Fällarbeiten: Städteregion will mit dem Land sprechen

Von: Jutta Geese
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Trauriger Anblick: Bis vor Kurzem standen an diesem Hang in Würselen-Pley noch Kiefern. Geblieben ist eine Brachfläche. Doch die Fällaktion im Naturschutzgebiet ist laut Städteregion rechtlich nicht zu beanstanden.

Würselen/Herzogenrath. Wer dieser Tage im Wurmtal zwischen Würselen-Pley und Herzogenrath spazierengeht, ist entsetzt: In drei Bereichen sind dort in großem Stil Bäume gefällt worden. Zusammenhängende Fichten- und Kiefernbestände sind stellenweise komplett gerodet worden, im Laub-Mischwald ist ein Drittel der Bäume abgeholzt worden. Die Waldwege in den betroffenen Gebieten sind teils massiv beschädigt worden.

Fragen, die jetzt im Umweltausschuss der Städteregion diskutiert worden sind und deren Beantwortung dem zuständigen Dezernenten Uwe Zink und Umweltamtsleiter Thomas Pilgrim nicht leicht fiel. Weil sie den Ärger von Bürgern und Kommunalpolitikern nachvollziehen können, und weil sie eine solch massive Vorgehensweise, wie sie der private Eigentümer des Waldes im Wurmtal an den Tag gelegt hat, persönlich nicht gutheißen.

„So etwas habe ich in den mehr als 20 Jahren, die ich jetzt hier bin, noch nicht erlebt“, sagte etwa Zink. Und Pilgrim stellte fest: „Wenn wir zuständig gewesen wären, wären wir behutsamer vorgegangen.“ Und beiden war mehr oder weniger deutlich anzumerken, wie sehr es sie wurmte, sagen zu müssen: „Es handelt sich dort um ordnungsgemäße Arbeiten.“

Tatsächlich ist es nach Lendesrecht auch in Naturschutzgebieten erlaubt, selbst in größerem Umfang Bäume zu fällen, wenn die einschlägigen Schutzbestimmungen eingehalten werden. Und das hat das Eifeler Unternehmen, das den Wald erst vor wenigen Wochen vom Eschweiler BergwerksVerein (EBV) gekauft hatte, getan – und sogar ein bisschen mehr, wie Pilgrim im Ausschuss erläuterte. So hat der Eigentümer, obwohl er dazu nicht verpflichtet ist, das städteregionale Umweltamt einen Tag vor Beginn der Fällarbeiten im Wurmtal informiert, das daraufhin eine Ortsbesichtigung mit den Verantwortlichen vereinbart hat.

Und bei diesem Termin hat man sich unter anderem darauf verstän digt, dass im Further Wald die Laubbäume nicht kurz über dem Boden abgesägt werden, sondern Baumstümpfe von jeweils einem halben bis zu einem Meter Höhe stehenbleiben – als Brutstätten für den sehr seltenen Hirschkäfer, der in diesem Gebiet lebt. Wie vereinbart, habe das Unternehmen auch den überwiegenden Teil des Altbaumbestandes geschont und sogenanntes Totholz stehenlassen.

Und noch eines machte Zink im Ausschuss deutlich: „Wenn wir den Wald gekauft hätten, hätten wir die Monokulturen mit Nadelbäumen dort auch nicht erhalten.“ Und auch den Laubwald hätte die Städteregion durchforstet, wie es im Fachjargon heißt. Vielleicht nicht ganz so stark wie es jetzt geschehen ist, räumte er ein. „Da sind viele Bäume rausgeholt worden. Das sieht da fürchterlich aus.

Aber man muss auch sagen: Jetzt kommt wieder Licht durch und es können sich Sprösslinge entwickeln.“ Sprich: Es wird schon in Kürze eine vielfältige Kraut-, Strauch- und Baumschicht entstehen. Dass das Unternehmen bei den Holzfällarbeiten schweres Gerät eingesetzt habe, sei nicht schön, aber sein gutes Recht, stellte Zink fest. „Wir hätten leichtes Gerät, vielleicht sogar Rückepferde eingesetzt, um den Waldboden und die Wege zu schonen.“

Und warum hat die Städteregion den Wald nicht gekauft, als der EBV ihn veräußern wollte? Sie hatte doch ein Vorkaufsrecht, wie bei allen geschützten Gebieten. Richtig, sagt Zink. Aber: „Wir haben schon im Jahr 2006 festgelegt, dass wir grundsätzlich auf dieses Vorkaufsrecht verzichten und dies der Notarkammer mitgeteilt.“ Folge ist, dass die Städteregion über geplante Verkäufe nicht mehr informiert wird.

Bislang, so Zink, war das ja auch kein Problem. Und außerdem: „Wir können schon aus finanziellen Gründen nicht jedes geschützte Waldstück im früheren Kreis Aachen kaufen.“ In der Tat wären dafür riesige Summen erforderlich. Schließlich besteht ein Drittel des Gebietes zwischen Monschau und Baesweiler aus Wald. Der steht zwar nicht komplett unter Naturschutz, aber viele Flächen sind in den insgesamt rund 100 Quadratkilometern Naturschutzgebieten enthalten im Altkreis enthalten.

Doch da man aus Schaden bekanntlich auch klug wird, überlegt die Verwaltung nun, ob sie sich nicht doch wieder über geplante Waldverkäufe infomieren lassen will. Und sie hat sich von den Umweltpolitikern die Zustimmung dafür geholt, mit dem Land über eine Veränderung der einschlägigen Naturschutzbestimmungen zu sprechen.

„Als diese verabschiedet wurden, waren schärfere Regeln politisch nicht durchsetzbar“, stellte Zink im Ausschuss fest. Aber vielleicht denkt man ja heute anders und gibt den zuständigen Behörden vor Ort bessere Möglichkeiten an die Hand, solche (Fast-)Kahlschläge wie jetzt im Wurmtal zu verhindern.

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