sagt Zink. „Eine Investition in den Flugplatz muss schon vertretbar sein.“

Die ersten Forderungen, die Landebahn zu verlängern, wurden schon vor 20 Jahren laut. Die Industrie- und Handelskammer Aachen hatte sie damals erhoben und berief sich dabei auf eine „Bedarfsumfrage“ bei rund 1300 Unternehmen in der Region. Auf mindestens 800, besser 1100 Meter solle die rund 550 Meter lange Bahn verlängert und zugleich in der Ausrichtung verschwenkt werden. Die IHK war damals noch Gesellschafterin der FAM, die 1993 gegründet worden war, um die zivile Nachfolgenutzung des Flugplatzes nach Abzug des belgischen Militärs sicherzustellen. Inzwischen ist die IHK nicht mehr dabei.

Gesellschafter der FAM sind heute mit jeweils 25,01 Prozent der Anteile die Städte Aachen und Eschweiler sowie die Stadtentwicklung Würselen GmbH, die Städteregion als Nachfolgerin des Kreises Aachen mit 14,97 Prozent und der Fluggemeinschaft Aachen e.V. mit zehn Prozent der Anteile. Die FAM erhielt 1995 von der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf die Betriebsgenehmigung für den Flugplatz und ist seither für den Betrieb, die Unterhaltung und den Ausbau des Verkehrslandeplatzes zuständig, auf dem auch viele Segelflieger ihre Heimat haben.

Schwarze Zahlen

Uwe Zink, seit 1994 Baudezernent des damaligen Kreises Aachen und heute der Städteregion, ist seit 2006 Geschäftsführer der FAM. Mit dem Flugplatz hatte er aber schon viel früher zu tun, nicht zuletzt von 1999 bis 2015 als Geschäftsführer der Aachener Kreuz Merzbrück GmbH (AKM), deren Aufgabe die Entwicklung eines Gewerbegebietes rund um den Flugplatz ist. „In den zehn Jahren, seit ich Geschäftsführer bin, hat die FAM immer schwarze Zahlen geschrieben“, sagt er. „Keine hohen Summen, aber immerhin.“ Und er arbeitet daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt. So ist Zink seit Jahren dabei, Merzbrück als Veranstaltungsort für Open-Air-Konzerte mit Tausenden Besuchern zu etablieren. Etwa 7000 Musikfans waren es, die im Rahmen des städteregionalen Kulturfestivals im Jahr 2010 auf Merzbrück Bela B. von der Kultband Die Ärzte feierten. Ein paar tausend Menschen kommen alljährlich zum Techno-Festival „Seltsames Verhalten“.

Anfragen für Festivals

Bis zu 10 000 Festivalbesucher könnte Merzbrück sicher verkraften, meint Zink. „Einen solchen Ort gibt es in der Region sonst nicht.“ Anfragen von Veranstaltern gebe es durchaus. Der FAM brächten sie Pachteinnahmen, kämen solche Open-Air-Konzerte zustande. Genehmigen müsste diese allerdings die Stadt Würselen, weil Merzbrück auf deren Hoheitsgebiet liegt. Und die bewilligt Großveranstaltungen nur mit großen Auflagen. Daran scheiterte wohl zuletzt das Schalgerfestival „Aachen Olé“.

Noch wichtiger als Merzbrück zum Festival-Standort auszubauen aber ist Zink, dass der Flugplatz Merzbrück zu einem Hochschulstandort werden könnte. Schon heute seien RWTH und FH Aachen vor Ort aktiv, und es gebe Planungen für ein Campus-Cluster „Luftfahrt“ der RWTH an diesem Standort. „Konkret soll es da um die Entwicklung eines E-Flugzeuges gehen“, sagt Zink. Voraussetzung für die Cluster-Ansiedlung sei zum einen, dass das von der AKM forcierte Gewerbegebiet (wir berichteten) fertig ist – und auch die längere Start- und Landebahn. „Aber das halte ich für machbar, und das wäre auch positiv für die gesamte Region. Ich sehe darin eine große Chance. Wer kriegt schon außerhalb von Aachen einen Campus?“

Eines ist laut Zink aber unumstößlich, und das sagt er vor allem mit Blick auf Kritiker: „Wir sind und bleiben ein Verkehrslandeplatz, wir sind kein Regionalflughafen und werden auch keiner.“ Will heißen: Auch künftig werden keine großen Maschinen auf Merzbrück landen. Die Zahl der Starts und Landungen hat sich seit den 1990er Jahren von etwa 90 000 auf rund 45 000 halbiert. Tendenz leicht steigend. Der Ausbau sei dennoch notwendig, um den Status quo zu erhalten und Forschung zu ermöglichen. „Die Gesellschafter müssen sagen, ob sie bereit sind, das zu finanzieren. Und ich hoffe, ich kann einen Vorschlag unterbreiten, der die Finanzierung sicherstellt, ohne die Kommunen unnötig zu belasten“, sagt Zink.

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