Städteregion - Fachtagung rückt Stand der Inklusion in den Fokus

Fachtagung rückt Stand der Inklusion in den Fokus

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
13838448.jpg
Wünscht sich mehr Menschen, die in Sachen Inklusion mit gutem Beispiel vorangehen: Dr. Maria Lüttringhaus, Leiterin des Essener Instituts für Sozialraumorientierung und Case-Management, die mit ihrem Vortrag bei der Fachtagung der Städteregion für gute Unterhaltung, aber auch für viel Gesprächstoff sorgte. Foto: Peter Wery

Städteregion. Das Bild vom halb vollen oder halb leeren Glas drängte sich förmlich auf. Denn auch wenn es um das Thema Inklusion geht, ist so manches Ansichtssache. Etwa die Antwort auf die Frage, inwieweit es schon gelungen ist, die gesellschaftliche Benachteiligung von Menschen mit Behinderung zu reduzieren.

„Im Jahr 2002 gab es noch keinerlei Strukturen der Mitbestimmung“, erinnert sich Matthias Kempf. „15 Jahre später kann man da sicher etwas ganz Anderes festhalten“, betont der Wissenschaftler der Universität Siegen, der im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW ein Forschungsprojekt geleitet und jetzt abgeschlossen hat.

Die Forderung, dass der Titel –„Politische Partizipation von Menschen mit Behinderung in den Kommunen stärken“ – aber auch weiterhin Programm sein müsse, untermauert Kempf mit einem Verweis auf die Statistik: „In rund der Hälfte der Kommunen in Nordrhein-Westfalen gibt es weiterhin keine Form der politischen Interessenvertretung.“ Trotz des bereits seit 2003 in Nordrhein-Westfalen geltenden Behindertengleichstellungsgesetzes und der am 3. Mai 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention.

Die Städteregion zählt wohl nicht zum Kreis derjenigen, die großen Nachholbedarf haben. Mit dem im Dezember 2013 vom Städteregionstag verabschiedeten Inklusionsplan und dem fünf Monate später eingerichteten Inklusionsamt zählt sie auch bundesweit zu den Vorreitern in Sachen Inklusion. Wie groß gleichwohl der Handlungsbedarf nach wie vor ist, dokumentiert der gerade erst fertiggestellte und von der Politik verabschiedete Aktionsplan, den es – basierend auf dem Inklusionsplan – ab 2017 jährlich geben soll.

Auch die Fachtagung, die jetzt im Haus der Städteregion in Aachen stattgefunden hat, zählt zu den dort aufgeführten Punkten. Unter dem Motto „Nichts über uns ohne uns“ stand hier die gesellschaftliche Partizipation von Menschen mit Behinderung im Vordergrund. Und nicht die „Beteiligung“, wie Dr. Maria Lüttringhaus in ihrem unterhaltsam-amüsanten und dennoch eindringlichen Vortrag ausführte. „Der Begriff Beteiligung ist Ausdruck einer total patriarchalischen Haltung derjenigen, die die Macht haben, die Dinge auch alleine zu regeln“, erklärte die Leiterin des Essener Instituts für Sozialraumorientierung und Case-Management provokant.

Partizipation hingegen benenne eine ganz andere Haltung, eine „Entwicklung von unten“, die eine Partnerschaft zwischen denjenigen, die Teilhabe einfordern, und denjenigen, die sie gewähren, voraussetze. Außerdem brauche die Gesellschaft „Personenvertrauen“, um sich entwickeln und verändern zu können. „Die Menschen müssen mit gutem Beispiel vorangehen, um anderen zu zeigen, dass Partizipation etwas bringt“, forderte Lüttringhaus.

Dass dies funktionieren kann, davon ist Professor Edeltraud Vomberg überzeugt. Sie verwies bei der Fachtagung auf die in der Städteregion mittlerweile sehr ausgeprägte Partizipation der Jugend – insbesondere, aber nicht ausschließlich über die Schülervertretungen. „So etwas kann ich mir langfristig auch bei Menschen mit Behinderung vorstellen“, erklärte die städteregionale Sozialdezernentin.

„Doch zunächst müssen wir die vorhandenen Barrieren erkennen und Wege finden, sie abzubauen.“ Der Aktionsplan biete in diesem Sinne wichtige Ansatzpunkte. „Allerdings werden wir die Dinge nicht über Nacht ändern können. Es werden viele kleine Schritte vonnöten sein“, warnte Vomberg vor zu hohen Erwartungen.

An den von Maria Lüttringhaus geforderten Menschen, die vorangehen wollen, mangelte es zumindest bei der Fachtagung nicht. Fast 100 Teilnehmer, darunter auch Studierende der Fachschule für Heilerziehungspflege am Berufskolleg Käthe-Kollwitz-Schule, waren nicht nur aufmerksame Zuhörer, sondern beteiligten sich auch engagiert an den zahlreichen Diskussionen in kleinerer Runde. Die Schwerpunktthemen dort: Behinderten- und Inklusionsbeauftragte, der Inklusionsbeirat, die Rolle der Medien sowie die Partizipation im Wohnort und auf kommunaler Ebene.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert