Stolberg - Evangelische Kirche greift in die Schatulle

Evangelische Kirche greift in die Schatulle

Von: Jan Schlegelmilch
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Führt die evangelische Kirche im Kirchenkreis Aachen: Superintendent Hans-Peter Bruckhoff.

Stolberg. Die schlechtere Nachricht vorneweg: Die Wirtschaftskrise und ein massiver Einbruch der Kirchensteuern gehen auch am Evangelischen Kirchenkreis Aachen nicht vorbei.

Die Folge: Der Kirchenkreis wird im kommenden Jahr erstmals seit 2004 wieder auf Rücklagen zurückgreifen müssen, wie Pfarrer Erik Schumacher, Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses, bei der zweitägigen Tagung der Kreissynode in Stolberg erklärte.

So muss der Kirchenkreis, zu dem 14 Kirchengemeinden zwischen Baesweiler und Blankenheim mit insgesamt 84.000 Gläubigen gehören, mit rund 800.000 Euro weniger Kirchensteuern planen; die ursprüngliche Kalkulation von 14,5 Millionen Euro Steuereinnahmen wurde auf 13,7 Millionen Euro korrigiert.

Da auch der sogenannte Übersynodale Finanzausgleich - die Geldspritze, die der Kirchenkreis Aachen von finanzstarken Kreisen der Rheinischen Kirche erhält - von 1,36 Millionen Euro auf 568.009 Euro um mehr als die Hälfte reduziert wird, rechnet Schumacher für das Jahr 2010 mit einem Defizit von gut 335.000 Euro.

Die gute Nachricht: Das Minus kann dank des Überschusses von 600.000 Euro aus dem vergangenen Jahr aufgefangen werden.

Systemwechsel

Neu im Haushaltsplan ist indes nicht nur das eingeplante Defizit. Erstmals wurde der Kirchenkreis-Haushalt nach dem Neuen Kirchlichen Finanzwesen (NKF) erstellt.

Den Systemwechsel von der kameralistischen hin zur kaufmännischen Buchführung bezeichnete Schumacher als „historischen Moment”, betonte aber auch, dass damit kein Wechsel in der Auffassung von Gemeindeleitung verbunden sei: „Als Kirche werden wir stets anders geleitet sein als eine Firma, auch dann, wenn wir auf betriebswirtschaftliches Denken zurückgreifen.”

Mit NKF sollen die Kosten einzelner Posten genauer erfasst werden können. So könne man nun klar sagen, was ein Gebäude koste oder wieviel finanzieller Aufwand einer Konfirmandenstunde zugrundeliege.

„Bei der Zusammentragung der Daten bei der Erfassung unserer Gebäude in einer Gebäudestrukturanalyse kann einen schon hin und wieder das Gefühl beschleichen: Viel Wissen macht traurig. Aber es ist uns klar, dass wir uns einen Blindflug nicht leisten können”, sagte Superintendent Hans-Peter Bruckhoff in seinem Jahresbericht zur Einführung des NKF und fügte an: „In all unseren Zukunftsüberlegungen kann es nicht darum gehen, dass wir unsere Kirche durchökonomisieren, dass wir Trends und Erfolgsaussichten nachlaufen, wohl aber um die Treue des uns Anvertrauten im Kleinen wie im Großen.”

In seinem Bericht ging Bruckhoff zudem auf die Problematik der sozialen Frage ein: „Nur eine soziale, eine diakonische Kirche, die Kirche in der Welt für andere ist, ist missionarische Volkskirche”, fasste Bruckhoff zusammen.
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