Falsche „Enkel“ machen oft fette Beute

Von: Margot Gasper
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Sie kennen sich aus mit den fiesen Tricks der Betrüger: Polizeihauptkommissarin Elke Laukamp (Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz) und der ehrenamtliche Seniorenberater Wilhelm Schäfer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Echt hinterhältig: Der Enkeltrick ist eine besonders fiese Masche, alten Menschen ihr Erspartes abzuluchsen. Am Telefon geben sich die Betrüger als Verwandte – meist Enkel oder Neffen - aus und täuschen eine akute finanzielle Notlage vor. Und immer wieder werden Senioren derart unter Druck gesetzt, dass sie tatsächlich umgehend für den angeblichen Enkel Geld besorgen.

Die Zahl der versuchten und vollendeten Betrügereien mit dem Enkeltrick ist in den letzten Jahren massiv angestiegen. Die Aachener Polizei warnt deshalb immer wieder vor solchen üblen Maschen. Sie hat dafür auch ehrenamtliche Seniorenberater im Einsatz.

Im Jahr 2015 wurden bei der Aachener Polizei in Stadt und Altkreis Aachen 184 Fälle von Enkeltrickbetrug bekannt. In 176 Fällen blieb es glücklicherweise beim Versuch. In acht Fällen aber kamen die Täter mit ihrer Masche durch. Und allein in diesen acht Fällen erbeuteten sie insgesamt die beträchtliche Summe von 118.000 Euro.

2016 gab es nach Angaben der Aachener Polizei zwar einen leichten Rückgang bei den Fallzahlen. 134 Versuchen standen erneut acht erfolgreiche Betrügereien gegenüber. Diesmal aber machten die Verbrecher noch reichere Beute: 236.000 Euro luchsten sie den acht Opfern ab. „Die haben richtig abkassiert“, stellt Andreas Müller von der Pressestelle der Polizei fest.

Polizeihauptkommissarin Elke Laukamp kennt die gemeinen Tricks der Betrüger. Im Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz ist sie zuständig für die Seniorenprävention. „Senioren geraten leider immer mehr in den Fokus einiger Krimineller“, sagt sie. „Und die Zahl der Fälle steigt.“

Das bestätigt auch ein Blick in die NRW-Kriminalstatistik. Die Zahl der gemeldeten Enkeltrick-Fälle stieg von 732 im Jahr 2011 auf 4115 Im Jahr 2015. Von den 4115 Versuchen waren zwar nur 256 erfolgreich. Die Schadenssumme aber beläuft sich auf satte 3,79 Millionen Euro.

Auf die Spur kommt man den Tätern nur selten. Den 4115 Versuchen in NRW standen 2015 lediglich 45 aufgeklärte Fälle gegenüber. Und die Dunkelziffer, schätzt Laukamp, ist sehr hoch. Von vielen Fällen erfährt die Polizei gar nicht erst. „Mancher Senior merkt vielleicht nicht mal, dass er Betrügern auf den Leim gegangen ist“, sagt die Präventionsberaterin. „Viele Opfer schämen sich auch, dass sie reingefallen sind, und trauen sich nicht, das ihren Verwandten zu gestehen.“

Die Täter, die mit der Enkeltrick-Masche operieren, sind hochprofessionelle Banden, erläutert Laukamp: „Diese Leute agieren vom Ausland aus, in der Regel von Osteuropa, sie benutzen ausschließlich Mobiltelefone mit Prepaid-Karten, die nicht zurückzuverfolgen sind.“

Systematisch telefonieren die Täter Telefonbücher und Datensätze durch. Und wenn pro Tag nur ein Senior drauf reinfällt, „dann ist das für so einen Täter ein guter Schnitt“, sagt Laukamp. Offenbar suchen die Betrüger im Telefonbuch gezielt nach Namen, die eher auf einen alten Menschen schließen lassen. Gefasst werden, wenn überhaupt, nur die Abholer. Das sind die Boten, die vor Ort zu den betrogenen Senioren geschickt werden, um die Beute abzuholen. Fast nie gelingt es, den Kopf einer solchen Bande festzusetzen.

Der Enkeltrick hat viele Varianten. Mal sitzt der „Enkel“ angeblich beim Notar und braucht sofort Geld für eine Wohnung. Mal hat er angeblich einen Unfall gebaut und braucht – na klar – Geld. Immer wird eine finanzielle Notlage und fast immer eine persönliche Beziehung zum Opfer vorgetäuscht. „Rate mal, wer hier ist“, sagt der Betrüger am Telefon. Sagt das der Senior dann vorsichtig „Peter?“, dann gibt der Spitzbube am Telefon sich als Enkel Peter aus.

Eine ältere Dame aus der Städteregion hatte für ihre angebliche Enkelin schon eine hohe Geldsumme von der Bank geholt. Und das Geld wäre wohl weg gewesen, hätte nicht kurz vor der Übergabe die echte Enkelin angerufen. Die fiel natürlich aus allen Wolken. Längst nicht immer sind die Opfer vereinsamte, verunsicherte Senioren, die womöglich nicht zugeben wollen, dass sie nicht mehr gut hören und am Telefon nichts verstanden haben. „Auch Senioren, die in festen sozialen Bindungen leben, fallen auf solche Anrufe rein“, warnt Laukamp. Aufklärung sei deshalb das A und O im Kampf gegen die Betrüger mit dem Enkeltrick.

Um die Aufklärung kümmert sich zum Beispiel Wilhelm Schäfer. Der 76-Jährige, ehemaliger Bundeswehrsoldat, ist einer von elf ehrenamtlichen Seniorenberatern im Bereich der Kreispolizeibehörde Aachen. Statistisch gesehen laufen Senioren zwar weitaus seltener Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden als Jüngere. Trotzdem sind gerade Ältere häufig verunsichert und haben das Gefühl, nicht sicher zu sein. Diese Ängste wolle man ernstnehmen, heißt es bei der Polizei.

Rund 50 Aufklärungsveranstaltungen speziell für Senioren absolvieren die Berater deshalb jedes Jahr über Sicherheit im öffentlichen und häuslichen Bereich. „Der Enkeltrick steht bei unseren Veranstaltungen immer ganz oben auf der Liste“, berichtet Schäfer. Und oft berichten die Teilnehmer ihm bei solchen Gesprächen von sehr dubiosen Anrufen.

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