Flüchtlingsbetreuung: Stellen an Berufskollegs?

Von: Michael Grobusch
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Um junge Flüchtlinge an ihren neun Berufskollegs besser unterstützen zu können, will die Städteregion Aachen für jede der derzeit 18 Internationalen Förderklassen eine halbe Schulsozialarbeiterstelle schaffen. Die Kosten von jährlich rund 530 000 Euro soll das Land tragen. Foto: Stock/Rolf K. Wegst

Städteregion. Die Angelegenheit ist dringend. So dringend, dass Helmut Etschenberg einen Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geschrieben hat. Die Kernbotschaft des Städteregionsrates fällt deutlich aus: „Ich möchte an Sie persönlich appellieren, der Städteregion Aachen zusätzliche Ressourcen für weitere Schulsozialarbeit zur Verfügung zu stellen.“

Neun Berufskolleg an zehn Standorten betreibt die Städteregion, und mit dem verstärkten Eintreffen von Flüchtlingen hat sie damit begonnen, dort sogenannte Internationale Förderklassen zum Erlernen der deutschen Sprache und zur besseren Integration einzurichten. Damit steht sie zwar keinesfalls alleine – derzeit gibt es an den allgemeinbildenden Schulen in der Städteregion 56 solcher Klassen.

Doch der Anteil der städteregionalen Berufskollegs ist mit 18 sehr hoch. Und mit ihm, so betont Helmut Etschenberg in seinem Schreiben, auch die Belastung: „Wie Sie wissen, erfordern die Bedürfnisse junger Flüchtlinge einen hohen Betreuungsaufwand. Bei der Schulsozialarbeit stoßen wir an Grenzen, die von uns nicht mehr in dem erforderlichen Maße überwunden werden können. Daher bitten wir dringend um Unterstützung.“

Was das konkret bedeutet, hat das Schulverwaltungsamt in Zahlen und Worte gefasst: Für jede Internationale Förderklasse soll eine halbe Schulsozialarbeiter-Stelle eingerichtet werden, eine weitere 50-prozentige Kraft würde für die fachliche Aufsicht erforderlich. Macht in der Summe 9,5 Stellen, die nach Berechnungen des Fachamtes mit jährlichen Kosten in Höhe von knapp 530.000 Euro verbunden wären.

Allerdings verfügt die Städteregion nach eigener Aussage über keinerlei Möglichkeiten, diese Kosten zu übernehmen. „Die Verwaltung hat die Entwicklung der Ministerpräsidentin aber deutlich gemacht und die Erwartung geäußert, dass die erforderlichen Mittel vom Land zur Verfügung gestellt werden“, erklärt Pressesprecher Detlef Funken.

Und wenn auch bis Freitagabend noch keine Antwort im Haus der Städteregion eingegangen war, so zeigt man sich dort dennoch zuversichtlich und überzeugt: „Die Erweiterung der Schulsozialarbeit würde wesentlich dazu beitragen, dass minderjährige Flüchtlinge an unseren Berufskollegs qualitativ so gut unterrichtet und beraten werden, dass deren Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im größtmöglichen Umfang gewährleistet wird“, sagt Funken.

Dass der gegenüber dem Land reklamierte Bedarf noch lange aktuell sein wird, ist angesichts stetig steigender Flüchtlingszahlen eher unwahrscheinlich. Weitere Förderklassen und zusätzliche Stellen dürften auch an den Berufskollegs der Städteregion bald erforderlich werden. Prognosen möchte Detlef Funken allerdings nicht abgeben. Nur so viel sagt er: „Wir können überhaupt nicht einschätzen, wie das weitergehen wird.“

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